Nach Beginn der Fukushima-Katastrophe im März 2011 drehten die Laufzeit- und Atomrisiko-Verlängerer von CDU, CSU und FDP bei: Statt die AKW in Deutschland quasi unbegrenzt laufen zu lassen, schalteten sie zunächst sieben ab. Am 30. Juni 2011 stimmte der Bundestag mit den Stimmen von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen einem Plan zu, der in der Presse als "Atomausstieg" gefeiert wird. Aber leider keiner ist - neun von 17 Atomkraftwerken laufen weiter, zum Teil noch elf Jahre lang.
- Sofort und dauerhaft abgeschaltet werden die AKW Krümmel, Brunsbüttel, Esenshamm (Unterweser), Biblis A, Isar 1, Neckarwestheim 1 und, nachdem die Bundesnetzagentur am 31. August gegen eine atomare Kaltreserve entschieden hat, die AKW Biblis B und Philippsburg 1.
- Weiter laufen dürfen die AKW Grafenrheinfeld (bis 2015), Gundremmingen B (2017), Philippsburg 2 (2019), Grohnde, Brokdorf, Gundremmingen C (alle bis 2021), Isar 2, Neckarwestheim 2 und Lingen (Emsland) (bis 2022).
Die schwarz-gelbe Koalition verkauft diesen Plan wie bereits ihre Laufzeitverlängerung vom Herbst 2010 als Brücke ins Zeitalter der regenerativen Energien. Doch tatsächlich verzichtet sie darauf, die Ziele zum Ausbau der Erneuerbaren Energien zu erhöhen. Statt auf dezentrale Energieerzeugung setzt sie auf Großkraftwerke wie Off-Shore-Windstromanlagen.
Die neuen Regelungen bleiben zum Teil hinter dem völlig unzureichenden von SPD und Grünen 2001 vereinbarten Atomkonsens zurück. Die Grünen hatten zuletzt dafür geworben, alle Atomkraftwerke bis 2017 abzuschalten - dem halben Atomausstieg plus Weiterbetrieb bis 2022 haben sie dennoch zugestimmt. Formell behalten sie das Ziel "Ausstieg bis 2017" bei. Einzelne Spitzen-Grüne wie Cem Özdemir und Bärbel Höhn erklären aber bereits, dass dies tatsächlich politisch nicht mehr durchsetzbar sei und an den im Atomgesetz nun festgeschriebenen spätesten Abschaltterminen auch unter grüner Regierungsbeteiligung nicht gerüttelt werden könne.>/p>
Abgeschaltet wurden die unsichersten AKW - die anderen Reaktoren stellen aber ebenfalls ein hohes Risiko dar. Die Gefahr eines Super-GAU rechnen Versicherungen ganz rational durch; sie wägen Wahrscheinlichkeit gegen Folgen ab und kommen zu dem Schluss, dass entsprechende Versicherungsprämien so hoch wären, dass Atomstrom ökonomisch völlig unsinnig ist. Deshalb ist kein AKW-Betreiber gegen die Folgen eines Super-GAU versichert.
Dass die acht gefährlichsten AKW vom Netz sind, ist dennoch ein Riesenerfolg der Anti-AKW-Bewegung.
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