Was zum Atomausstieg noch fehlt

Mögliche und nötige Handlungsfelder für die Anti-AKW-Bewegung

1. AKW-Laufzeiten

 Das AKW Grafenrheinfeld soll erst zum Jahreswechsel 2015/2016 vom Netz, Gundremmingen B erst 2017/2018 und Philippsburg 2 2019/2020. Erst zum 31.12.2021 sollen Gundremmingen C, Brokdorf und Grohnde folgen. Sylvester 2022/2023 dann Neckarwestheim 2, Lingen und Ohu 2 (Isar). Das ist, angesichts der immensen Atomgefahren, deutlich zu lang.

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2. Kaltreserve

Am 31. August hat die Bundesnetzagentur gegen eine atomare Kaltreserve entschieden und damit die Position der AtomkraftgegnerInnen bestätigt.
Ursprünglich sollten nach dem Willen der Regierung der Pannenmeiler Biblis B, in dem es 2004 nach einem Unwetter beinahe zum Super-GAU kam, oder Philippsburg 1, nahezu baugleich mit Fukushima, möglicherweise noch zwei Winterhalbjahre im Standby-Betrieb laufen, ganz ohne Sicherheitsnachrüstung.

[Zur Pressemitteilung]

3. Gorleben

Der völlig ungeeignete Salzstock im Wendland wird weiter zum Atommüllendlager ausgebaut. Die groß angekündigte Suche nach alternativen Standorten findet nicht statt. Bis Ende des Jahres soll ein neues Endlagergesetz entstehen. Und im November rollt der nächste Castor-Transport nach Gorleben.

4. AKW-Sicherheit

Der im Herbst 2010 neu ins Atomgesetz aufgenommene Paragraph 7d verhindert Klagen von AnwohnerInnen gegen zu laxe Sicherheitsbestimmungen. Für die Reaktoren, die noch Jahre weiterlaufen, ist bisher keine Nachrüstung vorgesehen. Das heißt: Aus Fukushima nichts gelernt. Denn in Gundremmingen stehen zwei Siedewasserreaktoren wie in Fukushima. Brokdorf und Neckarwestheim sind schlecht gegen Hochwasser geschützt, Neckarwestheim und Philippsburg liegen in ausgesprochenen Erdbebengebieten. Alle Meiler versagen beim Absturz eines vollgetankten großen Flugzeugs. Und unzählige weitere Störfälle, die zur Kernschmelze führen, sind möglich.

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5. Haftpflicht

Noch immer sind Atomkraftwerke gnadenlos unterversichert – und nur deshalb rentabel.

[Appell "Atomkonzerne in die Haftpflicht nehmen" unterschreiben]

6. Gronau und Lingen

Die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau und die Brennelementfabrik in Lingen beliefern weltweit Atomkraftwerke. Da ist der angebliche Ausstieg noch lange nicht angekommen.

7. Asse, Morsleben und Schacht Konrad

Die beiden havarierten „Endlager“ für schwachaktiven Müll in der Asse (bei Wolfenbüttel) und Morsleben sind weiter riesige Problemfälle, die noch Milliardensummen verschlingen werden. Ganz in der Nähe wird das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad zum neuen Endlager für schwach- und mittelaktiven Müll ausgebaut, obwohl es auch hier an der Langzeitsicherheit große Zweifel gibt. Die Inbetriebnahme ist für 2019 vorgesehen.

8. Hermes-Bürgschaften

Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist jetzt zwar angeblich auch für den Atomausstieg, fördert aber den Export von Atomtechnologie ins Ausland weiter mit milliardenschweren Hermesbürgschaften.

9. Fessenheim, Cattenom, Temelin und Co.

Viele Anti-Atom-Gruppen streiten in grenzüberschreitenden Bündnissen auch für die Stilllegung grenznaher Atomkraftwerke im Ausland.

10. Atomtransporte

In vielen Hafenstädten streiten AtomkraftgegnerInnen gegen Transporte radioaktiver Stoffe – teilweise durchaus mit Erfolg. In NRW sind Proteste gegen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus geplant. Und in Grohnde wollen die örtlichen Initiativen weiter die Anlieferung plutoniumhaltiger MOX-Brennelemente verhindern.

11. Uranabbau

Die „saubere Energie“ Atomkraft hat schmutzige Quellen: Beim Uranabbau, beispielsweise in Afrika, gibt es massive Umweltschäden, Krankheit und Tod.

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12. Zwischenlager

An den meisten AKW-Standorten sowie in Ahaus, Lubmin und Gorleben gibt es Lagerhallen für Castor-Behälter. Die bleiben stehen, auch wenn die AKW abgerissen werden. Ausgelegt sind die Behälter auf 40 Jahre. Was danach aus dem hochradioaktiven Müll werden soll, weiß niemand.

Und noch viel mehr...

Diese Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen: Probleme mit Forschungsreaktoren, Landessammelstellen für Atommüll, sprudelnde Forschungsgelder für die Atomkraft, Materialien aus dem AKW-Abriss im Wertstoffrecycling, erhöhte Krebshäufigkeit rund um Atomkraftwerke und so weiter …