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Freitag, 30. Juli 2010

"Atomstrom ist billig"

Atomstrom ist hochsubventioniert.Die Betreiber müssen ihre Anlagen gegen Unfälle mit einer Deckungsvorsorge von lediglich 2,5 Mrd. Euro versichern. Eine Prognos-Studie beziffert die finanziellen Schäden eines Super-GAUs in Deutschland jedoch mit 2,5 bis 6 Billionen Euro. Somit sind weniger als 0,1 % der zu erwarteten Schäden durch die Betreiber versichert. Eine Versicherung in Höhe der zu erwartenden Schadenssumme würde Atomkraft unbezahlbar machen. Die Betreiber dürfen zudem Gewinne für die Endlagerung des Atommülls und den Abbau der Anlagen zurückstellen, wodurch ihnen 20 Mrd. Euro an Steuern erlassen wurden. Diese Rückstellungen dürfen sie, bis sie benötigt werden, frei investieren.

Atomkraft wurde seit den 50er Jahren weltweit mit etwa 1 Billiarde Dollar an staatlichen Geldern subventioniert. Allein in Deutschland wurden 20 Mrd. Euro öffentliche Mittel in den Bau von Forschungsreaktoren, 9 Mrd. Euro in gescheiterte Projekte wie den Schnellen Brüter, Hochtemperaturreaktoren und Wiederaufbereitungsanlagen sowie 14,5 Mrd. Euro in den Rückbau von Atomanlagen und die Erkundung von Endlagerstätten gesteckt (Quelle: Hermann Scheer (2005): Energieautonomie). In der EU wird gerade diskutiert, die Nuklearforschungsgelder für den Zeitraum 2007 bis 2011 um über 200 % auf 4,75 Milliarden Euro aufzustocken. (Hintergrundpapier: Der EURATOM-Vertrag und die neue EU-Verfassung)

„Atomkraft macht uns unabhängig von fossilen Energieträgern, die aus unsicheren Weltregionen importiert werden.“

Uran wird importiert.
Uran wird zu 100 % von außerhalb der EU importiert und stammt überwiegend aus Russland, Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan und Niger. Ein Viertel der Uranlieferungen kommt aus Russland (in 2004). Die Abhängigkeit von russischen Gas durch eine von russischen Uran zu ersetzen, ist völlig widersinnig.


Uranvorkommen reichen noch maximal 65 Jahre.
Die weltweiten Uranvorkommen reichen bei heutigem Verbrauch nach einer aktuellen Greenpeace-Studie für maximal 65 Jahre. Schon jetzt führt die zunehmende Verknappung zu steigenden Preisen. Sollte es zu dem von der Atomlobby angekündigten Ausbau der Atomkraft kommen, gehen die Vorräte schneller zuende.
Der Abbau von Uran zerstört die Umwelt.
Nur kleine Teile der Uranvorräte liegen in hoher Konzentration vor. Beim Abbau von Uranvorräten mit geringer Konzentration werden große Mengen strahlenden Abraums erzeugt – mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt. In Zukunft werden vor allem nur noch Lagerstätten mit geringer Konzentration zur Verfügung stehen.
Atomkraft zementiert zentralistische Energieerzeugungsstrukturen.
Mit Atomkraft wird weiter auf das derzeitige System uneffizienter und unflexibler Großkraftwerke und einer zentralistischen Versorgung gesetzt. Stattdessen brauchen wir eine Energiewende hin zu effizienten und dezentralen Kraftwerken, die uns wirklich unabhängig von Energieimporten machen. Mit ihnen lässt sich flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren und Energie mit Technologien erzeugen, die den regionalen natürlichen Gegebenheiten am besten angepasst sind. Die Energieausbeute ist weit höher als bei Großkraftwerken, bei denen die Abwärme nicht genutzt werden kann (Quelle: Hermann Scheer (2005): Energieautonomie). Atomanlagen haben einen Wirkungsgrad von 33%, während beispielsweise Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung einen Wirkungsgrad von bis zu 95% erreichen können. Durch eine Dezentralisierung der Energieerzeugung wird auch die Macht der Energiekonzerne beschnitten: Ihr gravierende Lobbyeinfluss auf die Politik und ihre andere Energieerzeuger behindernde Monopolmacht kann zurückgedrängt werden. Kein Wunder, dass sie sich so gegen eine Zukunft mit Erneuerbaren Energien sträuben.

„Atomkraft rettet das Klima.“

Der Anteil der Atomkraft an der weltweiten Energieerzeugung ist marginal.
Dem Klimawandel durch Ausbau der Atomkraft begegnen zu wollen, hieße, ein Risiko durch ein anderes inakzeptables Risiko zu ersetzen. Aber auch die Fakten lassen die Idee, mit Atomkraft den Klimawandel zu begegnen, wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Im September 2005 waren nach Angaben der Internationalen Atomenergie Agentur IAEA weltweit 442 Atomkraftwerke mit einer Leistung von 368,6 Giga-Watt installiert. Sie deckten lediglich 2,3 Prozent des weltweiten Energieerzeugung und 16 Prozent des globalen Strombedarfs ab. Schon um nur zehn Prozent der weltweit verbrauchten fossilen Energie durch Atomstrom zu ersetzen, müssten mehr als 1.000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Dies ist schon technisch unmöglich (Quelle: "Atomenergie dient nicht dem Klimaschutz!").


Uranvorkommen reichen noch maximal 65 Jahre.
Die weltweiten Uranvorkommen reichen bei heutigem Verbrauch nach einer aktuellen Greenpeace-Studie für maximal 65 Jahre. Schon jetzt führt die zunehmende Verknappung zu steigenden Preisen. Sollte es zu dem von der Atomlobby angekündigten Ausbau der Atomkraft kommen, gehen die Vorräte schneller zu ende.
Atomkraft zementiert zentralistische Energieerzeugungsstrukturen.
Mit Atomkraft wird weiter auf das derzeitige System uneffizienter und unflexibler Großkraftwerke und einer zentralistischen Versorgung gesetzt. Stattdessen brauchen wir eine Energiewende hin zu effizienten und dezentralen Kraftwerken, die uns wirklich unabhängig von Energieimporten machen. Mit ihnen lässt sich flexibel auf Nachfrageschwankungen reagieren und Energie mit Technologien erzeugen, die den regionalen natürlichen Gegebenheiten am besten angepasst sind. Die Energieausbeute ist weit höher als bei Großkraftwerken, bei denen die Abwärme nicht genutzt werden kann (Quelle: Hermann Scheer (2005): Energieautonomie). Atomanlagen haben einen Wirkungsgrad von 33%, während beispielsweise Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung einen Wirkungsgrad von bis zu 95% erreichen können. Durch eine Dezentralisierung der Energieerzeugung wird auch die Macht der Energiekonzerne beschnitten: Ihr gravierende Lobbyeinfluss auf die Politik und ihre andere Energieerzeuger behindernde Monopolmacht kann zurückgedrängt werden. Kein Wunder, dass sie sich so gegen eine Zukunft mit erneuerbaren Energien sträuben.

„Atomkraft ist sicher und auf dem neuesten Stand der Technik.“

Das Restrisiko ist erheblich.
Nach der offiziellen “Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B” ist in einem deutschen Atomkraftwerk bei einer Betriebszeit von rund 40 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent mit einem Super-GAU zu rechnen. In der Europäischen Union sind mehr als 150 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU in Europa innerhalb der Zeitspanne liegt damit bei 16 Prozent. Weltweit sind etwa 440 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit, dass es weltweit in 40 Jahren zu einem Super-GAU kommt, liegt bei 40 Prozent (Quelle: IPPNW/Eurosolar).


Trennung zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft ist nicht möglich.
Atomkraft ist eine dual-use-Technologie, die zivil und militärisch genutzt werden kann. Verfügen Staaten erst einmal über das Know-How der zivilen Nutzung der Atomenergie, ist der Weg zur Bombe nicht mehr weit. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sind politisch instabil, sodass die zivile Nutzung der Atomenergie sicherheitspolitisch erhebliche Risiken birgt. Das Beispiel Iran zeigt, wie schwer eine Abtrennung zwischen ziviler und militärischer Nutzung ist. Der Iran beteuert sich mit der Urananreicherung nur mit Brennstoff für die zivile Nutzung der Atomkraft versorgen zu wollen. Doch mit der gleichen Technologie kann man auch hochangereichertes Uran für Atombomben herstellen. Nur ein Land, das selbst aus der Atomtechnologie aussteigt, kann andere Länder glaubwürdig überzeugen, auf diese zerstörerische Technologie zu verzichten (Quelle: Greenpeace).
Die Endlagerung ist nicht zufriedenstellend lösbar.
Die Halbwertszeiten etlicher Inhaltsstoffe, des bei der Atomenergienutzung entstehenden radioaktiven Abfalls, erstrecken sich über äußerst lange Zeiträume (Plutonium: 24.000 Jahre, Uran 235: 700 Millionen Jahre). Über diese Zeiträume ist eine sichere Endlagerung des Atommülls nicht zu gewährleisten. Ein Einlagerungsgestein, das eine andauernde Isolation des Atommülls von der Biosphäre garantiert, ist nicht zu finden. Die Informationsübermittlung an zehntausende nachfolgende Generationen über diese Lagerstätten erscheint nahezu unmöglich. All diesen Generationen bürden wir gravierende Folgeprobleme für unseren kurzfristigen Nutzen auf.

„Regenerative Energien sind noch nicht ausreichend ausgereift. Sie können die durch die Abschaltung der Atomkraftwerke entstehende Lücke nicht ausfüllen und nicht die Grundlast decken.“

Das Potential Erneuerbare Energien ist enorm.
Nach einer aktuellen Studie des Bundesumweltministeriums (BMU) kann Strom aus Erneuerbaren Energien im Jahr 2020 bereits mit 25 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland beitragen und damit den Wegfall der Atomkraftwerke mehr als ersetzen. Und dies ist erst der Anfang: Der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien und gleichzeitige Anstrengungen bei der Energieeffizienz machen es nach Berechnungen von Eurosolar möglich, bis 2050 100 % des Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien zu decken.


Statt Atomkraft braucht es effiziente Kleinkraftwerke.
Die Energiegewinnung aus Wind und Sonne ist großen Schwankungen unterworfen. Solange gute Speichertechnologien noch nicht existieren, müssen bei Windflaute und fehlendem Sonnenschein flexible, leicht regelbare Kraftwerke den nachgefragten Strom produzieren. Diese Kleinkraftwerke sind in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung hoch effizient. Zudem bedarf es eines klugen Energiemanagements, das Angebot und Nachfrage flexibel aufeinander abstimmt. Unflexibel regelbare Atomkraftwerke mit ihrer Grundlastversorgung passen nicht zu einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien und Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung. Diese sind aber für einen langfristigen Klimaschutz zwingend notwendig.
Nachhaltige Entwicklung ist nur durch dezentrale Energieversorgung denkbar.
Vielen Teile der Erde verfügen nicht über eine zentrale Netzinfrastruktur zur Energieversorgung. Soll diese durch Großkraftwerke hergestellt werden, dann müssen große Investitionen in die Errichtung einer Netzinfrastruktur erfolgen. Dezentrale, durch Erneuerbare Energien gestützte Lösungen sind technisch mit viel geringeren Investitionen umsetzbar. Sie sind der einzig denkbare Weg einer breiten technologischen Teilhabe der Menschen weltweit ohne Klimakollaps oder vorhersehbarer nuklearer ziviler oder militärischer Katastrophen (Quelle: Hermann Scheer (2005): Energieautonomie).

„Wenn wir aussteigen, wird stattdessen Atomstrom aus anderen Ländern mit niedrigeren Sicherheitsstandards importiert.“

Der Atomausstieg ist mit Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung kompensierbar.Nach einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) können Erneuerbare Energien bis 2015 über 20 Prozent der Stromerzeugung sichern. Auftraggeber der Dena-Studie waren unter anderem das Bundeswirtschaftsministerium sowie die Energieversorger Eon, RWE und Vattenfall. Zudem bestehen enorme Potentiale für Energieeinsparung durch Effizienzsteigerung beim Verbrauch (Studie Wuppertal-Institut).

Laut Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) ließen sich beispielsweise jährlich 6,5 Prozent Strom sparen, wenn jeder dritte – statt derzeit jeder zwanzigste – Elektromotor mit einer elektronischen Drehzahlregelung ausgerüstet wäre (Die Zeit: Die verbrannten Milliarden). Zudem bestehen enorme Einsparpotentiale. Allein der Stand-by-Betrieb sämtlicher Elektrogeräte der deutschen Haushalte benötigt den Strom von zwei Atomkraftwerken. Durch vermehrte Energieeffizienz und -einsparung sowie den weiteren konsequenten Ausbau Erneuerbarer Energien ist die Abschaltung aller 17 deutschen Atomkraftwerke leicht zu kompensieren.

Broschüre "100 gute Gründe gegen Atomkraft"

Broschüre "100 gute Gründe gegen Atomkraft"

A6, 68 Seiten

Diese Broschüre sollte in keiner Hosen- oder Handtasche fehlen. Wenn irgendjemand in der Straßenbahn oder während der Mittagspause einen Vorteil der Atomenergie anpreist, dann findest Du in der 100-Gründe-Broschüre die fundierte Gegenargumentation, nämlich 100 gute Gründe gegen Atomkraft: Von 1 (Abhängigkeit von Uran) bis 100 (Energiewende). Die Themen: Brennstoff & Uranbergbau, Grenzwerte & Gesundheitsschäden, Unfall- & Katastrophenrisiko, Atommüll & Entsorgung, Klima & Strom, Macht & Profit, Freiheit & Demokratie, Krieg & Frieden, Energiewende & Zukunft. Herausgegeben von den ElektrizitätsWerken Schönau (EWS) mit Unterstützung von .ausgestrahlt.

 

Eine Broschüre kostet einen Euro, Paketbestellungen sind günstiger:

  • 10 Broschüren kosten 8 Euro
  • 100 Broschüren kosten 60 Euro

Auf der Internetseite www.100-gute-gruende.de findest Du neben Quellenangaben und weiterführenden Informationen zu den 100 Gründen auch einen interaktiven Argumentationstrainer.

Den Text der Broschüre samt Quellenangaben und weiterführenden Links gibt es auch auf Esperanto.

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