Uwe Zabel, 53, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe, besetzte 1976 den Bauplatz in Brokdorf und organisiert Großdemos, damit niemand bei einem Atomunfall sein Leben opfern muss.
Ich gehörte mit zu denen, die 1976 zum ersten Mal den Bauplatz in Brokdorf besetzt haben. Die Gewerkschaften haben damals große Veranstaltungen pro Atomkraft organisiert. Wir haben dagegen den „Arbeitskreis Leben – Gewerkschafter gegen Atom“ (AKL) gegründet und 1986, nach Tschernobyl, unsere Position zur Mehrheitsposition im DGB gemacht. Meine Tochter wurde 3 Tage nach Tschernobyl geboren und wir spürten die Auswirkungen direkt.
Die große Menschenkette vor einem Jahr habe ich mit angemeldet. Die Polizei wollte da erst ein Demoverbot vor dem AKW Brunsbüttel aussprechen. Ich gehörte nun aber mit zu denen, die 1981 die große verbotene Demo in Brokdorf mit organisiert haben. Also haben wir der Polizei gesagt: Das würden wir im Zweifelsfall wieder tun …. Das Bundesverfassungsgericht hat uns schließlich damals schon Recht gegeben.
Vor Ort machen wir als Gewerkschaft auch bei Mahnwachen mit. Da gibt es sehr viele Diskussionen. Denn wenn wir AKW stilllegen, was wir ja fordern, trifft das natürlich unsere Kollegen. Aber gucken Sie sich das AKW Stade an: Die arbeiten da alle noch – obwohl das seit 2003 abgeschaltet ist. Man kann so eine Anlage ja nicht einfach ausschalten und weg gehen. Es muss eine klare sozialverträgliche Perspektive geben, dass die Kollegen weiterhin qualifizierte Jobs haben. Sie müssen wissen, dass sie nicht ins soziale Elend fallen. Im Übrigen sind bei den erneuerbaren Energien allein hier an der Küste 300.000 neue Arbeitsplätze entstanden.
Fukushima führt natürlich auch bei den Beschäftigten zu Diskussionen. Man sieht, dass es ein unbeherrschbares Restrisiko gibt – auch bei unseren AKW, die einen vergleichbaren Sicherheitsstandard haben. In Deutschland ist es arbeitsrechtlich nicht möglich, Beschäftigte zu zwingen, ihr Leben zu opfern, um nach einem Unfall noch irgendwelche Arbeiten am AKW auszuführen. Deswegen ist es besser, man schaltet die Dinger ab, bevor es zu einem Unfall kommt.
« zurück