Strick, 26, Textilgestaltungs-Studentin in Köln mit Pseudonym, sorgt mit „Fluffy on tour“ für wollenen Atom-Protest im öffentlichen Raum – und zwar längst nicht mehr nur in Deutschland
Mit einer Freundin war ich in Gorleben. Und irgendwo hing ein Plakat „Atomausstieg ist Handarbeit“. So kamen wir auf die Idee, Strick-Guerilla und Atomausstieg miteinander zu verbinden. Das Erste war ein ganz kleiner Lappen in der Düsseldorfer Altstadt. Da gibt es eine Skulptur „Die Streitenden“. Dem einen davon hab ich ’ne Blindenbinde mit ’nem Atomzeichen angezogen. Daran hing ein Zettel mit dem Spruch „Sei nicht blind – schau hin!“ und der Forderung, die AKW nicht erst 2022 vom Netz zu nehmen. Außerdem natürlich der Fluffy, unser Markenzeichen, so ’ne Wollkugel mit zwei Augen. Die ist meistens als Erste weg.
Richtig Aufsehen erregt hat unsere Aktion im Zeitpark im Volksgarten. Da stehen auf hohen Pfosten 24 Uhren, die sind nach der Atomuhr gestellt – so kamen wir auf die Idee, dass man die ja mal einhüllen könnte. Mit 24 gelben Bannern mit Atomzeichen drauf. Jedes war über einen Meter lang, vier Leute haben daran drei Wochen gestrickt. Im Prinzip sind das einfach Schals, die dann verknotet, verstrickt oder verhäkelt werden. Wir benutzen nur unschädliche Wolle, kein Klebeband oder so. Die Banner hingen wochenlang.
Die Zeitung hat darüber berichtet. Daraufhin haben sich viele Leute gemeldet, die mitmachen wollten. So ist die Idee von „Fluffy on tour“ entstanden: eine Mitmach-Strick-Guerilla. Jeder, der Lust hat, für oder gegen etwas zu stricken, kann mitmachen. Wer ein fluffiges Graffiti aufhängt, kann auf unserer Facebook-Seite ein Foto davon hochladen oder es uns schicken. Anti-Atom-Banner sind bisher der Renner, bestimmt über 100 Stück in allen möglichen Städten. Sogar in Belgien und Frankreich hingen schon welche.
Am Anfang haben wir die Atomzeichen immer draufgestickt. Aber je größer die Maschen, desto schlechter geht das. Mittlerweile haben wir uns die Arbeit aufgeteilt. Eine Frau kann sehr gut Dreiecke häkeln. Ein anderer strickt die gelben Banner. Wieder jemand anders häkelt den Punkt in der Mitte. Und zum Schluss wird der Totenkopf draufgestickt. Das Muster direkt reinzustricken haben wir anfangs auch ausprobiert. Aber so geht’s einfach am schnellsten. Das Atom-Thema geht für uns jetzt erst richtig los. Es betrifft ja die ganze Welt. Fluffy soll sich überall hin verbreiten.
fluffy-on-tour[at]gmx.de / http://on.fb.me/oOtNaL
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