Bensheim

Der Macher

70 Leute haben da gesessen – im November hier in Bensheim! Die Laufzeiten sollen verlängert werden, hieß es nach der Bundestagswahl. Da habe ich zu diesem Treffen eingeladen. Über die Presse und den Verteiler von attac. Aus allen Richtungen sind sie gekommen – allein 50 Leute aus der Ecke hier. Man hatte das Gefühl, jetzt ist irgendwo ein Knoten geplatzt. Unsere erste Aktion war ein Sonntagsspaziergang in Biblis im Dezember - bitterkalt. Aber 200 Leute! Das hätte ich nicht gedacht.

Diesen Doppelcharakter, Bündnis und Aktionsgruppe, den möchte ich momentan gar nicht missen. Für die große Umzingelung des AKW am 24.4. zum Beispiel übernehmen die Parteileute die Plakatierung auf ihren Wahlpappen. Und die Jungen, die verteilen Tausende Flugblätter an den Schulen.

Das alles macht jedenfalls Spaß. Weil wir kriegen auch viel Zuspruch – das bin ich als alter Linker so gar nicht gewohnt. Dass die Leute sagen, endlich geschieht da was, endlich fängt das wieder an, dass man gegen die Atomlobby was macht. Es ist 'ne neue Qualität von Aufgeschlossenheit da. Das spürt man. Auch die Presse reagiert erstaunlich positiv. In Einhausen etwa, knapp zehn Kilometer vom AKW entfernt, hat sie getitelt „In der Todeszone“, als da eine kleine Aktion ablief: 50 Leute, die kurz die Straße blockiert haben. In dem Ort - da war noch nie irgendwas!

Ich hatte auch Angst, dass die Diskussion losgeht zwischen Befürwortern dieses ehemaligen „Atomkompromisses“ und denen, die sagen: alle AKW müssen sofort abgeschaltet werden. Aber diese Diskussionen gab es schlicht nicht - zumindest nicht gegeneinander! Die Grünen, die Basis jedenfalls, die erkennste ja nicht wieder, die sind völlig heiß. Genauso die Leute von der SPD. Das hätte ich so nicht erwartet. Ja, wir sind jetzt weiter …Ich habe alles Mögliche schon gemacht in meinem Leben. Bloß Anti-Atom, das nicht. Aber jetzt mach ich.

www.akwende.blogspot.de

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