"Wyhl ist nicht gebaut worden, ein riesiger Erfolg. Das beflügelt das ganze Leben. Aktiv sein gegen Atomkraft, das habe ich nie aufgegeben."

Roland Burkhart, genannt Buki, Liedermacher und Buchhändler, besetzte 1975 mit den badisch-elsässischen Bürgerinitiativen den AKW-Bauplatz im südbadischen Wyhl.

Der Bauplatz in Wyhl wurde das erste Mal an einem Dienstag besetzt. Donnerstags war die Räumung, am Sonntag gab's eine große Demonstration. Es war der Geburtstag meines Vaters. Mein Bruder und ich sind mit ihm zusammen hingefahren, der ganze Bauplatz war voller Polizei, bis zu den Zähnen bewaffnet, drumrum Stacheldraht, und am Rheinufer die große Demo. Wir mussten früh nach Hause mit unserm alten Vater, ich dachte: Oje, die vielen Tausend Leute, alles umsonst, wir haben verloren. Ich konnte ja nicht wissen, wie auf der anderen Seite des Geländes im Wald die Leute schon mit dem „großen Spaziergang“ angefangen hatten! Und wie ich zurück in meine Studenten-WG komme, heißt es: „Wir müssen sofort raus!“ – „Ja wie, was, wo?“ – „Der Platz ist wieder besetzt! Wiedererobert!“ Und ich: sofort Schlafsack gepackt, in den proppevollen VW-Käfer rein, und wir sind rausgefahren und haben auf dem Platz übernachtet. Ich war natürlich total glücklich.

Der Bauplatz war neun Monate lang besetzt. Ich habe angefangen Lieder zu machen, in unserem Dialekt, habe für die „Volkshochschule Wyhler Wald“ noch Jahre später Veranstaltungen organisiert. Mit einigen Mitstreitern stehe ich noch immer in Kontakt. Wyhl ist nicht gebaut worden, ein riesiger Erfolg. Das beflügelt das ganze Leben.

Für mich war die Unfallgefahr das Entscheidende. Unsere Argumente bekamen wir dann ja bestätigt: Harrisburg, Tschernobyl. Aktiv sein gegen Atomkraft, das habe ich nie aufgegeben. Klar kam dann Familie, ich habe mich selbstständig gemacht, da musste ich mich schon beschränken. Aber gegen das AKW Fessenheim oder das geplante Endlager am Hochrhein war ich immer mit dabei. Mich freut, dass es jetzt wieder auch große, bundesweite Aktion gibt. Dass das jetzt wieder auflebt. Ich will auf keinen Fall, dass es einen Rollback gibt. Wenn der Atomkonsens gekippt würde, das wäre doch fürchterlich!

 

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