„Wir kommen bei jedem Wetter“

Mira Neumeier, 43, Puppenspielerin und Clown mit eigenem Wandertheater, trifft mit der wöchentlichen Anti-Atom-Mahnwache am AKW Isar 1 den niederbayerischen Protestnerv.

In den letzten Jahren war ich nicht politisch aktiv. Aber als Campact im Sommer die Aktion „Atom-Alarm“ vorschlug, und sich aus ganz Niederbayern niemand meldete, dachte ich: Ich fang das einfach an. Besser ich organisiere es schlecht, als wenn es gar keiner macht. Und es war ein kleiner Erfolg: 50 Leute waren da! Ich habe gesagt, wer weitermachen will, soll mir seine Mailadresse dalassen.
Aber es war gar nicht so leicht, in Aktion zu kommen. Keiner wollte in der ersten Reihe stehen und das Risiko eingehen, sich alleine zu blamieren. Die campact-Idee, sich mit Liegestühlen auf den Marktplatz zu legen und zu trommeln, entspricht wahrscheinlich nicht der bayerischen Mentalität. Ich überlegte mir: Wir müssen etwas machen, wozu sich keiner überwinden muss. Etwas, das sich gut anfühlt.
Es gab mehrere Ideen dafür. Mein Vorschlag einer Mahnwache, stieß dabei auf Resonanz, es fanden sich gleich zwei Mitorganisatoren, Ulrike und Willi Bartlog und innerhalb von fünf Wochen ist die Mahnwache riesengroß geworden. Inzwischen haben wir einen Bühnenwagen und einen Verstärker und jedes Mal eine Stunde Programm. Und die Leute fühlen sich wohl, Jeder sagt: Ich komme wieder. Ende September waren wir schon 400 Teilnehmer, sogar ein Bus aus Nürnberg war da. Und einmal haben selbst die „Tagesthemen“ über uns berichtet.
Anfangs wollte ich was Kleines. Große Aktionen pack ich nicht, dachte ich. Jetzt nähert sich das schon fast einer Großveranstaltung. Ich kann nur empfehlen, seinen Impulsen nachzugehen. Man wächst mit der Aktion, und wenn man erst einmal angefangen hat, findet man überall Leute, die einen unterstützen. Von Anfang an waren auch Leute aus Niederaichbach dabei.
Wir kommen jeden Montag ab 18 Uhr, bei jedem Wetter. Wir werden auch den Winter durchmachen. Treffpunkt ist in Niederaichbach vor dem Rathaus, von da sind es 800 Meter bis zum Tor des AKW Isar 1. Dort kommen RednerInnen von verschiedenen Parteien, Organisationen und Gruppierungen zu Wort. In der Tat, wir haben eine kleine „Speeker’s corner“ geschaffen, wo jeder sein persöhnliches Anliegen und auch seinen Unmut nach außen tragen darf. Natürlich möchten wir dem Ganzen einen Rahmen geben, indem wir für Kulturelles und musikalische Untermalungen sorgen.
Denn Änderungen kann man nur mit einer guten Energie erreichen!

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