Mike Michel, 52, Handelsvertreter, erfuhr, wie das Fasnachtsmotto der Erbacher MontagsspaziergängerInnen Realität wurde, und wird eine „Kaltreserve“ Biblis nicht einfach hinnehmen
Beim letzten Castortransport saßen drei Freunde von mir bei Lauterburg auf den Schienen. Ich habe sie von zu Hause mit Infos versorgt und dabei entdeckt, dass es Montagsspaziergänge gibt. Ich dachte: „Mensch, das könnten wir hier im Odenwald auch machen.“ Die drei kamen mit der gleichen Idee zurück. Wir haben noch einen mit einem großen E-Mail-Verteiler dazugeholt und spontan den ersten Spaziergang organisiert. Die Polizei hat uns angehalten. Wir haben uns auf unser Recht, uns spontan zu versammeln, berufen und es die nächsten Montage dann angemeldet. Seither waren wir regelmäßig unterwegs, vor Fukushima mit 20 bis 60 Leuten, nach Fukushima mit 400. Da hat unser Demozug durch die Stadt sogar die große Bundesstraße blockiert.
Das mit dem Fasnachtsumzug war eine ganz spontane Idee. Eine hat das kurz auf ein Papier gemalt, wie der Wagen aussehen soll – das war unsere Vorlage. Beim Spaziergang haben wir schnell weitere Helfer gefunden. Einer hat den Traktor zur Verfügung gestellt, wir haben Sponsoren für das Bekleben gefunden, aus Pappmaché ein AKW gebaut und die Bühne zusammengezimmert. Auf der standen wir, verkleidet als Vertreter der Energiekonzerne, und haben die Politiker-Marionetten tanzen lassen. Das war echt großartig. Am Straßenrand haben viele zunächst das Gesicht verzogen, aber dann, als sie den Sinn verstanden haben, spontan gelacht und geklatscht. In Michelstadt, wo wir auch mitgefahren sind, haben wir sogar den dritten Preis gekriegt. Der Umzug war im Februar, unser Spruch lautete „Strom bis zum Durchbrennen“. Das ist ja ein paar Tage später dann grausam bestätigt worden.
Jetzt ist erstmal Sommerpause angesagt. Aber wir beobachten die Entwicklung. Es könnte ja sein, dass Biblis A oder B als „Kaltreserve“ weitermachen darf: Dann sind wir gleich wieder da. Und wir werden was machen, damit auch hier im Odenwald erneuerbare Energien entwickelt und ausgebaut werden. Da muss viel mehr passieren. Vage Ideen gibt es schon: Genossenschaftsgründungen, Bürgerwindparks und so, damit wir auch von den großen Konzernen wegkommen. Dass ein paar Meiler jetzt abgeschaltet werden, ist natürlich super. Aber es müssten mehr sein, und der Rest müsste schneller vom Netz.
www.montagsspaziergang-odenwald.de
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