Ulf Allhoff-Cramer, 50, Landwirt, hält auf seinem Biolandhof bei Detmold 80 Rinder und feierte mit dreihundert BesucherInnen ein rauschendes Anti-Atom-Fest.
Mir ist total wichtig, dass man politisches Engagement verbindet mit etwas, das Spaß macht. So kamen mein Freund Wolfgang und ich auf die Idee mit dem Anti-Atom-Hoffest. Sechs Stunden lang tolles Programm mit Live-Musik, dazu Infostände zu erneuerbaren Energien und Elektromobilität, eine kleine bewegende Rede zum Atomdesaster aus der Sicht eines Bauern, begeisterte MusikerInnen, HelferInnen und BesucherInnen und 1.800 Euro Einnahmen für .ausgestrahlt. Ein wunderschönes Fest.
Viele sind eine Woche später zur Demo nach Berlin mitgefahren, mit drei Bussen, einen davon hat der 15-jährige Jan von der Grünen Jugend mobilisiert. Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns mit Freude einbringen, dann hat es eine größere Kraft. Und die Stimmung in Berlin war ja überwältigend gut!
Wir haben 1986 am eigenen Leibe festgestellt, wie verheerend so ein Atomunfall ist. Wir konnten kein Gras mehr verfüttern, kein Gemüse mehr ernten, die Kinder nicht mehr im Sandkasten spielen, weil alles verstrahlt war – aus dem 1.600 Kilometer entfernten Reaktor in Tschernobyl. Das AKW Grohnde ist nur 50 Kilometer von Detmold entfernt!
Damals haben wir den Reaktor in Hamm-Uentrop blockiert. Der ist inzwischen stillgelegt. Überhaupt hat das ganze Engagement der Anti-AKW-Bewegung ja große Erfolge gezeigt. Sonst hätten wir hier noch ganz andere Verhältnisse, mit Wackersdorf und dem Schnellen Brüter.
Genauso wichtig ist das Engagement jetzt. Ich bin wütend über die Pläne der Regierung. Tausende Generationen nach uns werden auf den radioaktiven Müll aufpassen müssen, mit enormen Kosten und Gefahren – damit zwei Generationen scheinbar billigen Strom haben. Das ist unsozial und ein großes Unrecht.
Auch zur Castor-Demo in Dannenberg am 6. November werden wir mit Bussen anreisen. Viele werden dann zur Blockade dort bleiben. Man kann unglaublich viele Menschen mobilisieren für den Widerstand, wenn es Leute gibt, die sich konkret für eine Sache ins Zeug legen.
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