Anne Christoph, 49, Reit- und Psychotherapeutin (HPG), bereitet mit ihrem Bündnis die Energiewende in Bülstedt vor und trainiert gewaltfreie Sitzblockade, um das Endlagerprojekt Gorleben zu kippen
Das „Bündnis Energiewende Bülstedt und umzu“ gibt es seit April 2011. Angela Heberling und ich haben es aus der Taufe gehoben. Wir waren beide bei .ausgestrahlt im Verteiler und hatten nach der Katastrophe in Fukushima dieselbe Idee: auch hier in Bülstedt eine Mahnwache zu organisieren! Wir haben unsere Adressbücher durchtelefoniert. Bülstedt hat 450 Einwohner, gleich zur ersten Mahnwache kamen 40.
Irgendwann entstand der Wunsch nach mehr. Wir wollen unser Dorf zum „Energiedorf“ machen, unseren Strom komplett selbst erzeugen. Derzeit versuchen wir, an Fördergelder für eine unabhängige Expertise zu kommen. Leider ist unser Bürgermeister nicht so aufgeschlossen. Demonstrationen in Bülstedt, hat er verkündet, „dulde“ er nicht. Wir werden unsere Themen trotzdem anbringen.
Nach einem halben Jahr Mahnwachen treffen wir uns nun jeden Monat einmal intern, um eine öffentliche Veranstaltung im Monat in der Dorfkneipe zu organisieren: Einmal haben wir einen Experten für erneuerbare Energien aus einem Nachbardorf zu einem Vortrag eingeladen, einmal einen Film über Uranbergbau gezeigt, und so weiter. Da kommen so zwischen 20 bis 60 Leute. Im Anschluss ist immer Zeit für Diskussion, und wer informiert werden will, kann seine E-Mail-Adresse aufschreiben. Inzwischen sind 40 Leute im Verteiler.
Dieses Jahr wollen wir noch mehr Aktionen machen. Bei der Demo in Gorleben konnte man ja sehen, dass das Thema Atomkraft noch viele umtreibt, Gott sei Dank! Zum Fukushima-Jahrestag organisieren wir eine Fahrraddemo durch unsere Samtgemeinde, zwei von uns fahren zur Menschenkette nach Südfrankreich. Ende April werden wir dann als Gruppe im Rahmen der Kampagne „Gorleben 365“ einen Tag lang die Endlagerbaustelle in Gorleben blockieren. Ich hoffe, dass wir mindestens 20 werden! In den 1980ern habe ich mit gewaltfreien Blockaden gegen die Atomwaffen in der Eifel demonstriert. Wie damals werden wir auch für unsere Gorleben-Aktion ein Training machen, im März. Denn da werden viele Leute mitkommen, die noch nie blockiert haben.
Auf unserem heilpädagogischen Reiterhof gibt es viel Publikumsverkehr. An der Scheune hängt die große Anti-Atom-Fahne, wir haben immer Infomaterial zum Stromwechsel und zu Gorleben ausliegen. Mein Ziel für 2012 ist, dass Gorleben vom Tisch kommt. Schau mer mal – so schlecht sind unsere Chancen doch gar nicht!
hof.fylgja[at]t-online.de
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