.ausgestrahlt-Blog

12.11.2014 | von Jan Becker

Jülich: Weitere Proteste gegen Castor-Exporte angekündigt

Ein Bündnis von nordrhein-westfälischen und bundesweiten Initiativen und Umweltverbänden will die Exporte von Castor-Behältern mit hochaktiven Brennelemente-Kugeln aus Jülich und Ahaus verhindern. Anlässlich einer Tagung des Aufsichtsrates des Forschungszentrums wird am 19. November erneut protestiert. Das Gremium muss über den Umgang mit den Jülicher Castoren entscheiden.

Nach Ansicht von AtomgegnerInnen zeigten mehrere vorliegende Gutachten, dass die angedachten Exporte mit hoch radioaktivem Material in den US-Bundesstaat South Carolina nicht legal wären. Die Idee von Bundes- und Landesregierung, „die Rechtmäßigkeit durch ein einfaches Umdeklarieren des kommerziell betriebenen AVR Jülich in einen Forschungsreaktor herzustellen, gehe nicht auf“, so verschiedene Organisationen in einer Pressemitteilung.

„Der AVR ist zweifelsohne ein Leistungsreaktor und wird auch so beim Bundesamt für Strahlenschutz gelistet. Er untersteht damit den erst im letzten Sommer geänderten gesetzlichen Regelungen, die einen Export des radioaktiven Brennelemente-Inventars verbieten und eine so sicher wie mögliche Lagerung in Deutschland vorschreiben“, so der AVR-Experte und frühere Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich, Dr. Rainer Moormann.

Einen weiteren Aspekt bringt Kerstin Ciesla, stellvertretende Vorsitzende des BUND NRW: Sie fordert die Einhaltung des Koalitionsvertrages der rotgrünen Landesregierung. Dort sei nämlich vereinbart, dass die Castoren „nur noch einmal transportiert werden – nämlich zu einem Endlager, wenn hierfür ein Standort gefunden ist“. Bekanntlich gibt es kein Endlager. Frühestens 2031 soll im Rahmen des Neustarts der Endlagersuche ein Standort benannt werden, die Einlagerung wird aber noch viel später beginnen können.

Ein Bündnis aus Anti-Atom-Gruppen, darunter auch .ausgestrahlt, ruft für den 19.11.2014 zu einer weiteren Protestaktion gegen die Atomexporte auf: Unter dem Motto „Aufsicht komm zur Einsicht!“ sollen die ankommenden Mitglieder des Aufsichtsrates mit unseren Forderungen konfrontiert werden. Dafür soll u.a. ein großes Mosaik aus Protest-Postkarten dienen. Treffpunkt ist ab 9 Uhr vor dem Haupttor (Forschungszentrum Jülich, Wilhelm-Johnen-Straße, 52428 Jülich).

Update: Protestaktion zur Aufsichtsratssitzung des FZ Jülich verlegt nach Bonn ab 11.30h am Bundesministerium für Bildung & Forschung, Heinemannstraße 2

  • Umstrittenes Kippmanöver beim Jülicher Versuchsatomkraftwerk AVR hat begonnen
    11. November 2014 — AtomkraftgegnerInnen haben seit Monaten vor dem weltweit einmaligen und riskanten Manöver gewarnt: Im Forschungszentrum Jülich soll heute damit begonnen worden sein, den ehemaligen Reaktor “AVR” umzukippen. Auch der Abtransport der Brennelemente aus dem ehemaligen Forschungsreaktor bleibt weiter Streitthema.

Quelle (Auszug): PM Bündnis gegen Castor-Export / BUND NRW; 10.11.2014

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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