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25.02.2015 | von Jan Becker

Fukushima: Hochradioaktives Wasser ins Meer geleitet

Es ist erst wenige Tage her, da sprach die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) von „erheblichen Fortschritten“ bei der Folgenbewältigung des Super-GAU im japanischen Fukushima. Die Lage auf dem AKW-Gelände habe sich „verbessert“. Doch nun ist durch ein neues Leck erneut verstrahltes Wasser ins Meer gelangt.

Es sind knapp vier Jahre vergangen, seit im März 2011 nach einem schweren Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami die Reaktoren von Fukushima havarierten. Die IAEA, weltweite Lobbyorganisation der Atomenergiebranche, spricht heute von „Fortschritten“: Die Strahlung auf dem Gelände um die zerstörten Meiler habe durch die „andauernden Säuberungsarbeiten“ abgenommen. Die erfolgreiche Bergung von Brennelementen aus dem Abklingbecken von Block 4 bezeichnete sie gar als „Meilenstein“.

Und doch ist das alles erst der Anfang. Fukushima ist das größte und teuerste industrielle Sanierungsprojekt weltweit. Die Beseitigung der strahlenden Atomruinen wird voraussichtlich noch bis zur Mitte des Jahrhunderts dauern. Und die Probleme reissen nicht ab.

Jetzt meldet der Betreiber TEPCO ein neues Leck, aus dem hochradioaktives Wasser ins Meer gelangt sei. Sensoren hätten an der Stelle Werte gemessen, die bis zu 70 Prozent über den ohnehin hohen Belastungswerten des Komplexes lagen. Das Wasser sei aber nur in das gesicherte Hafenbecken gelangt, dort habe man nur Strahlung „im Normalbereich“ gemessen.

Grundsätzlich ist das Meer aber aus Sicht der IAEA weiterhin die beste Möglichkeit, sich den tausenden Tonnen radioaktiver Abwässer zu entledigen. Das Wasser aus den Reaktoren wird in Tanks gelagert, deren Zahl stetig erhöht werden muss, weil täglich weitere 300 bis 400 Tonnen anfallen. Ein Filtersystem behandelt pro Tag rund 2.000 Kubikmeter und entfernt einen Großteil der radioaktiven Isotope aus dem Wasser, nicht aber das Tritium. Die IAEA hält ein Verklappen in den Pazifik dennoch für „unproblematisch“ – schließlich würden Atomanlagen in aller Welt das Tritium in Flüsse oder Meere ableiten und die Auswirkungen auf die Umwelt seien „geringfügig“.

Dramatischer stellt sich die Situation für die Bergung des Brennstoffs aus den zerstörten Reaktoren 1 bis 3 dar. Im Gegensatz zum entladenen Block 4 hatten dort Kernschmelzen stattgefunden. Somit haben sich die Brennstäbe mit dem Stahl und Beton der Reaktor-Schutzhülle zu einer hoch radioaktiven Masse verbunden. Aus der Not heraus hat TEPCO den Beginn der Arbeiten schonmal von 2020 auf 2025 verschoben. Einen umfassenden Plan zum technischen Vorgehen gibt es nicht. Nur die Gewissheit, dass die Strahlung im Innern selbst für den Einsatz von Robotern zu hoch ist.

Die anschließende endgültige Entsorgung des Atommülls ist in Japan dann noch ein ganz grundsätzliches Problem, denn ein Endlager für hochradioaktiven Müll – sei es aus Fukushima oder einem der anderen fast 50 Reaktoren – gibt es nicht.

In Deutschland finden anlässlich des Jahrestages der Katastrophe wieder zahlreiche Protestaktionen statt. Eine Übersicht gibt es hier.

weiterlesen:

  • Folgen des Fukushima-GAU: Im Pazifik steigt die Strahlung
    5. Januar 2015 — Der Beginn der Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima liegt heute fast vier Jahre zurück. Täglich gibt es Meldungen über die Folgen oder Berichte über Komplikationen bei der Bewältigung des GAU – und immer wieder auch Versuche, diese kleinzureden.

Quellen (Auszug): klimaretter.info, n-tv.de, spreadnews.de; 24.2.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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