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Veröffentlichung von atomkritischer Studie abgesagt

Ein Bericht der regierungsnahen französischen Umweltagentur Ademe (Agence de l’environnement et de la maîtrise de l’énergie) erklärte die Atomenergie für völlig ersetzbar. Nachdem dies öffentlich wurde, wurde er zurückgezogen, wie dem Artikel auf heise.online zu entnehmen ist. Der Bericht, in Auftrag gegeben von der Regierungsagentur des Umweltministeriums hinterfragte erstmals den Bedarf für die französischen Atommeiler und untersuchte den Ersatz durch erneuerbare Energien. Die Antwort der Studie war anscheinend zu deutlich: Der Ersatz der AKW sei zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien möglich.

Unterdrückung aus politischen Gründen?

Dann geriet der Bericht an die Öffentlichkeit und wurde teilweise zurückgezogen. Ursprünglich sollte er bei einer Tagung am heutigen 14. und morgigen 15. April vorgestellt werden, wie dem Ankündigungstext zu entnehmen war: „Der Höhepunkt des Symposiums bildet die Vorstellung eines bislang unveröffentlichten Berichts, der Möglichkeiten aufzeigt, wie eine Stromproduktion zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien machbar wäre.“ In Frankreich wurde im Anschluss diskutiert, ob die Veröffentlichung aus politischen Gründen zurückgezogen wurde, sei es aus Selbstzensur oder auf mehr oder weniger sanftes Drängen des Ministeriums.

Bericht inzwischen von Medienportal veröffentlicht

Nachdem der Bericht „Vers un mix électrique 100% renouvelable en 2050“ von Ademe zurückgezogen worden war, hat ihn nun das Portal Mediapart veröffentlicht. Die Untersuchung mit der 119-seitigen Studie hat Berichten zufolge 294.000 Euro gekostet und 14 Monate gedauert.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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