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17.12.2015 | von Robert Socha

Ein Atommülllager für Thüringen?

In der Debatte um die deutsche Suche nach einem Lager für Atommüll hat ein Geologe erneut Thüringen ins Gespräch gebracht. Welche Aussichten hat eine Suche nach einem Atommülllager in dem Bundesland? Und mit wie viel Anti-Atom-Protest ist dort zu rechnen? Eine Antwort gibt ausgerechnet das Projekt eines Studenten.

Wie Prof. Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen in einem Gespräch mit dem MDR Mitte November mitteilte, biete das Thüringer Becken grundsätzlich „günstige Rahmenbedingungen“ für eine Lagerung von hochradioaktivem Atommüll. Als besonders geeignet betrachtet der Wissenschaftler die Regionen „zwischen Nordhausen und Duderstadt“, „nördlich und westlich von Mühlhausen“ sowie den „Raum Arnstadt und Stadtilm“. Der heiße Atommüll solle laut Schreibers Expertise nicht innerhalb, sondern unterhalb einer Salzschicht, innerhalb von tieferen Granitgestein gelagert werden, während das Salz nach oben abdichten solle. Ein Vorteil sei die stabile Lagerung und die Möglichkeit, den Müll, wenn nötig, auch wieder entnehmen zu können.

Die sozialen Gegebenheiten in den aktuell zur Atommülllagersuche vorgeschlagenen Gebieten ähneln stark denen in Gorleben oder Asse. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele Menschen migrieren auf der Jobsuche in die deutschen Ballungszentren ab, die Region ist dünn besiedelt. Ähnliche Verhältnisse unterstützten 1977 den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) darin, Gorleben als Standort für das zentrale Atommülllager der BRD zu ernennen.

Dieser aktuelle Vorschlag des Geologenteams wurde vonseiten thüringischer Politiker scharf zurückgewiesen. Und auch aus der Bevölkerung ist nicht viel Zustimmung für die Pläne zu erwarten.

Christoph Hubrich, Student der Uni Weimar, gründete Mitte 2013 im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit im südthüringischen Suhl die fiktive Bürgerinitiative „Endlager Suhl“, ließ eine zugehörige Internetseite kreieren und hing Plakate mit Mottos wie „Heute Müll, morgen Job“ oder „Zukunft gestalten, Atommüll verwalten“ in der Region auf. Das Projekt zog heftigen Protest aus der Bevölkerung nach sich, Hubrich erhielt massenhaft Mails von schockierten Bürgern, sodass er am Ende seiner Studie folgerte: „Das Endlager wird niemals in Deutschland ein Zuhause finden. Deshalb darf Atommüll gar nicht erst entstehen!“

weiterlesen:

  • „Die Betroffenen werden schockiert sein“
    Michael Mehnert, Endlager-Experte, über geologische Kriterien, die Gorleben nicht ausschließen durften, und Pläne der Atommüll-Kommission, mögliche Standorte erneut im Geheimen auszuwählen.
  • Atommülllager in Salzgestein: Hauptargument für Gorleben ist „weggebrochen“
    2. Dezember 2015 — Die bishierige Suche nach einem tiefengeologischen Lager für hochradioaktiven Atommüll verlief in Deutschland entlang der „Salzlinie“. Anstatt wie andere Länder auch alternative Gesteinsarten zu untersuchen, wurde unbeirrt seit über 40 Jahren am Standort Gorleben festgehalten. Laut einer neuen Studie eignet sich Steinsalz aber „äußerst schlecht“.

Quellen (Auswahl): MDR, Thüringische Landeszeitung, Zeit Online u.a.

Robert Socha

Robert Socha studiert Soziologie und ist seit vielen Jahren in selbstorganisierten parteiunabhängigen Bewegungen aktiv. Nach Erfahrungen im Netzwerkcoaching in Südafrika wohnt er derzeit in Marburg und schreibt seit November 2015 Beiträge für .ausgestrahlt.

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