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25.04.2016 | von Robert Socha

Japan: Trotz Erdbeben und Vulkanausbruch bleibt AKW Sendai am Netz

Auf der Insel Kyushu hat das schwerste Erdbeben seit Fukushima Japan heimgesucht. Die örtlichen Behörden sehen das nahegelegene AKW Sendai jedoch nicht gefährdet und wollen es am Netz behalten, wie schon bei einem Vulkanausbruch vor zwei Monaten. Das hat gute Gründe – denn in Sendai steckt das „japanische Atomdorf“ seine ganze Hoffnung auf eine Renaissance der Atomkraft.

April 2016: Erdbebenintensität auf Kyushu und Lage der AKW
Foto: Robert Socha 2016, Kyushu: Erdbebenintensität & Lage der AKW

Das schwere Tohoku-Erdbeben und die dadurch ausgelöste Kernschmelze in drei Reaktoren des AKW Fukushima-Daiichi jährte sich gerade zum fünften Mal, da bebte auf Kyushu wieder die Erde. Die Erdbeben, die die Insel im Südwesten Japans heimsuchten, sind die schwersten seit 2011. Das heftigste Nachbeben ereignete sich am dritten Tag. 33 Menschen starben durch die Folgen der Erschütterungen der Stärke 7,3 auf der Richterskala.

Schon die zweite Naturkatastrophe in diesem Jahr    

Auf der betroffenen Insel liegt auch das AKW Sendai. Laut Auskunft des Betreibers Kyushu Electric ist die 120 Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens entfernte Anlage nicht durch das Erdbeben beschädigt worden. Kritiker forderten nach dem Beben, Sendai die Anlage sicherheitshalber dennoch abzuschalten. Shunichi Tanaka, der Vorsitzende der japanischen Atomaufsichtsbehörde NRA widersprach auf einer Pressekonferenz dieser Forderung und erklärte, die NRA halte die Anlage für sicher. Für das AKW Sendai ist das Beben dieses Jahr die zweite Naturkatastrophe in der Umgebung, nachdem im Februar der nur 40 Kilometer entfernte Vulkan Sakurajima ausgebrochen war.

Hoffnungsträger der japanischen Atomindustrie

Eine Abschaltung der Anlage würde die Pläne der japanischen Atomindustrie und ihres wichtigsten Lobbyisten, des Premierministers Shinzo Abe, weiter gefährden. Die Regierung plant, etwa zwei Drittel der AKW nach einer Verschärfung der Sicherheitsvorschriften und Nachbesserungen wieder in Betrieb zu nehmen. Über 20 Prozent der Stromproduktion sollen so wieder mit Atomkraft gedeckt werden. Nachdem infolge der Katastrophe von Fukushima Japans AKW-Park jahrelang stillstand, wurden die beiden Reaktoren des AKW Sendai im August und November wieder in Betrieb genommen. Sendai ist die einzige Anlage Japans, die derzeit in Betrieb ist. Sie ist damit zugleich Hoffnungsträgerin der auf eine Renaissance wartenden japanischen Atomindustrie.

Sendai wird somit vorerst weiter Atomstrom produzieren und die Atomträume der Industrie am Leben erhalten. NRA-Vorsitzender Tanaka erklärte derweil, man werde „die Anlage beobachten“.

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Quellen (Auswahl): www.telegraph.co.uk, www.reuters.com, www.wikipedia.org, www.nola.com u.a.

Robert Socha

Robert Socha studiert Soziologie und ist seit vielen Jahren in selbstorganisierten parteiunabhängigen Bewegungen aktiv. Nach Erfahrungen im Netzwerkcoaching in Südafrika wohnt er derzeit in Marburg und schreibt seit November 2015 Beiträge für .ausgestrahlt.

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