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20.05.2016 | von Robert Socha

USA: AKW Fort Calhoun vor dem Aus

Das amerikanische Atomkraftwerk Fort Calhoun wird sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahr vom Netz gehen. Der Vorstandsvorsitzende der Betreiberfirma hat angekündigt, der Betriebsversammlung eine Abschaltung des Reaktors zum Jahresende zu empfehlen. Das AKW war 2011 durch ein Hochwasser geflutet worden.

„Die Finanzanalyse zeigt klar auf, dass ein Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Fort Calhoun wirtschaftlich nicht tragbar ist“, teilte Tim Burke, der Vorsitzende des Betreiberunternehmens Omaha Public Power District (OPPD) bei einer Versammlung am vergangenen Donnerstag mit.

Das AKW Fort Calhoun besteht aus einem Reaktor, der 1973 in Betrieb gegangen war und dessen Betriebslizenz 2003 um 20 Jahre bis 2033 verlängert wurde. Sein Druckwasserreaktor ist mit einer Nettoleistung von 478 MW der leistungsschwächste aller amerikanischen AKW.

Nach Flut umfassend saniert

USA: Hochwasser im AKW Fort Calhoun Juni 2011
Foto: wikipedia USA: Hochwasser im AKW Fort Calhoun Juni 2011

Fort Calhoun erlangte im Juni 2011 internationale Berühmtheit, als die Anlage nach einem Dammbruch durch das Hochwasser des angrenzenden Missouri River geflutet worden war. Der Notstand musste ausgerufen werden und ein Feuer brach aus, infolge dessen eine Kühlpumpe ausgefiel. Das AKW stand in der Folge zweieinhalb Jahre still, ehe es im Dezember 2013 nach umfassenden Sanierungen wieder ans Netz ging.

Bedingungslose Stilllegung

Fort Calhoun ist nicht das einzige AKW Amerikas, dem die Stilllegung droht. Seit 2013 sind fünf AKW endgültig vom Netz gegangen, die Anzahl der Reaktoren in Betrieb ist damit von 104 auf 99 gesunken. Der Energiekonzern Entergy hat im vergangenen November das Ende seiner Anlagen Fitzpatrick (New York) und Pilgrim (Massachusetts) für die Jahre 2017 und 2019 angekündigt. Der Atomriese Exelon betreibt das AKW Ginna (New York) nur dank staatlicher Subventionen, die 2017 ablaufen.Für 2019 ist die Abschaltung des AKW Oyster Creek (New Jersey) angekündigt und in Illinois droht Exelon mit der Stilllegung der AKW Clinton im Jahr 2017 und ein Jahr später Quad Cities, sollten nicht in Kürze Fördergelder für Atomenergie beschlossen werden. Im Gegensatz zu den anderen Betreibern stellte OPPD keine Forderungen, die die geplante Abschaltung der Anlage verhindern könnten.

Langfristig weniger als 100 Reaktoren in den USA

In Tennessee steht die Inbetriebnahme des Reaktors Watts Bar 2 nach 43 Jahren Bauzeit kurz bevor. Das wird die Anzahl der US-Reaktoren in Betrieb wieder auf 100 steigern. Mit der Abschaltung von Fort Calhoun und weiteren Meilern wird die Anzahl aber in den kommenden Jahren ein neues Tief erreichen. Die vier AKW-Neubauten am Standort Virgil C. Summer (South Carolina) und Vogtle (Georgia) werden frühestens 2020 den Leistungsbetrieb aufnehmen und die große Zahl an Abschaltungen nicht kompensieren.

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    09.02.2016 - Das AKW Indian Point im Staat New York soll nach dem Willen der Regierung des Bundesstaats vom Netz gehen, weil es im Falle eines Atomunfalls ganz New York City verstrahlen könnte. Nach Jahren eines erbitterten Kampfes zwischen der Regierung des Bundesstaates New York und dem Atomkonzern Entergy, geht der Fall nun vor das US-Bundesgericht und damit in die entscheidende Runde.

Quellen (Auswahl): www.omaha.com, www.ketv.com, www.journalstar.com, www.wikipedia.org

Robert Socha

Robert Socha studiert Soziologie und ist seit vielen Jahren in selbstorganisierten parteiunabhängigen Bewegungen aktiv. Nach Erfahrungen im Netzwerkcoaching in Südafrika wohnt er derzeit in Marburg und schreibt seit November 2015 Beiträge für .ausgestrahlt.

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