.ausgestrahlt-Blog

16.05.2017 | von Jan Becker

Aktivistin sitzt Strafe wegen Atomzug-Blockade im Gefängnis ab

Eine Anti-Atom-Aktivistin ist ins Gefängnis gegangen, weil sie die Zahlung einer Geldstrafe nach einer Blockadeaktion eines Uranzuges verweigert.

Juli 2012: Ankettaktion gegen Uranzug aus der UAA Gronau
Foto: Marcel Seehuber, Projekt A / nirgendwo.info Juli 2012: Ankettaktion gegen Uranzug aus der UAA Gronau

Im Sommer 2012 blockierten eine Ankettaktion und eine Kletteraktion die Bahnstrecke zwischen Münster (Westfalen) und der Urananreicherungsanlage in Gronau. Ein Zug, beladen mit über 400 Tonnen Uranhexafluorid zur Herstellung von AKW-Brennstoff, musste eine mehrstündige Zwangspause einlegen.

Ein Gerichtsverfahren gegen die Kletter-Aktivist*innen wurde nach kurzer Zeit eingestellt. Die beiden damals Angeketteten verurteilte das Amtsgericht Steinfurt und in der Berufung das Landgericht Münster wegen „Störung öffentlicher Betriebe“. Die im Dezember 2015 gegen das Urteil eingelegte Revision wurde Ende 2016 vom Oberlandgericht Hamm verworfen. Damit war die Entscheidung des Landgerichts rechtskräftig, nach der die beiden Angeketteten zu 90 und 110 Tagessätzen zu je 15€, also zu 1350€ und 1650€ Geldstrafe verurteilt wurden.

Anstatt diese Strafe zu zahlen, will eine an der Aktion beteiligte Aktivistin zumindest einen Teil davon in der JVA Hildesheim absitzen. Ihr Haftantritt war am Donnerstag mittag (11. Mai). Unterstützer*innen begleiteten sie zum Gefängnis und hielten eine Mahnwache vor den Toren ab.

„Natürlich könnte ich die Geldstrafe auch zahlen, aber das würde die Strafe schlicht weniger sichtbar machen. Das Landgericht Münster hatte die höchste je für Ankettaktionen verhängte Strafe beschlossen es ist mir wichtig, dies wenigstens publik zu machen“, so die Betroffene.

Trotz „Atomausstiegs“ laufen die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen unbefristet weiter und versorgen Atomanlagen weltweit mit Brennstoff, kritisieren die Aktivist*innen. Damit verbunden sind zahlreiche Transporte, denen sich immer wieder Menschen mit verschiedenen Mitteln in den Weg stellen.

weiterlesen:

  • Unüblich hohe Strafen für Ankett-AktivistInnen
    19.12.2016 - Im Sommer 2012 blockierten Anti-Atom-AktivistInnen einen Zug, der Atommüll aus der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau ins Ausland transportierte. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte nun die bereits vom Landgericht Münster verhängten Strafen, die unüblich hoch sind. Es handelt sich um den Versuch, politisch aktive Menschen einzuschüchtern, so die Betroffenen.

  • 25.04.2017 - Entgegen Versprechen: Mehr Urantransporte durch Hamburg
    Anders als der rot-grüne Senat in Hamburg es versprochen hatte, steigt die Anzahl der Atomtransporte durch den dortigen Hafen an. Atomkraftgegner*innen nahmen das kürzlich zum Anlass für eine spektakuläre Aktion.

Quelle: nirgendwo.info; 9.5.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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