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22.09.2017 | von Jan Becker

Studie untersucht EU-weiten Atomausstieg

Plakat Mehr Tempo beim Atomausstieg

Eindeutiges Ergebnis: Ein europaweiter Atomausstieg hätte wirtschaftliche Vorteile gegenüber "Business as usual".

Erneuerbare Energien haben in der EU den Atomstrom längst überflügelt. Europas AKW sind überaltert, 60 Prozent der Atomanlagen sind älter als 30 Jahre. AKW-Neubauten sind ohne Milliardensubventionen nicht mehr umsetzbar...

Im Auftrag der oberösterreichischen Landesregierung entwickelt das SERI (Sustainable Europe Research Institute) in Wien in einem neuen Projekt ein Szenario für einen europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie, um daraus vor allem die wirtschaftlichen Konsequenzen in den EU-Ländern herauszuarbeiten. Erste Ergebnisse liegen vor.

„Europe goes ahead without nuclear“

Das Szenario „Europe goes ahead without nuclear“ untersucht die Wirkungen auf Wirtschaft und Umwelt unter Berücksichtigung aller ausgelösten direkten, indirekten und Rebound-Effekte (Effekte, die das Einsparpotenzial von Effizienzmaßnahmen reduzieren oder ganz vernichten). Verglichen wird die Annahme, dass Europa bis 2050 komplett aus der Atomenergienutzung aussteigt, mit einem „Business as Usual“, das weiterhin auf Atomenergie setzt.

Das SERI zieht für seine Analyse das große EU-Forschungsprojekt POLFREE zu Rate. Darin werden Wirkungen auf volkswirtschaftliche Größen (z.B. Beschäftigung, Wirtschaftswachstum, Preise, Staatsverschuldung, Wertschöpfung in einzelnen Branchen, etc.) und auf Umweltindikatoren (z.B. CO2-Emissionen, Rohstoffproduktivität) in den einzelnen EU-Mitgliedsländern veranschaulicht, wenn die EU eine globale Vorreiterrolle im Klima- und Ressourcenschutz einnehmen würde.

Atomausstieg bringt wirtschaftliche Vorteile

Die aktuelle Studie kann mit einem eindeutigen Ergebnis überzeugen: Der vollständige Atomausstieg würde wirtschaftliche Vorteile für Europa bringen. Außerdem könnten die Klimaschutzziele auch ohne Atomkraft gut verwirklicht werden. Laut SERI gäbe es keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Stromkosten pro Haushalt würden sich zudem um durchschnittlich bis zu 700 Euro pro Jahr verringern.

weiterlesen:

  • Klimaschutz in Europa ist ohne Atomkraft möglich
    08.11.2016 - Ein vollständiger Atomausstieg in Europa bis 2050 würde weder die Klimaschutzziele noch die Versorgungssicherheit gefährden, so das Fazit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Setzt die EU weiter auf Atomkraftwerke, wird die Stromproduktion künftig die teuerste Variante zur Herstellung von Elektrizität.

  • Studie im Auftrag des BUND: Bis 2030 kann Europa aus der Atomkraft aussteigen
    06.03.2014 - Eine neue Studie der Technischen Universität Wien und der Würzburger Stiftung Umweltenergierecht, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine österreichische Partnerorganisation Global 2000 veröffentlicht haben, hält den EU-weiten Atomausstieg bis 2030 für möglich.

Quellen (Auszug): seri.at, oekonews.at, oe-journal.at; 20./21.9.2017

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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