.ausgestrahlt-Blog

10.04.2018 | von Jan Becker

Französischer Schrottmeiler wieder in Betrieb

Trotz Sicherheitsbedenken und für nur noch wenige Monate Laufzeit ist Block 2 des französischen Atomkraftwerk Fessenheim wieder in Betrieb genommen worden. Atomkraftgegner*innen antworten mit Protest.

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Das Wiederanfahren des dienstältesten Meilers in Frankreich sorgt für Wirbel. Der Meiler hat fast zwei Jahre stillgestanden. Wegen offizieller Sicherheitsbedenken musste der Block im Juni 2016 vom Netz, an einem Dampferzeuger waren Materialfehler bekannt geworden. Prüfzertifikate wurden aberkannt. Die französische Atomaufsicht ASN nahm die Zweifel an der Sicherheit allerdings wieder zurück. Der Betreiber EdF beantragte daraufhin die Wiederinbetriebnahme.

An dem nun erfolgten Neustart des Meilers gab es bis zuletzt Zweifel, denn die endgültige Stilllegung beider Reaktoren am Standort ist zwischen Regierung und Betreiber für Ende des Jahres bzw. Anfang des kommenden Jahres vereinbart worden.

„Ein großer Schatten“

Atomkraftgegner*innen hatten versucht, die Inbetriebnahme zu stoppen. In einem Brief an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron forderte die Breisacher Montagsmahnwache vergangene Woche, dass die Vorbereitungen zur Reaktivierung gestoppt werden. Das Vorhaben sei „unvernünftig und sinnlos“, so Gustav Rosa von der Mahnwache. Leichtfertig und fahrlässig würden vielversprechende politische und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region aufs Spiel gesetzt werden. Nach der Ankündigung der endgültigen Stilllegung waren Initiativen gestartet worden, die sich mit einer Perspektive für die Region und Mitarbeiter*innen beschäftigen. Die Inbetriebnahme des Reaktors schwebe über diesen Initiativen jedoch wie „ein großer Schatten“, so Rosa.

Protestaktion angekündigt

Als Antwort auf den Neustart hat der Aktivist für die Zeit vom 23. bis zum 30. April auf dem Neutorplatz in Breisach einen Fastenstreik angekündigt. Seit 2011 wird in Breisach jeden Montag Menschen gegen das Atomkraftwerk in 13 Kilometer Luftlinie Entfernung protestiert. Bereits 2011 sorgte ein „Hungerstreik“ gegen den Weiterbetrieb des AKW Fessenheim für Aufsehen.

Die zwei Meiler in Fessenheim sind die ältesten noch in Betrieb befindlichen in Frankreich. Der Standort ist nur anderthalb Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und liegt in einem Erdbebengebiet. Diese Gefährdung findet keine ausreichende Berücksichtigung. Zudem besteht bei einem Bruch des Rheinseitenkanals Überflutungsrisiko. Die Häufung von Zwischenfällen im Normalbetrieb weist auf eine mangelnde Sicherheitskultur hin.

weiterlesen:

  • Grünes Licht für Schrottmeiler
    16.03.2018 - Ausgerechnet die ältesten der alten Atommeiler haben trotz massiver Sicherheitsrisiken die Freigabe zum Wiederanfahren bekommen. Atomkraftgegner*innen sind schockiert.

  • Frankreich macht mobil für seine alten Meiler
    05.03.2018 - Weil sie auf massive Sicherheitsrisiken der französischen Atomkraftwerke aufmerksam machten, müssen jetzt zwei Aktivist*innen ins Gefängnis. Gleichzeitig ereigneten sich in Cattenom die nächsten Störfälle.

  • Französische AKW in katastrophalem Zustand
    08.02.2018 - Neue Zwischenfälle bestätigen die These zweier Autoren: Es ist nicht mehr die Frage, ob in einem der 58 französischen Meilern ein schwerer Unfall möglich sei, sondern wann er passiert.

Quellen (Auszug): stimme.de, badische-zeitung.de, bo.de, 6./9.4.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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