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14.01.2020 | von Jan Becker

Ökostrom statt Kohle & Atom

Der Wechsel zu Ökostrom ist einfach. Jede*r kann so umgehend den eigenen Atomausstieg machen, die Energiewende fördern und das Klima schützen. Allerdings ist das Angebot an Stromtarifen und -anbietern in Deutschland sehr umfangreich. Robin Wood hilft mit konkreten Empfehlungen.

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Foto: robin wood

Seit der Liberalisierung des Strommarktes Ende der 1990er Jahre können Stromkunden in Deutschland den Stromanbieter wechseln. Damit können aber auch Stromanbieter ihre Produkte bundesweit anbieten. Derzeit gibt es über 1.000 Stromanbieter in Deutschland mit ca. 9.000 verschiedenen Stromtarifen, die vom Allgemeinen Tarif der Stadtwerke und Kommunalversorgungsunternehmen über Ökostromangebote von „besonders umweltorientierten Stromanbietern“, Gewerbestrom und Billigstrom-Angebote im Paketpreis mit Preisgarantie bis hin zu „reinen Atomstromtarifen“ reichen.

Ökostrom statt Kohle & Atom

Seit zwei Jahrzehnten gilt die einfache Handlungsaufforderung der Anti-Atom-Bewegung: Jede Stromkundin und jeder Stromkunde kann sofort den ganz persönlichen Atomausstieg machen, indem künftig Ökostrom aus 100% Erneuerbaren Energien bezogen wird. Das gilt erst recht, wenn wie derzeit in Teilen der Politik und Wirtschaft immer lauter über eine Laufzeitverlängerung der letzten deutschen Meiler diskutiert wird.

Pioniere mit einwandfreien Ökostromangeboten waren damals (wie heute) zum Beispiel als „Stromrebellen“ die Elektrizitätswerke Schönau aus dem Schwarzwald, Greenpeace mit „Greenpeace energy“ oder der BUND „Naturstrom“. Vor zwanzig Jahren musste noch ein kleines bisschen mehr pro Kilowattstunde bezahlt werden; dafür gab es die Garantie dafür, dass kein Atommüll produziert und der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben wurde.

Mit steigender Nachfrage nach den Ökoprodukten für die Steckdose zogen dann auch die großen Versorger wie E.ON, Vattenfall, EnBW oder RWE nach und boten eigene „Öko-Tarife“ an. Und das mit Erfolg: Im letzten Jahr meldete E.ON, dass sich die Zahl ihrer Ökostrom-Kunden binnen fünf Jahren rasant gesteigert habe. Von den rund 6 Millionen E.ON-Kunden in Deutschland würden sich „in der Altersgruppe von 18 bis 40 Jahre jeder Fünfte bewusst für eine klimafreundliche Belieferung entscheiden“, so Victoria Ossadnik von E.ON Energie Deutschland im Juni 2019. Im selben Monat begrüßte die E.ON-Tochter eprimo, der „Ökoableger“ des Atomkonzerns, die einmillionste Ökostromkundin.

100% Ökostrom reicht uns nicht

Doch nicht jeder Ökostrom-Vertrag bietet einen wirklichen Nutzen für Umwelt und Klima. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood hat nach eigenen Angaben 1.200 Stromanbieter unter die Lupe genommen und auf Grundlage von vier Kriterien untersucht. Damit ein Anbieter eine positive Empfehlung erhalten kann, muss der Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energiequellen stammen und über direkte Lieferverträge mit Erzeugerkraftwerken bzw. über Zwischenhändler mit direkten Lieferverträgen bezogen werden. Außerdem wird Unabhängigkeit von solchen Konzernen erwartet, die Atom- oder Kohlekraftwerke betreiben oder mit Strom aus diesen Quellen handeln. An dieser Stelle fliegen die großen Energiekonzerne wie auch viele andere Stadtwerke oder Firmen mit ihren Ökoangeboten natürlich raus, weil sie auch andere Stromtarife anbieten, die Atom- oder Kohlestrom beinhalten. Unterstellt wird, dass der in der Regel etwas teurere Ökostromtarif den Weiterbetrieb der konventionellen Kraftwerke subventioniert. Um eine Empfehlung von Robin Wood zu erhalten, muss der Anbieter die Energiewende zudem durch den Bezug von mindestens 33 Prozent des Stroms aus Neuanlagen, die nicht älter als zehn Jahre sind, und feste Investitionsprogramme (mind. 0,5 ct/kWh) fördern.

Acht von 1.200

Am Ende kann Robin Wood nur acht von 1.200 Stromanbietern empfehlen. Dazu gehören die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace energy und Naturstrom. Aber auch die Bürgerwerke, eine Genossenschaft, die mit derzeit 95 Energiegenossenschaften in ganz Deutschland gemeinsam Strom und Gas vertreibt. Außerdem können guten Gewissens Grün.power GmbH, das rheinland-pfälzische Unternehmen Mann Naturstrom GmbH & Co. KG und die Polarstern GmbH empfohlen werden. Nummer acht in der Liste ist das Angebot „Ökostrom+“, welches allerdings ein gemeinschaftliches Angebot der Partner Klimaschutz+-Stiftung, Klimaschutz+-Energiegenossenschaft, lokaler Bürgerinitiativen und der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) ist - der Strom wird von den EWS geliefert.

weiterlesen:

  • Kein Strom-Engpass
    08.01.2020 - Die Abschaltung weiterer Atomkraftwerke ist kein Problem. Der Anteil der Erneuerbaren Energien stieg im vergangenen Jahr auf 46,1 Prozent. Allerdings braucht die Energiewende deutliche Beschleunigung.

  • Atomausstieg: Da fehlt noch was
    12.12.2019 - Mit der endgültigen Abschaltung des AKW Philippsburg-2 zur Jahreswende geht es mit dem deutschen Atomausstieg zwar voran. Dennoch fehlt noch viel - zwei Beispiele.

  • „An die Physik anpassen“
    09.08.2019 - Energiesystemexperte Andreas Jahn über Atom- und Kohleausstieg, Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien und den Zusammenhang zwischen Stromleitungen und Strommarkt.

  • „Eine irre kostspielige Technologie“
    08.08.2019 - Eine aktuelle Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die absolute Bankrott-Erklärung an alle Atomkraftwerke. Die Meiler dienen weder dem Klimaschutz, noch laufen sie, um Energie herzustellen.

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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