.ausgestrahlt-Blog

07.03.2020 | von Jan Becker

50 Jahre Urenco - kein Grund zum Feiern

Erneut haben Atomkraftgegner*innen diese Woche gegen den Betrieb der Urananreicherungsanlage Gronau protestiert. Neue Atommülltransporte nach Russland zeichnen sich ab. Gemeinsam erinnerten 30 internationale Initiativen daran, dass vor genau 50 Jahren ein Vertrag zum Aufbau der Uran-Industrie geschlossen wurde.

Mahnwache vor der UAA Gronau am 1.3.2020
Foto: BBU Mahnwache vor der UAA Gronau am 1.3.2020

Am 4. März 1970 wurde im Rathaus von Almelo zwischen den Niederlanden, Großbritannien und (West)Deutschland der „Vertrag von Almelo“ über die Bildung eines Unternehmens mit dem Ziel der Urananreicherung mittels Ultrazentrifugen geschlossen. Für die drei beteiligten Länder war das der Startschuss für die Gründung des Urenco-Konzerns zur Produktion von Zentrifugen und zum Bau von Urananreicherungsanlagen - in Capenhurst (GB), Almelo (NL) und Gronau (D). An Urenco sind derzeit zu einem Drittel Großbritannien, zu einem Drittel die Niederlande und zu je einem Sechstel RWE und EON beteiligt.

Diesen Jahrestag nutzten rund 30 Initiativen und Verbände zur Veröffentlichung einer gemeinsamen Erklärung, die von Mahnwachen am vergangenen Sonntag (1. März) vor den europäischen Uranfabriken der Urenco in Capenhurst, Almelo und Gronau begleitet wurde. Im Kern heißt es: Sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlagen des Urenco-Konzerns!

„Gegen den Betrieb der Anlagen sprechen die Gefahren möglicher Unfälle, Gefahren bei Urantransporten, die ungelöste Atommüll-Entsorgung und die Gefahr des militärischen Missbrauchs“, so Udo Buchholz vom Arbeitskreis Umwelt Gronau.

Am letzten Wochenende fand zudem eine internationale Konferenz von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden und Friedensorganisationen aus den Niederlanden, aus Russland und aus Deutschland in Almelo statt. Am Montag zogen Aktivist*innen mit einer Demonstration durch Münster und forderten den sofortigen Stopp der Atommülltransporte von Gronau nach Russland, für Urenco eine „billige Entsorgung“ seines Strahlenmülls:

„Wir fordern, dass der Urenco-Konzern die Verantwortung zur Beseitigung der radioaktiven Hinterlassenschaften übernimmt, die er verursacht hat”, fordern zahlreiche beteiligte Initiativen.

Demo in Münster, 2.3.2020
Foto: twitter.com/urantransport

Nächster Uranmülltransport zeichnet sich ab

Seit einigen Wochen beobachten Aktivist*innen in Gronau bereits Aktivitäten, die auf einen erneuten Abtransport von abgereichertem Uran aus der Urananreicherungsanlage mit Ziel Russland hindeuten. Das benötigte Transportschiff, dass die Fracht in Amsterdam aufnimmt, steht unter ständiger Beobachtung.

Diese Transporte sind - neben dem eigentlichen Betrieb der Anlage - besonders umstritten. Die Abfallprodukte aus der Anreicherung des Urans verbleiben großteils in Russland. Nur ein kleiner Teil wird tatsächlich wiederverwendet. Atomkraftgegner*innen sehen deshalb einen Atommüllexport, den deutsche Gesetze klar verbieten. Urenco behauptet hingegen, bei dem Abfallprodukt handle es sich um „Wertstoff“ - und hat bereits tausende Tonnen in die russische Steppe bringen lassen.

Doch die Proteste gegen die Transporte formieren sich auch in Russland. Kürzlich wurde bekannt, dass nach Druck aus der Bevölkerung die Entladung des Schiffes verlagert wurde, so dass die Bahntransporte nicht mehr durch Sankt Petersburg fahren.

weiterlesen:

  • Protest gegen neuen Uranmüll-Export
    18.11.2019 - Entschieden protestieren heute Atomkraftgegner*innen in und um Gronau gegen einen neuen Zug mit Uranmüll aus der Urananreicherung, der nach Russland fahren soll. Während bereits zehntausende Menschen mit ihrer Unterschrift den Stopp der unrechtmäßigen Transporte fordern, verweigert RWE als Mitbetreiber der Anlage Gespräche.

Quellen: bbu-online.de, sofa-ms.de

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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