Ohne Atomkraft in Dänemark

Karte mit Atomkraftwerken in Dänemark
Foto: Holger Müller

Auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbaren Energien, aber…

Der 22. März 2012 ist ein Meilenstein in der dänischen Energiepolitik. An diesem Tag beschloss eine breite Mehrheit im Folketinget, dem dänischen Parlament, das Ziel, bis 2020 die Hälfte des Strombedarfs durch Windkraft zu decken. Bis 2050 soll der komplette Energiebedarf für Heizung, Strom, Industrie und Transport durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Unter anderem soll die Umstellung von Kohlekraftwerken auf Biomasse forciert und Biogas mehr gefördert werden. Stück für Stück sollen zudem alle Öl-, später auch alle Erdgasheizungen verschwinden, zum Großteil ersetzt durch Fernwärme aus den ausgedehnten und weiter wachsenden Wärmenetzen.

Einsparziel für Energieversorger

Um die Energieeffizienz zu erhöhen, hat die Regierung die Energieversorger verpflichtet, Strom, Gas und Fernwärme einzusparen. Bei größeren Kunden sind diese schon bemüht, den Energieverbrauch zu drosseln. Bei Haushaltskunden nicht so sehr – deren Beratung ist aufwändiger. Hausbesitzer können von den Energieversorgern einen kleinen Zuschuss für eine energetische Sanierung erhalten. Da viele jedoch davon erst erfahren, wenn sie die Sanierung schon beschlossen haben, entsteht dadurch kein zusätzlicher Anreiz.
Als das Energie-Abkommen verhandelt wurde, gab es gerade einen dänischer Solar-Boom: Sinkende Preise drückten die Amortisationszeit für Solaranlagen auf unter zehn Jahre, Otto-Normal-BürgerInnen begannen, zu investieren. Den Strom, den sie produzierten, konnten sie mit dem eigenen Verbrauch verrechnen. Bereits im Herbst 2012 jedoch schaffte die Regierung das „net metering“ genannte Fördersystem wieder ab. Bis dahin hatten 60.000 Familien Fotovoltaik-Anlagen auf ihre Dächer montiert. Neue, zudem weniger günstige Förderregeln verzögerten sich, weil die EU zustimmen musste. Das ließ den Haushaltsmarkt zusammenbrechen, während nun Spekulanten versuchen, mit Großanlagen die neuen Regeln auszunutzen.
Ein Problem für Dänemarks „Energiewende“ ist der niedrige Preis für CO2-Verschmutzungsrechte. Im Zusammenspiel mit den sinkenden Kohlepreisen hat das etwa die Umstellung einiger Kohlekraftwerke auf Biomasse weiter verzögert. Dem Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen von 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, hat das Energieabkommen Dänemark deutlich näher gebracht. Aktuell läuft die Diskussion darüber, wie die letzten sechs Prozent erreicht werden sollen. Denkbar wäre ein weiterer Ausbau der Windkraft und mehr Energieeffizienz, aber auch eine Verringerung des Methanausstoßes aus der Landwirtschaft etc. Ein Klimagesetz ist ebenfalls geplant.

Die Erfindung der Anti-Atom-Sonne

In den 1970ern, nach der Ölkrise, wollte auch Dänemark AKW bauen. Eine starke Protestbewegung – die auch die weltberühmte Anti-Atom-Sonne erfand – verhinderte dies: 1985 entscheid das Folketing, keine AKW zu bauen. Daraufhin wurden auch die Planungen für Uranminen in Grönland gestoppt. 2009 erlangte die Insel größere Autonomie und kann nun auch über ihre Bodenschätze entscheiden. Im März 2013 gewannen konservativere Parteien die Wahlen. Die neue grönländische Regierung unterstützt die Entwicklung eines kombinierten Abbaus von Uran und seltenen Erden in Kvanefjeld in Süd-Grönland. Ende Oktober wird das grönländische Parlament über die Abschaffung der Verordnung diskutieren, die den Uran-Abbau untersagt. Falls die Entscheidung für den Abbau fällt, steht die dänische Regierung vor einer schwierigen Frage: Soll sie der Selbstverwaltung gestatten, Uran abzubauen, oder dies – unter Berufung auf sicherheitspolitische Erwägungen – untersagen?

Gunnar Boye Olesen und Hans Pedersen, VedvarendeEnergi

Update: Das grönländische Parlament hat am 24. Oktober mit 15:14 Stimmen bei einer Enthaltung für die Aufhebung des Uranabbauverbots gestimmt. Die sozialdemokratische Regierungschefin Aleqa Hammond sagte, Grönland habe das Potenzial, zu einem der führenden Uranerz-Produzenten der Welt werden.

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Dieser Text ist ursprünglich im .ausgestrahlt-Rundbrief Nr. 22 (Herbst 2013) erschienen.