Umfrage ergibt: Atom-Kritiker genießen das meiste Vertrauen

Wenn es um Atommüll geht, vertrauen die meisten Menschen denen, die kritisch zur Atomkraft stehen. Das hat eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag von .ausgestrahlt ergeben. 76 Prozent vertrauen atomkritischen WissenschaftlerInnen - der Politik nur 17 Prozent:

Vetrauensumfrage zur Atommüll-Kommission

Dieses Ergebnis ist bedeutend für die Besetzung der Atommüll-Kommission, die im Auftrag des Bundestages über die Lagerung der atomaren Hinterlassenschaften beraten soll. Die Umfrage zeigt, dass die Politik in Sachen Atommüll jegliches Vertrauen der Bevölkerung verspielt. Dagegen genießen diejenigen, die das Endlagersuchgesetz und die Zusammensetzung der Atommüll-Kommission kritisieren, höchstes Vertrauen. Die Politik muss endlich auf die Umweltverbände zugehen und deren Bedenken zum Gesetz und zur Kommission ernst nehmen. So nimmt sie auch die Bevölkerung ernst. Wenn Umweltverbände den Prozess bremsen und keine Kommissions-Vertreter benennen, tun sie das aus guten Gründen, weil sie unter den derzeitigen Rahmenbedingungen keine Erfolgsaussichten in der Kommission sehen.

Emnid hatte 1.000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren telefonisch gefragt:

"Eine Kommission soll in den nächsten zwei Jahren den Umgang mit Atommüll neu regeln. In dieser Kommission arbeiten Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen mit. Für wie vertrauenswürdig halten Sie die folgenden Gruppen im Hinblick auf das Thema Atommüll?"

Aufgezählt wurden dann in zufälliger Reihenfolge atomkritische und Pro-Atom-WissenschaftlerInnen, Umweltverbände, Gewerkschaften, JuristInnen, PolitikerInnen, Kirche und Wirtschaftsvertreter. Gefragt wurde, ob die jeweilige Gruppe sehr vertrauenswürdig, eher vertrauenswürdig, weniger vertrauenswürdig oder gar nicht vertrauenswürdig sei.

Werden die ersten beiden Nennungen zusammenaddiert, ergibt sich, dass 76 Prozent der Bevölkerung atomkritischen WissenschaftlerInnen vertrauen und 72 Prozent Umweltverbänden. Auf dem dritten Platz mit 43 Prozent folgen Gewerkschaften. Politiker landen auf dem letzten Platz, nur 17 Prozent trauen ihnen.

24 Prozent finden die Umweltverbände sogar sehr vertrauenswürdig, nur fünf Prozent halten sie für gar nicht vertrauenswürdig. Dieses volle Vertrauen bringen die Bürgerinnen und Bürger in dem Maße keiner anderen Gruppe entgegen.

Das Vertrauen in die Umweltverbände ist unter den Altersgruppen ziemlich gleich verteilt, bei den Jüngeren unter 30 Jahren ist es am Größten. Bei den CDU/CSU-Anhängern sind es immer noch 70 Prozent. Auch bei den Unions-WählerInnen stehen die Umweltverbände bei der Vertrauenswürdigkeit auf Platz zwei knapp hinter den atomkritischen WissenschaftlerInnn.

Das Umfrage-Ergebnis stellt die bisherige Zusammensetzung der Atommüll-Kommission in Frage. 16 Politikern sollen dort zwei Vertreter der Umweltverbände gegenübersitzen. Pro-Atom-Wissenschaftler und Juristen besetzen die meisten der acht Plätze für Experten. Vertreter der Atomwirtschaft sind genauso stark vertreten wie Umweltverbände. Bleibt es bei dieser Aufteilung, dann stellt sich die Frage, wie die Kommission glaubwürdig arbeiten soll.