Transmutation vs. Dauerlager?

Atomkraftbefürworter*innen behaupten, Transmutation sei die Antwort auf das Atommüll-Problem. Was ist dran am Traum vom Atommüll-Schlucker?

Transmutation heißt Verwandlung. Die Idee, einen Stoff in einen anderen umzuwandeln, ist nicht neu. Die Natur macht das ständig und ebenso der Mensch. Es gibt jedoch Umwandlungsprozesse, die komplexer und weitaus umständlicher sind, als etwa aus Holz Asche zu machen. Dazu gehört der Versuch, aus Blei Gold herzustellen ebenso wie die Vision, hochradioaktiven Atommüll in weniger schädliche Abfälle umzuwandeln. Transmutation ist keine Alternative zu einem dauerhaften Atommüll-Lager; sie verwandelt lediglich ein Problem in ein anderes.

Transmutation ist pure Theorie

Anlagen zur Transmutation oder Atomreaktoren, die mit radioaktiven Abfällen betrieben werden, sind mehr Utopie als Wirklichkeit. Diese Technologien sind seit Jahrzehnten im Laborstadium. Das Konzept der Flüssigsalzreaktoren etwa, das derzeit gehypt wird, stammt aus den 1950er Jahren und ist nach wie vor Theorie.

Transmutation ersetzt kein Atommüll-Lager

Es ist nicht möglich, Atommüll komplett unschädlich zu machen: Es könnten allenfalls langlebige Radionuklide in kurzlebigere Nuklide umgewandelt werden. Diese Stoffe müssten dennoch gelagert werden. Auch kämen Transmutationsverfahren nur für einen Teil des hochradioaktiven Atommülls infrage. Verglaste Abfälle aus den Plutonium-Fabriken etwa blieben außen vor und müssten weiterhin dauerhaft gelagert werden. Ein Atommüll-Lager bliebe daher unverzichtbar.

Transmutation birgt ein hohes Gefahrenpotenzial

Transmutation wäre verbunden mit einem Ausstieg aus dem Atomausstieg. Die Handhabung des hochradioaktiven Materials und der Betrieb der Anlagen wäre eine Fortsetzung des Risikos schwerer Atomunfälle und der Gefährdung von Mensch und Umwelt.

Transmutation befördert nuklearen Krieg

Die Etablierung von Transmutationsanlagen wäre mit hohen Proliferationsrisiken verbunden. Durch die mit den Verfahren verbundenen Abtrennungsprozesse wird atomwaffenfähiges Material produziert. Ein Missbrauch wäre auch in Hinblick der zunehmenden Instabilität politischer Systeme denkbar.

Dieser Text erschien zuerst in der Atommüll-Zeitung #2 vom Oktober 2019.