Tickende Zeitbombe - "Versuchsendlager" Asse II


Im ehemaligen Salzbergwerk „Asse II“ bei Wolfenbüttel liegen 125.787 zum Teil undichte Fässer mit Atommüll. In die Stollen dringt Wasser ein, Salzlauge kommt mit Atommüll in Kontakt, das einst als „säkular sicher“ bezeichnete gut 40 Jahre alte „Versuchsendlager“ ist akut einsturzgefährdet.

Vor allem der Druck  aus  der  Bevölkerung  führten  zur  Anerkennung  der  Forderung  der Bürgerinitiativen, dass der Atommüll nicht in Asse II verbleiben kann. Landes- und Bundespolitik sowie der Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit 2009 der Betreiber der havarierten Atommüllkippe, hat den Arbeitsauftrag, die Rückholung des Atommülls durchzuführen. Dabei türmt es zurzeit mehr Fragen und Probleme auf, als es schafft abzuarbeiten. „Notfallarbeiten“, die bei einem langsamen Absaufen des Bergwerks die Belastung der Biosphäre verringern sollen und dem umstrittenen Flutungskonzept des alten Betreibers extrem stark ähneln, werden schnell umgesetzt. Doch die Bürgerinitiativen zweifeln zum einen an der Wirksamkeit der Notfallarbeiten und zum anderen daran, dass das Bergwerk sukzessive absaufen wird. Viel wahrscheinlicher ist nämlich, dass Asse II binnen 24 Stunden unter Wasser stehen wird – und für diesen Fall sind die Notfallmaßnahmen ungeeignet.

75 Prozent der Asse-Strahlung aus AKW-Betrieb

90 Prozent der gesamten Strahlung in der Asse (211.000 Curie) stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK). Die hat das "Versuchsendlager" Asse von 1970 bis 1978 zur billigen „Entsorgung“ ihrer Betriebsabfälle benutzt. Gefüttert wurde die WAK vor allem mit abgebrannten Brennstäben aus bundesdeutschen Atomkraftwerken. Letztlich stammen daher 63 Prozent des radioaktiven Inventars in der Asse vom AKW Obrigheim, neun Prozent vom AKW Gundremmingen. Betreiber des AKW Obrigheim ist der Energiekonzern EnBW, Gundremmigen gehört RWE und Eon.

Asse: Herkunft des Atommülls nach Anteilen der radioaktiven Strahlung

Weitere drei Prozent der Strahlung in der Asse stammen von radioaktiv kontaminierten Betriebsabfällen aus acht AKWs: 5.505 Fässer aus dem AKW Obrigheim (EnBW), 4.738 Fässer aus dem AKW Würgassen (Eon), 3.423 Fässer aus dem AKW Gundremmingen (RWE/Eon), 1.399 Fässer aus dem AKW Stade (Eon/Vattenfall), 1.381 Fässer aus dem AKW Lingen (RWE/E.on), 809 Fässer aus dem AKW Brunsbüttel (Vattenfall/Eon), 143 Fässer aus dem AKW Biblis (RWE) sowie 38 Fässer aus dem AKW Unterweser (Eon).

Insgesamt sind damit drei Viertel der gesamten Strahlungsmenge in der Asse von den vier Atomkonzernen EnBW, Eon, RWE und Vattenfall verursacht.

Müll-Verursacher ohne finanzielle Verantwortung

Seit 2010 ist die Rückholung des Atommülls geplant. Anfang 2013 beschloss der Bundestag ein fraktionsübergreifendes Gesetz zur Beschleunigung der komplizierten Planungs- und Genehmigungsarbeiten. Die Bergung wird - sofern sie am Ende nicht aus technischen Gründen scheitert - noch viele Jahre dauern. Die Kosten belaufen sich Schätzungen zufolge auf vier bis sechs Milliarden Euro. Genau weiß das jedoch niemand.

Asse II - Zahlen und Fakten

• Offizielle Bezeichnungen bis 2008: „Versuchsendlager“,  „Forschungsendlager“, „Forschungsbergwerk“
• Atommüll-Fässer: 125.787
• Enthaltenes Plutonium: 28,9 Kilogramm
• Atomrechtliches Genehmigungsverfahren als Atommüll-Lager: keines
• Erste Hinweise auf eindringendes Wasser: 1963
• Einlagerung des Atommülls: 1967–1978
• Seit 1988 eindringende Wassermenge, pro Tag:  ca. 12.000 Liter
• Strahlung in Asse II, die aus AKW stammt: > 85%
• Geplante Rückholung des Atommülls: ab 2033
• Geschätzte Kosten (2013): ca. 4–6 Mrd. €
• Von SteuerzahlerInnen zu tragen: 100%


Impressionen aus der Asse

alle Fotos von Alexander Tetsch