Atomstandort Hanau

Atommülllager
Foto: antiatom-hanau.de / Diez
Status:
in Betrieb
Standort:
Hanau
Kategorie:
Atommülllager

Hanau ist ein ehemaliger, großer Standort der Atomindustrie. Heute befindet sich dort die Atomtransporte-Firma Nuclear Cargo & Service GmbH und Atommüll-Zwischenlager.

In den 1980er Jahren war das „Hanauer Atomdorf“ die größte europäische Ansammlung von Nuklearfirmen. Hier hatten Unternehmen wie die Siemens-Tochter Alkem (Alpha-Chemie und -Metallurgie), Nukem, Reaktor-Brennelement-Union (RBU), HOBEG – Hochtemperaturreaktor-Brennelementfabrik oder Transnuklear ihren Sitz. Damals verfolgte Deutschland noch das Ziel eines „geschlossenen Brennstoffkreislaufes“, gemeint waren zum Beispiel Wiederaufarbeitungsanlagen und der Einsatz des Ultragiftes Plutonium in Schnellen Brütern. In Hanau stellte Nukem Uranbrennelemente für Leichtwasserreaktoren und MOX-Brennelemente für Leichtwasserreaktoren und Brüter her. Ein Schutzzaun „Modell Wackersdorf“ war rings um die sensiblen Bereiche gezogen, Wachschutz patrollierte.

„Früher war das so eine 'No-Go-Area'. Hier durfte man nicht rein. War alles unter Verschluss, man wusste nicht, was hier passiert“, erinnerte die Hanauer Anti-Atom-Aktivistin Angelika Gunkel 2016 im Deutschlandfunk. „Weil das, was hier im Atomdorf angesiedelt war, das war das Herz der Atomindustrie. Aber höchst gefährlich und problematisch für die gesamte Bevölkerung.“

1987 - Der Anfang vom Ende

1987 erschütterte ein heftiger Skandal den Standort - und die Regierung von Hessen. Die Firma Transnuklear, zuständig für Lagerung und Transport von Atommüll, hatte Fässer falsch deklariert. Aus Belgien wurde zudem Behälter mit hoch radioaktivem Inhalt illegal nach Deutschland gebracht. Bestechungsgelder in Millionenhöhe sollen geflossen sein. Teile der Anlage wurden nach Kritik des damaligen hessischen Umweltministers Karlheinz Weimar und des Bundesumweltministers Klaus Töpfer (beide CDU) stillgelegt.

Aufgrund von Sicherheitsmängeln wurde dann der Weiterbetrieb der Nukem-Anlagen untersagt, Transnuklear verlor die Konzession. Die Verarbeitung von Plutonium wurde 1991 auf Anweisung des damaligen hessischen Umweltministers Joschka Fischer eingestellt. Nukem zog ins bayerische Alzenau und ist bis heute im weltweiten Geschäft mit radioaktiven Abfällen und Brennelementen tätig.

Zur Alkem GmbH gehörte der berüchtigte „Plutoniumbunker“, ein zwei Turnhallen großer Koloß unmittelbar neben der Anlage, wo plutoniumhaltige Brennstäbe für Atomreaktoren (MOX) hergestellt wurden. Das Lager ist geräumt, das Plutonium wurde bis Mitte 2005 nach Frankreich transportiert.

Die einzige noch in Betrieb befindliche Firma im „Atomdorf Hanau“ ist die NCS – Nuclear Cargo & Service GmbH, Nachfolger der Transnuklear, heute eine Tochterfirma der französischen Unternehmensgruppe Daher. NCS führt nicht nur mit eigenem Equipment Castor-Transporte in Deutschland durch. Die Firma ist weltweit im gesamten Nuklear-Kreislauf in der Logistik für Brennstoffhersteller, Reaktorbetreiber und Entsorger tätig.

In Hanau betreibt die NCS zwei Zwischenlagerhallen. In „Halle 6“ mit einer Kapazität von 4000 m3 befinden sich „sonstige radioaktive Stoffe“ die u.a. von Nukem, AREVA NP, GNS und RWE Biblis stammen. „Halle 12“ dient zur Aufbewahrung von radioaktiven Abfälle aus dem Rückbau der ehemaligen Siemens-Brennelementwerke, Betriebsteile Uran und MOX mit einer Lagerkapazität von ca. 9.000 m³.

Seit 2006 will NCS erweitern

In einer noch in den 1980er Jahren errichteten Halle will die NCS weitere 4000 Tonnen Atommüll einlagern - etwa Schrott aus Atomkraftwerken oder verstrahlte Schutzanzüge. Um das Vorhaben wird seit 2006 gestritten.

„Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um ein weiteres Zwischenlager für schwach radioaktive Abfälle zu verhindern.“ (Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky)

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