Uranbergbau und Uranerzaufbereitung

Uran ist weltweit in winzigen Spuren in Böden, Gestein und Wasser enthalten. Allein aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ist es bereits in niedrigsten Dosierungen toxisch und schädigt die Nieren. Die beim radioaktiven Zerfall von Uran freigesetzte ionisierende Strahlung kann Lungenkrebs, Knochenkrebs und Leukämie verursachen.

Uranbergbau: Gigantische Mondlandschaften

Uran wird überwiegend im Tagebau oder in Bergwerken gewonnen. Für ein AKW mit einer Leistung von 1.000 Megawatt/Jahr werden 160 bis 175 Tonnen Uran benötigt. Bei einer angenommenen Uran-Konzentration von 0,2 Prozent werden pro AKW und Jahr über 80.000 Tonnen Gestein bewegt. Alleine für die deutschen AKW fallen so pro Jahr mehrere hunderttausend Tonnen Abraumhalden an. Dabei wachsen um das Bergwerk gigantische Abraumhalden, die Umgebung gleicht einer Mondlandschaft. Große Mengen Sickerwasser mit radioaktiven und giftigen Stoffen fließen in Flüsse, Seen und in das Grundwasser. Der Wind verteilt radioaktiven Staub in der Umgebung.  

In-Situ-Leaching

Weil es immer weniger Lagerstätten mit hohen Urankonzentrationen gibt, wenden Bergbaukonzerne in Lagerstätten mit nur geringer Urankonzentration die Technik der Untertagelaugung (In-Situ-Leaching, ISL) an. Zurück bleiben bei diesem Verfahren kontaminierte Schlämme und Abwässer, die in Becken (so genannte „Tailings“) gelagert oder einfach zurück in den Boden gepresst werden. Die Becken geben unter anderem das radioaktive, krebserzeugende Edelgas Radon an die Umwelt ab. Neben der Verseuchung von Boden und Grundwasser bedeutet das Verfahren, wie auch der klassische Bergbau, eine massive Verschwendung von Trinkwasser – in vielen Uranabbaugebieten ohnehin schon Mangelware.


Film zum Thema: "Der gefährliche Abbau von Uran" - eine aufschlussreiche Kurz-Dokumentation zum Uranabbau in Australien (2011, 8 Minuten).


Uranabbau verursacht Krebs

Die radioaktiven und giftigen Stoffe aus Urangruben und Abfallhalden machen AnwohnerInnen und ArbeiterInnen krank. In den Dörfern um die Anlagen der Firma Wismut in Thüringen – dort wurde zwischen 1947 und 1990 Uran abgebaut – wurden beispielsweise erhöhte Radium- und Arsenwerte im Hausstaub gemessen. Die Lungenkrebsrate ist vor allem unter den Bergarbeitern signifikant erhöht.

Giftschlamm aus der Uranerz-Aufbereitung

Um das Uran aus dem geförderten Erz zu lösen wird das Uranerz gebrochen und gemahlen. In einem chemischen Prozess wird das Uran herausgelöst. Zurück bleibt strahlender Giftschlamm, der in Senken und künstlichen Seen, den Tailings, landet. Diese enthalten noch 85 Prozent der Radioaktivität. Chemische Zusatzstoffe aus der Aufbereitung, Schwermetalle und Gifte wie zum Beispiel Arsen verseuchen für Jahrtausende den Boden und das Grundwasser.

Sanierung verschlingt Milliarden

Die Folgen des Uranbergbaus zerstören und verseuchen ganze Landstriche. Abraumhalden, Tailings und andere radioaktive und giftige Hinterlassenschaften stellen eine dauerhafte Gefahr auch für das Grundwasser dar. Die Folgekosten für Schutz- und Sanierungsmaßnahmen sind enorm, zum größten Teil muss die Allgemeinheit sie tragen. In vielen Ländern führen die Urankonzerne keine oder nur unzureichende Sanierungsmaßnahmen durch und auch die Regierungen können sie sich nicht leisten. 
Im Zweifel bleiben die zerstörten Landschaften dann sich selbst überlassen. Die staatliche Urangesellschaft Kazatomprom in Kasachstan behauptet gar, die Abbaustätten würden durch natürliche Prozesse wieder gereinigt.

Urananreicherung und Brennelement-Fertigung

Natururan enthält zu wenig spaltbares Uran-235, um es als AKW-Brennstoff einzusetzen. Es muss daher angereichert, der enthaltene Spaltstoff also in einer kleineren Menge des Urans konzentriert werden. Dies geschieht mit Hilfe sehr schnell drehender Zentrifugen. Die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage (UAA) steht im nordrhein-westfälischen Gronau; sie produziert – „Atomausstieg“ hin oder her – noch auf unbestimmte Zeit AKW-Brennstoff für jedes zehnte AKW weltweit. Technisch wäre es kein Problem, die Anlage auch zur Herstellung von waffenfähigem, hoch angereichertem Uran zu nutzen (s. hierzu auch ).

Gefährliche Urantransporte

Weil die Zentrifugen zur Urananreicherung nur gasförmige Stoffe verarbeiten können, wird das Uran zunächst in einer Konversionsanlage, etwa in Südfrankreich, in Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt – eine hochgiftige Verbindung, die bereits bei 56,6 °C in gasförmigen Zustand übergeht. Bei Kontakt mit Wasser bildet Uranhexafluorid Flusssäure (HF), ein farbloses Gas mit einem stechenden Geruch. Flusssäure ist noch ätzender als Salzsäure und sehr giftig. Soll das Uran nach der Anreicherung weiter verarbeitet werden, muss es dazu wieder in Uranoxid zurückkonvertiert werden. Die häufigen Eisenbahn-, Lkw- und Schiffstransporte von UF6 quer durch Europa und mitten durch Großstädte und Ballungsräume stellen eine permanente Gefahr dar: Bei einem Unfall oder Brand können die Behälter platzen, ihr strahlender Inhalt die Umgebung kontaminieren.

Abgereicherter Uranmüll

Nur ein kleiner Teil des Urans – eben der angereicherte – landet schließlich zur Weiterverarbeitung in einer Brennelementfabrik, etwa im niedersächsischen Lingen. Der weitaus größere Teil, das abgereicherte Uran, ist Atommüll – Langzeitlagerung ungeklärt. In der Vergangenheit hat die UAA Gronau rund 27.000 Tonnen abgereichertes UF6 als angeblichen Wertstoff nach Russland gekarrt, wo die Fässer seither vor sich hin rosten. Auch auf dem Gelände der UAA selbst lagern große Mengen des Stoffes in dünnwandigen Containern unter freiem Himmel.

Gefahrentreiber MOX-Brennelemente

Viele AKW setzen sogenannte MOX-Brennelemente ein, eine Mischung aus Uranoxid und hochgiftigem Plutoniumoxid. Die MOX-Brennelementfabriken in Frankreich und Belgien werden jährlich mit mehreren Tonnen reinem Plutonium beliefert – eine hochgefährliche Fracht auf unseren Straßen. 

Uranversorgung

Atomstrom ist keine „heimische“ Energiequelle, sondern macht abhängig von Rohstoffimporten. Zwei Drittel der Welt-Uranproduktion liegen in der Hand von nur vier großen Bergbauunternehmen. Der Abbau findet – Stand 2014 – vorwiegend in Kasachstan (Weltmarktanteil 41 %), Kanada, Australien, Niger, Namibia, Russland, Usbekistan und den USA statt. In Europa wird Uran nur noch in kleineren Mengen in Tschechien und Rumänien abgebaut.

Uranvorräte sind endlich

Schon seit 1985 verbrauchen die Atomkraftwerke jährlich deutlich mehr Uran, als die Uranminen aus dem Boden holen. Weltweit sind die reichhaltigen und gut zugänglichen Uran-Lagerstätten zudem bald erschöpft. Um die gleiche Menge Uran zu gewinnen, ist daher ein immer größerer Aufwand erforderlich; die Umweltschäden nehmen zu. Die weltweiten Uranvorkommen reichen bei konstanter Urannutzung noch 70 Jahre. Sollten alle Pläne zu AKW-Neubauten weltweit Realität werden, würde das Uran noch 18 Jahre reichen.

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