2. Juni 2005

RWE und E.on können sicheren Reaktorbetrieb nicht gewährleisten

Atomkraftgegner fordern AKW-Stilllegungen statt Laufzeitverlängerungen

Eine grobe Täuschung der Öffentlichkeit wirft die bundesweite Anti-Atom-Organisation „X-tausendmal quer“ den Energiekonzernen RWE und E.on vor. Beide Unternehmen hatten sich in den letzten Tagen für eine Verlängerung der Laufzeit ihrer Atomkraftwerke ausgesprochen, sollte es im Herbst zu einem Regierungswechsel kommen. Möglich wäre dies aufgrund der Sicherheit der Anlagen, behaupten Manager beider Firmen.

„Es ist unerträglich, dass gerade RWE und E.on von sicheren Atomkraftwerken sprechen“, so Jochen Stay von X-tausendmal quer. „Mit Biblis und Brunsbüttel standen bereits Kraftwerke beider Betreiber kurz vor einer Katastrophe und es war nur extrem glücklichen Umständen zu verdanken, dass es nicht zu massiven Freisetzungen radioaktiver Stoffe gekommen ist.“

Der RWE-Reaktor Biblis A war am 18. Dezember 1987 kurz vor dem Super-GAU. Beim Anfahren schloss ein Ventil nicht, die leuchtende Warnlampe wurde 17 Stunden übersehen. Als die dritte Schicht den Fehler bemerkte, versuchten sie ihn durch das unzulässige Öffnen eines weiteren Ventils zu beheben. Dabei wurde eine Verbindung zu Rohren hergestellt, die für den hohen Druck nicht ausgelegt sind. Hätte das zweite Ventil versagt, wären die Rohre geplatzt, und die Kernschmelze wäre unabwendbar gewesen. RWE vertuschte diesen schweren Störfall und er wurde erst ein Jahr später durch eine Veröffentlichung in einer US-Fachzeitschrift publik.

Im E.on-Reaktor Brunsbüttel zerfetzte am 14. Dezember 2001 eine Explosion eine zehn Zentimeter dicke Rohrleitung in der Nähe des Reaktordruckbehälters auf einer Länge von drei Metern. Hätte sich diese Explosion durch Zufall etwas näher am Reaktordruckbehälter ereignet, wäre eine Freisetzung radioaktive Stoffe in großem Umfang nicht zu verhindern gewesen. Auch hier vertuschten die Betreiber den Störfall, ließen das Kraftwerk einfach weiterlaufen und so wurde das Ausmaß des Schadens erst zwei Monate später entdeckt.

„Es ist eindeutig: Die Stromkonzerne geben in ihren AKWs Wirtschaftlichkeit den Vorrang vor Sicherheit. Dies lässt sich mit Dutzenden Beispielen belegen“, so Stay. „Jeden Tag, den die Reaktoren weiter laufen, kann der Tag der Katastrophe sein. Deshalb fordern wir statt längerer Laufzeiten die sofortige Stilllegung der gemeingefährlichen Atomkraftwerke.“

Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat X-tausendmal quer in der letzten Woche die Anti-Atom-Kampagne „.ausgestrahlt – Gemeinsam gegen ein Comeback der Atomkraft“ gestartet.


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.ausgestrahlt
Jochen Stay
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