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Gorleben lebt! Der Atommüll-Streit geht weiter.

30. September 2020
Es schreibt: Jochen Stay

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Lesen, Handeln, Weiterschicken!

Liebe Freund*innen,

was für bewegende Tage für alle, die sich in ihrem Leben irgendwann mal in den Streit um Atomkraft eingemischt haben. Ich bin da ganz ehrlich: Meine Gefühle fahren derzeit Achterbahn.

Zuerst einmal ist da ein unglaublicher Erfolg zu feiern: nach 43 Jahren, sieben Monaten und sechs Tagen ist der Salzstock Gorleben kein Kandidat mehr für die Lagerung von hochradioaktivem Müll, weil endlich offiziell anerkannt wurde, was schon seit Jahrzehnten klar ist: geologisch nicht geeignet. Mehrere Generationen von Aktiven aus dem Wendland und der ganzen Republik haben dafür gekämpft, haben unheimlich viel auf sich genommen, die Fehlentscheidung von 1977 zu revidieren. Wie oft war dieser Protest von Ohnmachtsgefühlen begleitet, dabei war er in Wirklichkeit von Anfang an machtvoll. Gorleben wird jetzt endgültig neben Wyhl, Wackersdorf und Kalkar zum Symbol dafür, dass Protest und Widerstand selbst gegen mächtigste Interessen aus Wirtschaft und Politik erfolgreich sein können. Einmischen lohnt sich!

Am liebsten würde ich mit vielen anderen zusammen diesen großen Erfolg einfach ausgelassen feiern. Und ja, am Sonntag wird das im Wendland unter dem Motto „Gorleben lebt“ auch getan. Das ist gut und wichtig. Denn wenn Protestbewegungen nicht in der Lage sind, ihre (Teil-)Erfolge zu feiern, woher soll dann die Energie kommen, sich weiter einzumischen?

Doch leider ist die ganze Geschichte damit nicht vom Tisch. Denn es wurde ja kein Atomkraftwerk verhindert, sondern ein unsicheres Atommüll-Lager. Der Müll ist damit immer noch da. Und da am Montag von der „Bundesgesellschaft für Endlagerung“ (BGE) nicht nur die Gorleben-Entscheidung verkündet, sondern gleichzeitig 54 Prozent des Bundesgebietes zum „Teilgebiet“ für die Standortsuche erklärt wurden, hat der nächste Konflikt ja schon begonnen. Dieser neue Konflikt braucht dringend Menschen, die sich erneut oder auch erstmals einmischen. Aus einem ganz einfachen Grund: Das neue Suchverfahren kann leicht dazu führen, dass erneut ein Standort politisch ausgehandelt wird, der eben nicht der „bestmögliche“ ist.

Deshalb hier die .ausgestrahlt ToDo-Liste für alle, für die mit dem Gorleben-Aus die Sache nicht erledigt ist und die weiterhin einen Beitrag leisten wollen:

1. Feiere den Erfolg! Entweder am Sonntag in Gorleben (mit Abstand und Maske) oder wie, wo, wann und mit wem auch immer.

2. Mach Dich schlau über den „Zwischenbericht Teilgebiete“, der am Montag veröffentlicht wurde. Auf der .ausgestrahlt-Webseite findest du dazu die Landkarte (in einer vorläufigen Version – demnächst auch interaktiv), eine allererste kurze Analyse und einen Mitschnitt der Statements von BUND, BI Lüchow-Dannenberg und .ausgestrahlt in der Bundespressekonferenz, nebst weiterer Interviews. Oder Du bist dabei, wenn Michael Mehnert und ich morgen Abend um 18.30 Uhr online über den Zwischenbericht sprechen.

3. Mach Dich schlau über das neue Suchverfahren. Mit dem kurzen Erklärfilm von .ausgestrahlt, oder ausführlicher auf unserem Infoportal Standortsuche oder in den unterschiedlichen Online-Veranstaltungen, die .ausgestrahlt anbietet. Regelmäßige Infos gibt es mit der „Infomail Standortsuche“. Besonders empfehlen möchte ich auch das „Politische Glossar“ zur Standortsuche, in dem wir mehr als trockene Begriffserklärungen liefern und das ständig weiter ausgebaut wird.

4. Überlege Dir, ob und wie Du selbst aktiv werden möchtest. .ausgestrahlt sucht etwa Ansprechpartner*innen in den betroffenen Gebieten. Vielleicht möchtest Du auch eine Veranstaltung online für Deine Region oder (je nach Corona-Lage) live vor Ort organisieren? Oder eine Aktion mit dem „Atomklo“ von .ausgestrahlt? Wende Dich für all diese Anliegen an meine Kollegin Carolin Franta: carolin.franta[at]ausgestrahlt.de

5. Wenn Du kannst, unterstütze die Arbeit von .ausgestrahlt mit einer Spende. Wie Du siehst, versucht das .ausgestrahlt-Team gerade, viel möglich zu machen. 291 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten sind von der Standortsuche betroffen. Da gilt es unendlich viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir scheuen deshalb derzeit keine Ausgaben. Das können wir nur, wenn sich auch viele Menschen finanziell an dieser Arbeit beteiligen. Hier kannst Du spenden.

Es ist noch ein sehr weiter Weg, den diese Gesellschaft und die kommenden Generationen in Sachen Atommüll vor sich haben – und wahrscheinlich endet dieser nie so ganz. Das ist einerseits traurig und empörend. Aber andererseits zeigt die Erfahrung von Gorleben: Wir alle können aktiv dazu beitragen, die Risiken zu minimieren, indem wir dafür sorgen, dass schlechte Atommüll-Politik revidiert werden muss. In dieser Hinsicht gibt es in nächster Zeit viel zu tun.

Herzliche Grüße
Jochen Stay
und das ganze .ausgestrahlt-Team

PS: Mir ist bewusst, dass es zu dem, was ich oben geschrieben habe, viele „ja aber“ gibt: Der Bundestag kann die Entscheidung der BGE theoretisch wieder kassieren. In Gorleben stehen noch immer 113 Castor-Behälter in einem schlecht geschützten Zwischenlager. Andere Teile des Wendlandes sind genau wie die vielen anderen Landkreise weiter von der Suche betroffen. Um all das muss sich weiter gekümmert werden. Und .ausgestrahlt wird dazu einen Beitrag leisten. Aber trotzdem ist die Freude über die Gorleben-Entscheidung angemessen.

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