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Kein Deal mit Rosatom – nicht nur wegen Putin

29.04.2026 | Armin Simon
Eine lebensgroße Putin-Figur steht neben einem Banner mit der Aufschrift: "Atomfabrik Lingen schließen"
Foto: Luftling/ausgestrahlt

Es gibt viele Gründe, den Einstieg des Kreml-Konzerns Rosatom in die Brennelementefertigung in Lingen zu verhindern. Putin ist nur einer davon.

Die Brennelementefabrik Lingen ist bisher vom Atomausstieg ausgenommen. Nun will der dem Kreml unterstellte Atomkonzern Rosatom in die Brennelementefertigung dort einsteigen. Gleich mehrere Gründe sprechen dafür, diesen Deal mit Rosatom zu verhindern:

  1. Der geplante Deal mit Rosatom soll die Brennelementeproduktion in Lingen wieder ausweiten. Mit dem Abschalten der AKW in Deutschland hat die Atomfabrik ihre wichtigsten Kunden verloren. Darüber hinaus sind seit Fukushima 23 weitere AKW in anderen Ländern Westeuropas vom Netz gegangen,1 von denen ebenfalls einige aus Lingen beliefert wurden.2

    Framatome wird die Atomfabrik in Lingen nur weiterbetreiben, wenn sie sich wirtschaftlich rechnet. Das dürfte maßgeblich von ihrer künftigen Auslastung abhängen. Den Deal mit Rosatom zu verhindern, ist ein wichtiger Schritt, um diese niedrig zu halten und die Atomfabrik langfristig zu schließen.

  2. Rosatom ist der größte Player im weltweiten Atomgeschäft. Kein anderer Konzern treibt den weltweiten Ausbau der Atomkraft so voran. 27 von 63 AKW in Bau weltweit sind Rosatom-Projekte, 20 davon außerhalb Russlands und etliche in Ländern, die damit neu in die Atomkraft einsteigen.3 Auch die europäische Atomindustrie und zahlreiche AKW in Europa sind in erheblichem Maße an Rosatom gebunden.4 Die geplante Kooperation mit der Brennelementefabrik Lingen würde die Abhängigkeit von dem Atomkonzern festigen und ihm auch künftig erhebliche Einnahmen sichern. Denn wie Framatome beim Erörterungstermin im November 2024 einräumen musste, sollen sämtliche Komponenten der zu fertigenden Brennelemente von Rosatom bezogen werden; zudem fließen Lizenzeinnahmen für die Nutzung von Rosatom-Maschinen und Rosatom-Patenten an den Konzern.

  3. Rosatom ist aktiv am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt. Der Konzern hilft der russischen Rüstungsindustrie beim Umgehen von Sanktionen, gefährdet die Reaktorsicherheit im AKW Saporischschja und scheut auch vor Folteraktionen gegen Zivilist*innen nicht zurück.5 Direkt dem Kreml unterstellt, ist der Staatskonzern, der nicht nur AKW, sondern auch die russischen Atomwaffen baut, ein mächtiges Werkzeug in der Hand des russischen Präsidenten Putin. Technisch, organisatorisch und finanziell ist der Technologieriese in der Lage, auch komplexeste Operationen durchzuführen. Neben Spionage sensibler Informationen über von Lingen belieferte AKW betrifft dies auch potenzielle Sabotageaktionen wie eine mögliche Manipulation von Brennelementen, etwa mit Sprengstoff.6 Derartige Brennelemente könnten beim Einsatz in einem AKW verheerenden Schaden anrichten. Einem Akteur wie Rosatom die Tür zu einer Atomanlage in Deutschland zu öffnen und mit ihm gemeinsame Sache zu machen, ist nicht nur politisch, sondern auch mit Blick auf die Sicherheit der von Lingen belieferten AKW unverantwortlich und gefährlich.

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Armin Simon

Armin Simon, Jahrgang 1975, studierter Historiker, Redakteur und Vater zweier Kinder, hat seit "X-tausendmal quer" so gut wie keinen Castor-Transport verpasst. 

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