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Für ein sicheres Zwischenlager in Jülich
Keine Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus!
Seit 2013 hat das Atommüll-Zwischenlager in Jülich keine Genehmigung mehr, 2014 wurde die Räumung angeordnet. Doch weil die beanstandete Erdbebensicherheit inzwischen nachweislich den Anforderungen entspricht, ist eine neue Genehmigung möglich geworden. Doch die JEN GmbH als Betreiberin setzt auf den Abtransport ihrer strahlenden Hinterlassenschaften in das 170 Kilometer entfernte Zwischenlager in Ahaus. Die NRW-Atomaufsicht, sowie die im Aufsichtsrat der JEN vertretenen Bundesministerien schauen tatenlos zu. Dabei könnten sie die konzeptlosen, überflüssigen und gefährlichen Atommülltransporte sofort stoppen.
Aktuelles:
Am 25.8.2025 hat das Atommüll-Bundesamt (BASE) die Transportgenehmigung für die 152 Castortransporte von Jülich nach Ahaus erteilt. Die Betreiberin (JEN GmbH) führte einen ersten Atommülltransport von Jülich nach Ahaus am Dienstag, 24. März 2026 durch, der vor allem in Jülich und Ahaus sowie am an der Transportstrecke liegendem Duisburg von Protesten begleitet wurde. Hier geht es zu unserer Pressemitteilung dazu.
Ein Bündnis von Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen an dem auch .ausgestrahlt beteiligt, plant zur Zeit weitere Proteste, auch für den Fall das ein weiterer Transport durchgeführt werden soll.
Für Informationen zu den aktuellen Entwicklungen hat die BI Ahaus einen Whats App Kanal eingerichtet:
https://www.whatsapp.com/channel/0029Va8jcaxJf05YiT5Hw733
Wer Bluesky hat, kann dem Castor-Live-Ticker hier folgen:
https://bsky.app/profile/castorstoppen.bsky.social/followers
Ohne Bluesky auch erreichbar unter:
castor-stoppen.de
Proteste gegen den Castortransport in Ahaus am 24.3.2026
Zwischenlager Jülich seit 2013 ohne Genehmigung
Im Zwischenlager Jülich lagern rund 300.000 hochradioaktive Brennelementkugeln in 152 Castoren aus dem Reaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR) Jülich. Als die Genehmigung für die dortige Zwischenlagerhalle 2013 auslief, sorgte das für Schlagzeilen. Weil die Betreiberin nicht nachweisen konnte, dass die Halle die Anforderungen zum Erdbebenschutz erfüllt, wurde die Genehmigung nicht verlängert. 2014 ordnete die zuständige Atomaufsicht – das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium (MWIKE) – an, das Lager unverzüglich zu räumen.
Unter mehreren Ideen, wie mit der Situation umzugehen sei, favorisierte der Betreiber zunächst einen Export des Atommülls in die USA, zum militärischen Nuklearkomplex Savannah River Site. Dieser Export konnte zum Glück verhindert werden. Weitere Möglichkeiten sind ein robusterer Neubau der Zwischenlagerhalle vor Ort oder der Abtransport in das Zwischenlager Ahaus.
Räumung des Zwischenlagers unnötig
Die schwarz-grüne Landesregierung von NRW hat in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, Atommülltransporte minimieren und sich für einen Neubau in Jülich einsetzen zu wollen. Aber: Die Atomaufsicht weiß seit dem Sommer 2022, dass die Begründung für die Räumung des Jülicher Zwischenlagers längst hinfällig ist. Damals beschied das Atommüll-Bundesamt BASE die Frage nach der Erdbebensicherheit des bestehenden Lagers positiv – damit wäre eine neue Genehmigung für das bestehende Lager wieder machbar. Zu diesem Schluss kommt auch ein von .ausgestrahlt im Juli 2024 beauftragtes Rechtsgutachten. Doch ungeachtet dessen liefen die Vorbereitungen für den Abtransport der Brennelementkugeln mit Hochdruck weiter. Bereits Ende Juli 2023 fanden erste Testtransporte mit einem 30 Meter langen Spezialfahrzeug statt. Im November 2023 haben .ausgestrahlt und andere Anti-Atom-Organisationen und Umweltverbände die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur aufgefordert, die überflüssigen und gefährlichen Atom-Transporte von Jülich nach Ahaus sofort zu stoppen und sich stattdessen aktiv für einen robusteren Neubau in Jülich einzusetzen. Passiert ist seither nichts und das obwohl auch das für den Jülicher Atommüll favoritisierte Zwischenlager in Ahaus nicht geeignet ist.
Zwischenlager Ahaus alles andere als sicher
Die 1989 fertiggestellte Halle weist Konstruktionsschäden im Dachbereich auf. So mußten in den letzten Jahren Drahtspannseile eingezogen werden um Schlimmeres zu verhindern. Die Wände weisen nur eine Stärke von 20-35 Zentimetern auf. Zum Vergleich: Der angestrebte Neubau eines Zwischenlagers in Lubmin soll 150 Zentimeter Wandstärke erhalten. Nachrüstungen die am Lager zur Erhöhung der Sicherheit vorgenommen wurden, bleiben weit hinter den Anforderungen zurück. Ein von .ausgestrahlt 2024 beauftragtes Gutachten zeigt große Defizite des Gebäudes vor allem bei einem möglichen böswilligen Angriff auf. Das Ahauser Lager bietet keine ausreichenden Reperaturmöglichkeiten bei Defekten an den Castorbehältern. Dazu kommt, dass die Jülicher Brennelementkugeln behandelt und neu verpackt werden müssen um in einem sogenannten Endlager untergebracht werden zu können. Während in Jülich eine heiße Zelle zur Öffnung von Castoren und zum sicheren Umgang mit seinem strahlenden Inventar existiert, gibt es in Ahaus keine solche Möglichkeit. Außerdem ist das Zwischenlager nur bis 2036 genehmigt. Ein sogenanntes Endlager wird aber nicht vor 2100 zur Aufnahme zur Verfügung stehen.
Protest von Atomkraftgegner*innen am 31.8.2025 am Zwischenlager Ahaus gegen Castortransporte
Atommülltransporte sind nur gefährliche Hütchenspiel-Tricksereien
Jeder Transport von Castoren mit hochradioaktiven Atommüll beinhaltet grundsätzlich ein erhöhtes Gefahrenpotential durch Unfälle und böswillige Angriffe. Beim ersten Straßentransport von Jülich nach Ahaus am 24. März 2026 haben die Verantwortlichen darüberhinaus zusätzliche Risiken in Kauf genommen:
Die 170 Kilometer Strecke führen über teilweise marode Straßen und Brücken. Der 30 Meter lange und drei Meter breite Schwertransporter musste dabei Baustellen mit verengter Spurführung und instabilen Brücken passieren. Er konnte in bestimmten Bereichen nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Eine Bündelung der Transporte durch den Einsatz von bis zu drei LKW wäre nach Genehmigung möglich gewesen. Jedoch trauten die Verantwortlichen manchen Brücken die Überfahrt mehrerer der jeweils 130 Tonnen schweren LKW hintereinander nicht zu, so dass nur ein Transporter eingesetzt wurde.
Durch den Iran-Krieg warnen auch deutsche Sicherheitsbehörden vor einer erhöhten Anschlagsgefahr. Die Atommüll-Transporte rollen quer durch das Ruhrgebiet. Viele Autobahnbereiche weisen an der Strecke eine dichte, mehrstöckige Wohnbebauung bis an die Straßen auf. Eins böswilliger Angriff zum Beispiel mit moderner Drohnentechnik hätte viele Tote und auf lange Zeit verseuchte Gebiete zur Folge. Die Flugobjekte sind kostengünstig, leicht zu beschaffen und zu bedienen. Eine Abwehr ist kaum möglich. Anti-Drohnentechnik wurde zwar im Konvoi mitgeführt, wirkt aber lange nicht bei allen fliegenden Typen. Die Mitführung beim Transport zeigt aber, dass auch die Sicherheitsbehörden die Gefahr als real einschätzen.
Die Castor-Route wurde schon einige Tage vorher durch einen unüberlegten Schritt der Behörden bekannt. Sie veröffentlichten die für den Transporttag zusätzlich beantragten Drohnenüberflugszonen über den genutzten Autobahnbereichen in einem öffentlichen Portal. Auch der „geheime“ Transporttag war vorher durch bestimmte Planungsschritte der Polizei klar ableitbar.
Beim Transport traten Sturmböen auf, zu denen es auch vorab eine amtliche Wetterwarnung gab. Die daraus resultierenden Gefahren etwa durch herumfliegende Gegenstände oder durch abbrechende Äste/ Totholz auf der Straße wurden ignoriert.
Zu den Folgen eines böswilligen Angriffs auf einen LKW-Castortransport mit Jülicher Brennelementkugeln beauftragte .ausgestrahlt 2024 ein Gutachten. Die Ergebnisse vor allem eines Drohnenangriffs zeigen enorme Auswirkungen auf die Umgebung und die Anwohner*innen auf.
.ausgestrahlt fordert
- Aussetzen der Räumungsverfügung jetzt!
- Keine Atommülltransporte vom Zwischenlager Jülich ins Zwischenlager Ahaus
- Ein neues, robusteres Zwischenlager in Jülich! Zwischenlager-Neubau in Jülich gemäß aktuellen Sicherheitsanforderungen mit Öffentlichkeitsbeteiligung auf Augenhöhe
- Verantwortungsübernahme für eine langfristig sichere Atommüllentsorgung der Jülicher Brennelementkugeln durch Verursacher und zuständige Atomaufsichtsbehörden
Chronik: Zwischenlager Jülich ohne Genehmigung
Bereits seit 2013 hat das Zwischenlager Jülich keine Genehmigung mehr. 2014 ordnete die NRW-Atomaufsicht an, das Lager unverzüglich zu räumen. Was ist seitdem passiert? Eine Chronik. »
Info-Veranstaltungen
Was hat es mit den drohenden Castortransporten in NRW auf sich? Wie ist es um die Zwischenlagerung des hochradioaktiven Mülls in Deutschland bestellt?
.ausgestrahlt hilft Dir, eine Info-Veranstaltung in Deiner Stadt zu organisieren und vermittelt Dir Referent*innen dafür. Bei Interesse schreib an helge.bauer@ausgestrahlt.de
.ausgestrahlt-Gutachten
Fragen & Antworten
Hintergrund
Aus dem Blog
18.10.2024 - Auf Teufel komm raus... - CDU und Grüne wollen sie angeblich verhindern, dennoch könnte noch dieses Jahr der erste von 152 Castortransporten per Lkw durch das dicht besiedelte NRW rollen. Die größte Castorlawine aller Zeiten ließe sich leicht stoppen. Doch die Verantwortlichen ducken sich weg.
19.11.2023 - Gamechanger im Streit um die Jülicher Castoren? - Die Vorbereitungen für den Transport von 152 Castorbehältern aus dem Jülicher Zwischenlager nach Ahaus laufen auf Hochtouren. Dabei muss das Lager gar nicht geräumt werden. Das macht eine überraschende Entwicklung noch einmal deutlich.
12.10.2023 - Atommüll auf Abwegen - Vieles deutet darauf hin, dass schon bald 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Müll von Jülich nach Ahaus rollen könnten. Dabei sind die Zwischenlager an beiden Standorten ungeeignet.
19.06.2023 - Ein Erbe für 30.000 Generationen - Drei Generationen haben Atomstrom genutzt, etwa 30.000 Generationen werden von dem strahlenden Erbe betroffen sein. Zum Umgang damit stehen wichtige Entscheidungen an.
Pressemitteilungen
2.10.25 - Drohnen: Unverantwortliche Risiken für Atommülltransporte
25.8.25 - Transportgenehmigung für Jülicher Castoren: Das Risiko tragen die Menschen in NRW
27.1.25 - Neue Studie zeigt erhebliche Sicherheitsdefizite an Atommüll-Zwischenlagern
20. August 2024 - Neues Kurzgutachten zeigt erhebliche Gefahrenpotentiale bei möglichem Transport der Jülicher Castoren nach Ahaus
13. August 2024 - Neues Rechtsgutachten zu Jülich-Castoren: NRW-Atomaufsicht ignoriert Handlungsoptionen
5. März 2024 - Anti-Atom-Initiativen fordern mehr Einsatz von Grünen im Jülicher Castor-Streit
10. Januar 2024 - Demo gegen Castortransporte: 14. Januar, Ahaus Das Atommüll-Dilemma bleibt auch 2024
20. November 2023 - Mona Neubaur (NRW) muss absurdes Castor-Theater stoppen
2. November 2023 - Wende im Jülicher-Castor-Streit?
27. Juni 2023 - Castor-Test-Transport nach Ahaus: Konzeptloses Verschieben von Atommüll sofort beenden