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SMR – die nächste große Atomlüge

Kleine modulare Reaktoren (SMR) sind in aller Munde. Politiker*innen, Lobbyverbände und Atomindustrie verkaufen sie als Lösung für Klimakrise und Energieprobleme. Doch kaufen kann man sie bisher nirgendwo. Ein paar Fragen und Antworten zu einem der meistgehypten Zukunftsversprechen der Branche.

Die Atomindustrie steckt in massiven Schwierigkeiten. Die bestehende Reaktorflotte geht in Riesenschritten auf das Ende ihrer Lebensdauer zu. Neubauprojekte wie Flamanville in Frankreich und Hinkley Point C in Großbritannien sind geprägt von Kostenexplosionen und jahrelangen Verzögerungen.

In dieser Situation setzt die Branche auf SMR als Projektionsfläche. Sie zeichnet ein unrealistisch optimistisches Zukunftsbild, um zu davon abzulenken, dass die Probleme der Atomkraft nicht lösbar sind. So ist ihr in den letzten Jahren das Kunststück gelungen, viele Menschen glauben zu machen, Atomkraft könne, ja müsse weiterhin eine Rolle spielen – obwohl es dafür weiterhin keine realistischen Anhaltspunkte gibt.

SMR funktionieren vor allem als Erzählung. Sie dienen dazu,

  • Fördermittel zu mobilisieren,

  • politische Unterstützung zu sichern und

  • Zweifel an erneuerbaren Energien zu säen und zu verstärken.

Im Kern geht es darum, die Energiepolitik in eine Richtung zu lenken, die den Interessen der Atomindustrie dient. Ob dabei ein funktionierender Reaktor herauskommt, ist zweitrangig. Auch das Klima interessiert die Atomlobby nicht. Hauptsache, die Kasse klingelt. Und auch die fossile Industrie profitiert davon, wenn sich die Energiewende verzögert.

  • Die zentralen Bausteine für eine klimafreundliche Energieversorgung sind längst verfügbar: Wind, Sonne, Speicher, smarte Netze. Die SMR-Debatte verschiebt den Fokus weg von diesen sofort umsetzbaren Lösungen hin zu einer ungewissen Zukunftstechnologie und sät Zweifel an der Energiewende.

    Gerade darin liegt ihre politische Wirkung: SMR dienen als Ausrede, um notwendige Entscheidungen zu vertagen. Sie nähren die Illusion, dass sich die Probleme der Atomkraft in naher Zukunft lösen lassen und die Technologie gleichzeitig das Klima rettet. So werden Verantwortung und Handlungsdruck verlagert.

    Am Ende verzögert diese Debatte Maßnahmen, die heute wirken könnten – und kostet wertvolle Zeit im Klimaschutz.

  • SMR steht für „small modular reactors“. Gemeint sind kleinere Atomreaktoren mit einer Leistung bis etwa 300 Megawatt. Anders als klassische Großreaktoren sollen sie standardisiert in Fabriken produziert und dann vor Ort zusammengesetzt werden.

    Heutige Atomkraftwerke leisten meist 1.000 bis 1.600 Megawatt. SMR wären zwar deutlich kleiner, in der Regel aber auch keine „Minimeiler“. Es geht eher um eine Rückkehr zu kleineren Reaktoren als um einen revolutionären Technologiesprung.

    Die Industrie verkauft SMR als „Atomkraft im Baukastenprinzip“ – als Lösung für die Krise der Atomkraft: billiger, schneller, flexibler. In der Praxis gibt es dafür bislang keine Belege.

    SMR sind vor allem ein politisches Schlagwort: Es soll der Atomkraft ein modernes Image geben und sie als Teil einer zukünftigen Energieversorgung im Rahmen der Energiewende darstellen. So erzeugt die Atomlobby bewusst der Eindruck, Atomkraft werde in Zukunft noch gebraucht.

  • Nein. Neu ist vor allem die Verpackung: SMR werden als moderne, klimafreundliche Hightech-Lösung präsentiert, obwohl die grundlegenden Probleme ungelöst und wahrscheinlich unlösbar sind. Es handelt sich um alten Wein in neuen Schläuchen.

    Die weiter fortgeschrittenen Konzepte beruhen auf herkömmlicher Druckwassertechnologie und unterscheiden sich technisch kaum von heutigen Großreaktoren.

    Andere SMR-Ansätze greifen auf Reaktorkonzepte zurück, die seit Jahrzehnten bekannt sind, sich aber in der Praxis nicht bewährt haben. Beispiele für gescheiterte Projekte sind etwa der Hochtemperaturreaktor AVR Jülich und der „schnelle Brüter“ in Hamm-Uentrop.

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  • Das ist ein zentrales Versprechen – doch es hält der Realität nicht stand.

    In der Vergangenheit wurden Reaktoren größer gebaut, um Strom günstiger zu erzeugen: Je größer die Anlage, desto mehr Strom produziert sie mit relativ weniger Aufwand. Bei SMR behauptet man nun das Gegenteil: Ihre Fans setzen auf viele kleine, identische Reaktoren, um die Kosten durch Wiederholung und Standardisierung zu senken.

    Das funktioniert bislang jedoch nur in Modellrechnungen. In der Praxis wurden viele SMR-Projekte auch deshalb gestoppt, weil sie sich wirtschaftlich nicht trugen. So wurde ein SMR-Projekt des US-Unternehmens NuScale 2023 gestoppt, weil der Strom deutlich teurer gewesen wäre als der aus erneuerbaren Energien. Und auch die

    Das Grundproblem: Kleinere Reaktoren erzeugen weniger Strom, brauchen aber ebenso aufwendige Sicherheitssysteme. Ohne Abstriche bei der Sicherheit liegen die Kosten pro Kilowattstunde eher höher.

    Außerdem müssten sehr viele Reaktoren gebaut werden, um Kostenvorteile durch große Stückzahlen zu erzielen. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es mindestens 3.000 Reaktoren bräuchte – ein völlig unrealistisches Szenario.

  • Die Industrie behauptet das und verweist auf „passive Sicherheitssysteme“, die ohne menschliches Eingreifen funktionieren sollen. Allerdings ist bisher nicht nachgewiesen, dass diese Systeme tatsächlich funktionieren.

    Hinzu kommt: Auch passive Systeme können versagen oder in unvorhergesehenen Szenarien an ihre Grenzen stoßen. Zudem bleibt der Mensch Teil des Systems – Fehler bei Planung, Bau, Wartung und Organisation lassen sich nie vollständig ausschließen.

    Hinzu kommt: Werden viele kleine Reaktoren gebaut, vervielfacht sich die Zahl der Standorte, die dauerhaft überwacht und geschützt werden müssen. Damit steigt auch due Zahl der potenziellen Ziele für gezielte Angriffe deutlich. Insgesamt wird es so wesentlich schwieriger, die Anlagen flächendeckend zu sichern und zuverlässig zu kontrollieren.

    Die Sicherheitsargumente sind vor allem Teil der Erzählung, mit der SMR beworben werden: Sie sollen Atomkraft als fortschrittlich und beherrschbar erscheinen lassen.

  • Das ist nicht zu erwarten. SMR würden ebenfalls hochradioaktiven Müll produzieren – teilweise sogar mehr pro erzeugter Strommenge. Einige Designs basieren zudem auf speziellen Brennstoffen, die besonders schwierig zu handhaben und zu lagern wären.

    Immer wieder wird im Zusammenhang mit SMR die sogenannte „Transmutation“ ins Spiel gebracht – also die Idee, langlebige radioaktive Abfälle in weniger langlebige umzuwandeln. Doch die Transmutation ist derzeit weder technisch noch wirtschaftlich in größerem Maßstab umsetzbar. Die notwendigen Reaktoren gibt es nicht. Trotz aufwendiger zusätzlicher Anlagen sowie komplexer Trennverfahren bliebe ein erheblicher Teil der radioaktiven Stoffe bestehen. Ein Endlager für eine Million Jahre wäre weiter notwendig. Für eine vollständige Beseitigung des Atommüllproblems bietet auch die Transmutation keine Lösung – sie ist ein weiteres unrealistisches Zukunftsversprechen.

  • Es gibt einzelne kleine Reaktoren in Russland und China, die manchmal als SMR bezeichnet werden. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um Einzelprojekte, die nicht aus standardisierter Serienfertigung stammen. Echte SMR bleiben bislang ein Konzept, das vor allem auf dem Papier existiert. Einen globalen Markt für SMR gibt es nicht, denn der Nachfrage steht kein echtes Angebot gegenüber – im Gegenteil: Die Lücke zwischen Ankündigung und Realität wird immer größer.

  • Dafür kämen sie viel zu spät. Selbst in den ambitioniertesten Szenarien wären SMR frühestens Ende der 2030er oder in den 2040er Jahren in größerem Umfang verfügbar. Für den Klimaschutz entscheidend sind aber die nächsten zehn Jahre.

    Jeder Euro, der in die Entwicklung und Förderung von SMR fließt, fehlt beim Ausbau erneuerbarer Energien. Die können schneller mehr CO2 einsparen – und das günstiger, sicherer und ohne gefährlichen Atommüll.

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