Atomkraft made in Germany

Die Atomkraftwerke sind aus. Zahlreiche Firmen in Deutschland machen weiter Profite mit Bau, Betrieb und Wartung von AKW. Protest formiert sich erst langsam. Diese Karte zeigt, welche deutschen Unternehmen weiterhin am internationalen Geschäft mit dem Atom-Risiko verdienen. Atomausstieg sieht anders aus.

Am Düsseldorfer Hafen ist „AKW abschalten“ kein Thema. Hier hat Uniper seinen Hauptsitz, Betreiber des AKW Oskarshamn‑3. Das ist fast 40 Jahre alt und der größte Reaktor in Schweden. Uniper gehört seit letztem Jahr quasi komplett dem deutschen Staat. Bisher hat die Ampel-Regierung keine Anstalten gemacht, die Konzernführung auf einen Atomausstieg zu verpflichten.

Uniper ist nicht der einzige deutsche Konzern, der das Atom-Risiko in Europa und weltweit weiter am Laufen hält oder gar befeuert. Fast zwei Dutzend Firmen sind nach einer ersten Recherche von .ausgestrahlt aktuell mit der Wartung, dem Betrieb oder sogar dem Neubau von Atomkraftwerken beschäftigt.

Öffentlich bekannt und bereits im Fokus von Anti-Atom-Initiativen sind in erster Linie die Atomfabriken in Gronau (NRW) und Lingen (Niedersachsen), die Uran anreichern und zu Brennelementen für AKW verarbeiten. Letztere will ihre Produktion nun sogar noch ausweiten, ausgerechnet in einem Joint Venture mit dem russischen Atomkonzern Rosatom – mehr dazu im FAQ „Atombrennstoff aus Lingen“.

Andere Firmen wirken aktiv an AKW-Neubauprojekten weltweit mit oder machen diese erst möglich. So soll der Industriedienstleister Bilfinger defekte Schweißnähte am französischen AKW-Neubauprojekt Flamanville‑3 reparieren, damit der seit mehr als 15 Jahren in Bau befindliche Reaktor vom Typ „EPR“ irgendwann doch in Betrieb gehen kann. Auch am Bau der zwei Reaktoren im britischen AKW Hinkley Point C ist Bilfinger maßgeblich beteiligt.

Der Münchner Siemens-Konzern hat seine AKW-Sparte zwar schon vor Jahrzehnten verkauft. Siemens Energy jedoch, eine Abspaltung des Konzerns, liefert bis heute Steuerungen und Instrumentierungen für zahlreiche AKW-Neubauprojekte weltweit, unter anderem das türkische AKW Akkuyu und das ungarischen AKW Paks II – auch dies jeweils in enger Kooperation mit dem direkt dem Kreml unterstellten Staatskonzern Rosatom.

(Stand: Juli 2023)

Unternehmen:

Bilfinger (Mannheim), Bilfinger (Osterode), Bilfinger (Würzburg), Enrichment Technology Company (Jülich), Framatome (Erlangen), Framatome (Karlstein), Framatome (Lingen), Friotherm (Weißenberg), GNS (Essen), Hubtex (Fulda), Kraftanlagen Heidelberg (Heidelberg), KSB (Frankenthal), Orano (Hanau), Rosatom (Alzenau), RSB Logistic (Köln), Siemens Energy (München), Siempelkamp (Krefeld), TÜV Nord (Hannover), TÜV Rheinland (Köln), TÜV Süd (München), Uniper (Düsseldorf), Urenco (Gronau), Westinghouse (Mannheim)