.ausgestrahlt-Blog

06.06.2013 | von Matthias Weyland

Zwei Tage bis zu Katastrophenschutz-Aktionstagen. Zwei gute Gründe für Protest

GRS: Dauer von Atomkatastrophen unterschätzt

Zwei Tage vor Beginn der Aktionstage, mit denen die anhaltenden Gefahren der Atomkraft zwischen dem 8. und 15. Juni – im Vorfeld der Bundestagswahl – sichtbar gemacht werden sollen, steigt die Zahl der Aktionsankündigungen. Waren vor wenigen Tagen erst sieben Aktionen gemeldet, so sind aktuell 13 Ankündigungen eingetragen, vom südlichen Bayern bis ins nördliche Schleswig-Holstein. Weitere Aktionen sind gerne gesehen und können hier eingetragen werden.

Wer noch Gründe sucht, jetzt etwas auf die Beine zu stellen: Die letzten Wochen wurde peu à peu bekannt, was für Pannen es beim Löschen des brennenden Atom-Frachters in Hamburg gab und welches Glück die Bevölkerung und die wenig entfernten Kirchentagsteilnehmenden hatten. Als sei nichts gewesen, sollte ein paar Tage später klamm und heimlich hochgefährliches Plutonium-Spaltmaterial durch Norddeutschland gekarrt werden. Dazu erdreistete sich der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde zu behaupten, die Brennelemente seien harmlos und bedürften keiner besonderen Transportbehältnisse (was nachweislich falsch ist). Genauso schwer fassbar war das Schauspiel des Endlager-Forums, das letztes Wochenende in Berlin aufgeführt wurde – hier sollte ein weitgehend festgeschriebenes Verfahren im Nachhinein legitimiert werden. Das sind mindestens zwei gute Gründe, ab übermorgen deutlich zu machen: Wir setzen nicht länger auf Glück – schaltet die Atomkraft endlich ab!

Einen weiteren Grund lieferte übrigens die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS). Unlängst wurde bekannt, dass die zuständige GRS die Dauer von Atomkatastrophen bislang unterschätzt hatte. Bei der Einrichtung eines neuen Notfallzentrums erklärte der technisch-wissenschaftliche Geschäftsführer der GRS, es sei deutlich geworden, dass die bisherige Infrastruktur vor allem im Hinblick auf die Größe der Räumlichkeiten für länger andauernde Ereignisse nicht optimal war. Hoffen wir, dass sie es jetzt ist. Klar ist – wirklichen Schutz bietet nur abschalten.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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