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13.06.2013 | von Redaktion

Zur Hochwassersituation und möglichen Auswirkungen auf Atomanlagen

Welche Auswirkungen hat das aktuelle Hochwasser auf Atomanlagen in Deutschland? Aktuell ist der Zustand nicht kritisch, grundsätzlich kann Hochwasser allerdings zu ernsten Problemen führen. Hier exemplarisch eine Bewertung des AKW Krümmel und des Zwischenlager Gorleben.

Hochwasser am AKW Krümmel

Der Pegel in Geesthacht hat am Mittwochabend (12.6.) den Höchststand von 6,94 Meter erreicht. Das AKW Krümmel hat Hochwasserschutztüren und mobile Dammwände. Diese Maßnahmen bieten Schutz bis zu einem Elbwasserstand von 9,70 Metern. Die Reaktorsicherheitskommission stellte 2011 nach Fukushima fest: Der gesicherte Anlagenbereich und die Umschließung des Kraftwerksgeländes sind bis 9,70m Normalnull geschützt (Gebäudeschutz). Dabei kommen auch temporäre Maßnahmen (Dammtafeln) zum Einsatz. Der Deich auf der gegenüberliegenden Deichseite hat eine Höhe von 9,56 m NN. Ein Schutz gegen noch höhere Pegelstände sei nicht erforderlich, weil die Elbdeiche in Niedersachsen niedriger seien, sagte auch ein Sprecher des Justizministeriums. Im Klartext: Anstelle von Krümmel säuft die Elbmarsch ab.

Grundsätzlich ist Hochwasser ein ernstzunehmendes Ereignis für Atomkraftwerke. So kann es durch Überflutung zum Ausfall elektrischer Systeme kommen, ein hochwasserbedingter Stromausfall kann im Ernstfall, etwa bei Überflutung oder Fehlern mit den Notstromgeneratoren, zum gefürchteten „Station Blackout“ führen. Zudem kann ein weitreichendes Hochwasser Nachschubprobleme verursachen (z.B. Treibstoff für Notstromdiesel) oder die Erreichbarkeit für die Betriebsmannschaft einschränken. Auch abgeschaltete Reaktoren wie das seit 2011 stillgelegte AKW Krümmel sind für die Kühlung weiterhin auf die elektrische Versorgung angewiesen.

Kurios am Rande: Die Bayrische Atomaufsicht musste einräumen, dass sie keine eigenen Pegelmessung an den Atomkraftwerken hat, sondern sich auf die AKW-Betreiber verlassen muss.

Zwischenlager Gorleben

Das Zwischenlager liegt 23 Meter über Normallnull, also 6 Meter höher als das bisher höchste Hochwasser. Vergangenen Dienstag den 11. Juni, erreichte das Hochwasser in Dömnitz den Höchststand von 7,20 Meter.

Auch bei den in der Leichtbauhalle (Zwischenlager) abgestellten Castor-Behälter kann Hochwasser grundsätzlich zu problematischen Situationen führen. Der Physiker Wolfgang Neumann, Gutachter für Atomsicherheit, nennt etwa die Möglichkeit des Ausfalls der Überwachung der Dichtheit zwischen Primär- und Sekundärdeckel des Castor-Behälters, die am Boden des Behälter angebracht ist. Weil die Abluft des Zwischenlagers nicht überwacht wird, lässt sich nicht mehr feststellen, ob die Behälter undicht sind. Außerdem könnten die Oberfläche der Castoren durch Korrosion angegriffen werden.

Bei hochwassergefährdeten Zwischenlagern wie Krümmel, Phillipsburg und Nekarwestheim gibt es deshalb für die Zwischenlager Spundwände, die man vor den Türen der Zwischenlager installieren kann. Beim AKW Unterweser kam es allerdings in der Vergangenheit vor, dass die Spundwände nicht dicht blieben, weil deren Funktionstüchtigkeit nicht regelmäßig überprüft wurde.

Probleme mit Hochwasser in der Vergangenheit

Das Problem Hochwasser und Atomkraft trat in der Vergangenheit wiederholt auf. Zuletzt sorgte etwa der Reaktor Oyster Creek in unmittelbarer Nähe der Millionenmetropole New York für Schlagzeilen. Bei dem ältesten AKW der USA war der Pegel während des Wirbelsturms Sandy im Jahr 2012 durch den Wirbelsturm, Hochwasser und Winddruck extrem gestiegen. In Folge wurden etliche Reaktoren heruntergefahren. Mehr dazu hier im ZEIT-Artikel.

Weiterführende Links:

http://www.pegelonline.wsv.de/gast/start

http://www.hochwasserzentralen.de/

Hochwassersituation Schleswig-Holstein

Artikel auf Spiegel-Online

 

Redaktion

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