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13.05.2015 | von Jan Becker

Türkei: Reaktorpläne in Erdbebengebiet sind Geheimsache

An der südtürkischen Mittelmeerküste entsteht das erste Atomkraftwerk des Landes. Akkuyu liegt in unmittelbarer Nähe zu einer aktiven Erdbebenzone, nur etwa 25 Kilometer entfernt vom seismischen Zentrum des sogenannten Ecemis-Grabens. Die Unterlagen zu dem Projekt sind geheim.

Ein türkisch-russisches Konsortium will in Akkuyu ein Atomkraftwerk mit einer Leistung von 4.800 Megawatt errichten. Das Kraftwerk soll bis zum hundertjährigen Jubiläum der türkischen Republik im Jahr 2023 voll betriebsfähig sein. Das Projekt ist allerdings schon heute um Jahre im Verzug, erste Planungen sahen den Baubeginn schon 2013 vor, 2019 sollten alle Meiler fertig sein.

Geologen weisen seit Jahren darauf hin, dass der Standort Akkuyu hochriskant ist. Im März 2011 kritisierte die Ingenieurskammer der Türkei (TMMOB), dass sich das Unbedenklichkeitsgutachten auf Untersuchungsergebnisse aus den 1970er Jahren stütze. Doch die Untersuchungskommission habe damals noch gar keine Erkenntnisse über die Ecemis-Erdbebenspalte gehabt, denn die Region werde erst seit den 1990er Jahren seismologisch beobachtet.

Neben dem instabilen Boden sei auch die geplante Kühlung des Reaktors mit Mittelmeerwasser „alles andere als verantwortungsvoll“, meinen AtomkraftgegnerInnen. Eine Klagewelle von ihnen richtet sich gegen das Projekt.

Ein Vergleich mit der japanischen Katastrophe von Fukushima sei „völlig unangebracht“, erwiderte die Administration in Ankara 2011. Energieminister Taner Yildiz bezeichnete Kritik als unbegründet und hysterisch, denn der Bau werde „nach neuesten Sicherheitsstandards” erfolgen.

Nun verweigert die türkische Regierung mit Verweis auf die „nationale Sicherheit“ die Herausgabe eines internationalen Expertenberichts an die Justiz. Der Bericht soll zahlreiche Empfehlungen der IAEA zu Akkuyu enthalten, sei aber „auf freiwilliger Basis“ angefertigt worden, so Energieminister Yildiz. In manchen Ländern würden diese Bericht veröffentlicht, in anderen eben nicht…

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Quellen (Auszug): contratom.de, taz.de; 7.5.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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