.ausgestrahlt-Blog

28.10.2015 | von Jan Becker

Störfall Grohnde wieder in Betrieb

Seit dem vergangenen Wochenende ist das niedersächsische Atomkraftwerk Grohnde wieder im Leistungsbetrieb. Während eines 3-wöchigen Stillstands wurde neuer Brennstoff geladen. Am Ende gab es wegen eines Störfalls Verzögerungen beim Wiederanfahren.

Am Abend des 23. Oktober 2015 ist das Atomkraftwerk Grohnde planmäßig wieder mit dem Netz verbunden worden, berichtet dessen Betreiber E.ON. 20 neue Brennelemente seien in den Reaktorkern eingesetzt worden. Die Anlage befände sich in einem „ sicherheitstechnisch einwandfreien Zustand“.

Doch der Neustart musste um drei Tage verschoben werden, nachdem nach „zahlreichen Prüfungen“ festgestellt wurde, dass an Temperaturreglern für das Motorkühlwasser von Notstromdieseln „Beläge“ vorhanden waren, so der Betreiber. Das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) schreibt von „Schwergängigkeit an einem der beiden Kühlwasserregler“. Zwar hätten diese Befunde laut E.ON „keine Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Notstromdiesel“, die Regler wurden dennoch getauscht. Vorsorglich habe man zudem „alle baugleichen Regler gegen neue getauscht“ und deren „Funktionalität anschließend nachgewiesen“.

Es handelt sich um ein der Aufsichtsbehörde gegenüber meldepflichtiges Ereignis, das in die unterste Kategorie eingestuft wurde. Das NMU prüft derzeit die „Zuziehung eines externen Sachverständigen“.

AtomkraftgegnerInnen sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt, dass die Anlage „überaltert ist“. Es sei ein Defekt in einer langen Reihe weiterer – schon im Frühjahr wurde eine Undichtigkeit in einem System zur Behandlung von kontaminiertem Abwasser festgestellt. 2014 habe es ebenso Probleme „mit der Alterung der Bauteile des in die Jahre gekommenen AKW Grohnde“ gegeben, so die Kampagne „Grohnde abschalten“ und warnt: Mit sehr großer Sicherheit schlummern weitere Störungen in der Anlage. Eine solche Anlage sei derart komplex, dass man nicht alles in dem gebotenen Maße prüfen könne. Sicherheit kann es für die Menschen der Region erst geben, wenn das AKW endlich stillgelegt ist!

weiterlesen:

  • Neckarwestheim, Grohnde, Gundremmingen: Kritik an Atomkraftwerken
    28. April 2015 — Die Atomkraftwerke in Neckarwestheim, Grohnde und Gundremmingen stehen in der Kritik. Doch besonders Bayern macht es sich gerne einfach und behauptet kategorisch „Atomkraft ist sicher!“ Niedersachsens Umweltminister beteuert hingegen, er will „allen Hinweisen auf Schwachstellen sorgfältig“ nachgehen.
  • AKW Grohnde soll auf Risse überprüft werden
    10. März 2015 — Nach alarmierenden Befunden in zwei belgischen AKWs fordern AtomkraftgegnerInnen vom Niedersäch­si­schen Umweltminister, auch das AKW Grohnde auf Risse zu überprüfen. Sie fordern die Abschaltung des Meilers, bis eine definitve Entwarnung gegeben kann. Doch die Politik antwortet nicht.
  • AKW Grohnde lagert Brennelemente seit 26 Jahren
    9. Dezember 2014 — Nach der Meldung über jahrzehntelange Lagerung von verbrauchten Brennstäben im bayerischen AKW Gundremmingen legt nun Niedersachsen nach: Seit 26 Jahren befinden sich Brennelemente im Lagerbecken des AKW Grohnde. Landesumweltminister Stefan Wenzel (Grüne) findet, diese Art der „Zwischenlagerung“ gehöre auf den Prüfstand.

Quellen (Auszug): eon-kernkraft.de, grohnde-abschalten.de, umwelt.niedersachsen.de; 24./26./27.10.2015

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

« zurück