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29.08.2018 | von Jan Becker

Hundertausende Tonnen radioaktive Abwässer sollen im Meer verklappt werden

Tag für Tag entstehen bei der Kühlung der zerstörten Reaktoren von Fukushima hunderte Tonnen kontaminiertes Kühlwasser. Laut Betreiber TEPCO wird es gefiltert und in Tanks aufgefangen. Doch der Platz auf dem Kraftwerksgelände wird knapp und die Filter versagen.

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Foto: Tepco (Betreiber des AKW Fukushima Daiichi) Zerstörter Reaktorblock im AKW Fukushima, 2011

Die zerstörten Reaktoren von Fukushima müssen ständig gekühlt werden. Sonst ist eine neue Katastrophe durch die Überhitzung des noch verbliebenen radioaktiven Materials nicht auszuschließen. Der bisherige Kühlkreislauf beruht auf der Einspeisung von Kühlwasser in das Reaktorgebäude, das anschließend wieder abgepumpt, in speziellen Anlagen gefiltert und erneut hineingepumpt wird. Weil das Gebäude und viele Armaturen zerstört sind, fließt ein Teil des hochgradig radioaktiv kontaminierten Kühlmittels allerdings in die Kellergeschosse der angrenzenden Turbinengebäude. Dort dringen zusätzlich 100 Tonnen Grundwasser pro Tag ein. Diese Brühe wird abgepumpt und nach dem Durchlaufen einer Filteranlage in Tanks auf dem Kraftwerksgelände eingelagert.

Die Zahl dieser Tank beläuft sich auf fast 700, jeweils mit einem Fassungsvermögen von 1000 Tonnen. Seit März 2011 hat sich fast eine Million Tonnen „gefiltertes“ Wasser angesammelt. Schon lange ist abzusehen, dass es aus Platzgründen bald nicht mehr möglich sein wird, das radioaktiv kontaminierte Wasser weiter in Tanks auf dem AKW-Gelände zu speichern.

Durch verschiedene Maßnahmen wie einen „Eiswall“ wurde die täglich anfallende Menge von Abwasser reduziert. Nun plant TEPCO die Konstruktion eines Systems, mit dem die Menge an nötigem Wasser noch geringer werden soll. So soll künftig ausschließlich das Wasser aus dem Sicherheitsbehälter zur weiteren Kühlung des radioaktiven Materials genutzt werden, anstatt ständig neues Wasser einspeisen zu müssen. Lecks müssen also verschlossen - oder völlig neue Systeme in die hochverstrahlten Gebäude installiert werden. Beide Lösungen werden eine große Herausforderung darstellen. TEPCO behauptet, sie bis zum „olympischen Jahr 2020“ umgesetzt zu haben.

Heftiger Protest gegen Verklappung im Meer

Um die hochradioaktive Brühe aus den vier Reaktoren zu „entschärfen“, wird sie im sogenannten Multinuklid-Filtersystem ALPS (Advanced Liquid Processing System) nachbehandelt. Der Betreiber behauptet, dass das Wasser anschließend nur noch mit Tritium kontaminiert sei. Während Tritium als „ungefährlich“ eingestuft wird, würden alle anderen radioaktiven Substanzen herausgefiltert werden. Diese Einschätzung ist die Grundlage für die Pläne, das belastete Kühlwasser ins Meer abzuleiten. Eine sehr kostengünstige „Entsorgung“, die von der japanischen Regierung, einem Expertengremium der Atomaufsichtsbehörde und sogar von externen Expert*innen der UN unterstützt wird.

In der Bevölkerung gibt es gegen die Pläne heftigen Protest. Besonders die Fischer sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Nach Angaben von TEPCO ist nämlich die genaue Konzentration radioaktiven Materials in jedem Tank gar nicht bekannt. Zudem musste der Konzern jetzt einräumen, dass das ALPS neben Tritium auch Jod 129 nicht herausgefiltert hat. Nach Messungen ist der Liter mit 62,2 Becquerel belastet, der Grenzwert in Japan liegt bei 9 Becquerel. Jod 129 hat eine Halbwertszeit von über 15 Millionen Jahren. Bei Stichproben wurde auch Ruthenium 106 mit 92,5 Becquerel pro Liter und Technetium mit 59 Becquerel entdeckt.

weiterlesen:

  • Fukushima: Radioaktive Hotspots gefunden
    21.08.2018 - Sieben Jahre nach Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima haben Wissenschaftler*innen alarmierende Funde gemacht. Der Betreiber glänzt hingegen mit Lobbyarbeit und will die Havarie ins Museum verbannen.

Quellen (Auszug): spreadnews.de, heise.de; 27.8.2018

Jan Becker

Jan Becker hat jahrelang die Webseite www.contrAtom.de betrieben und täglich aktuelle Beiträge zur Atompolitik verfasst. Seit November 2014 schreibt der studierte Umweltwissenschaftler für .ausgestrahlt. Jan lebt mit seiner Familie im Wendland. Mit dem Protest gegen regelmäßig durch seine Heimatstadt Buchholz i.d.N. rollende Atommülltransporte begann sein Engagement gegen Atomenergie, es folgten die Teilnahme und Organisation zahlreicher Aktionen und Demonstrationen.

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