3. März 2009

Deutschlandweiter Protest gegen RWE-Investition in bulgarisches Atomkraftwerk

 

Vom 1. bis 8. März finden in 54 deutschen Städten Proteste gegen den Bau des Atomkraftwerks Belene in Nordbulgarien statt. Die Proteste richten sich gegen RWE, denn Deutschlands zweitgrößter Energieversorger will über 1,5 Milliarden Euro in das Atomkraftwerk an der Donau investieren.

„Belene ist RWEs erstes Auslands-Atomabenteuer. An ihm zeigt sich, wie wenig dem Konzern an Sicherheit liegt", sagt Heffa Schücking von der Umweltorganisation urgewald. Mit der Protestwoche erinnern Umweltorganisationen an das große Erdbeben am 4. März 1977 in der Belene Region. Damals sind nur wenige Kilometer vom geplanten AKW Standort entfernt Hochhäuser zusammengestürzt und mehr als 120 Menschen umgekommen. „Atomkraftwerke haben in Erdbebengebieten nichts zu suchen", so Schücking. Sie weist darauf hin, dass die Europäische Seismologische Kommission mittlere bis schwere Erdbeben für die Belene Region voraussagt. Nach der Einschätzung von Umweltorganisationen ist Belene eines der gefährlichsten Atomkraftwerke, die derzeit in Europa geplant werden.

Von Flensburg bis München finden deshalb in dieser Woche Protestaktionen gegen RWE und wichtige Anteilseigner des Konzerns statt. Im Ruhrgebiet und Westfalen wird vor RWE-Kundenzentren protestiert. In Kommunen wie Essen, Mülheim und Dortmund, die Anteilseigner von RWE sind und deren Oberbürgermeister im RWE-Aufsichtsrat sitzen, finden Proteste vor den Rathäusern statt. In Süd- und Norddeutschland konzentrieren sich die Proteste auf die Allianz Versicherung, die mit fast 5 Prozent Anteilen der größte deutsche Einzelaktionär bei RWE ist. „Es ist empörend, dass die Allianz als Lebensversicherer im RWE-Aufsichtsrat ein Projekt stützt, das die Gesundheit und Sicherheit von Millionen Menschen gefährdet“, erklärt Trudel Meier-Staude vom Münchener Aktionsbündnis gegen Belene.

Die Protestaktionen sind – wie die beteiligten Organisationen – bunt und vielfältig: In Essen und Mülheim demonstriert das online-Netzwerk Campact mit Hilfe eines Trampolins, warum man kein Atomkraftwerk auf unsicheren Boden bauen sollte. Um den RWE-Tower in Dortmund bilden Greenpeace-Aktivisten eine Menschenkette. Vor RWE-Kundenzentren in Westfalen wird mit Anti-Atom-Bonbons und Luftballons für den Stromwechsel geworben. In Oldenburg und Berlin wird vor den Büros der Allianz demonstriert unter dem Motto: „Hoffentlich nicht Allianz versichert....sonst unterstützen Sie den Bau von Risikoreaktoren.“

Jochen Stay, Sprecher des Anti-Atomnetzwerks .ausgestrahlt, das gemeinsam mit urgewald die Aktionswoche initiiert hat, sagt: „Wir sind überwältigt von der Resonanz auf unseren Aufruf. Die Menschen haben Tschernobyl nicht vergessen und wollen nicht tatenlos zusehen, wie RWE-Chef Großmann den Boden für eine neue Atomkatastrophe in Europa bereitet.“

Stay und Schücking weisen darauf hin, dass die Aktionswoche nur der Auftakt für eine breite Kampagne gegen RWE ist. Schließlich sehe sich Jürgen Großmann als „Ritter einer atomaren Renaissance“ und habe den Bau von sieben neuen Atomkraftwerken angekündigt. „Die RWE Manager und Anteilseigner müssen erkennen, dass dieser aggressive Atomkurs mit einem hohen Preis verbunden ist – nämlich Kunden- und Reputationsverlust“, sagen sie und kündigen weitere Protestaktionen zur RWE-Aktionärsversammlung am 22. April an.

www.ausgestrahlt.de

Ihre Ansprechpartner:

Heffa Schücking (urgewald)

Jochen Stay (.ausgestrahlt)

 

 

Fotohinweis:
Fotos von den Aktionen
Fotos vom Erdbeben 1977

 

Ende 2008 hat RWE einen Anteil von 49 Prozent an der „Belene Project Company“ erworben. Das Belene-Projekt wird seit fast 30 Jahren geplant und ist ebenso lange umstritten. Schon in den 80er Jahren warnten sowjetische Wissenschaftler vor dem Erdbeben-Risiko.

Nach der Wende warnten auch Experten der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften vor einer Fertigstellung des Atomkraftwerks, u.a. wegen der seismischen Risiken. Die erste demokratisch gewählte bulgarische Regierung nahm diese Warnungen ernst. Sie stoppte das Projekt als „technisch unsicher und ökonomisch untragbar“. Im Jahr 2005 aber grub eine neue bulgarische Regierung die Belene-Pläne wieder aus. Sie beauftragte im Jahr 2006 den russischen Konzern Atomstroyexport, zwei Reaktoren zu bauen. Für deren Design gibt es bisher weder Sicherheitsanalysen noch Betriebserfahrung. Deshalb warnt selbst der ehemalige Leiter der bulgarischen Atomaufsicht, Dr. Kastchiev, vor diesem Projekt. Nach seiner Einschätzung „stellt Belene ein nicht tolerierbares Sicherheits- und Umweltrisiko dar.“

Mehr: www.ausgestrahlt.de/atom/belene-hintergrund

 


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