7. Oktober 2009

Koalitionsverhandlungen: Atomkraftgegner simulieren Super-GAU

17 von 17 Atomkraftwerken sind nicht sicher / Dritter Anti-Atom-Protesttag während der Koalitionsverhandlungen

Zum Auftakt der Koalitions-Arbeitsgruppe „Umwelt“ am heutigen Mittwoch um 13 Uhr simulierten rund 25 Atomkraftgegner mit einem sogenannten „Die-In“ einen Atomunfall vor dem Eingang des Jakob-Kaiser-Hauses (Dorotheenstraße, Berlin): Eine Alarmsirene ertönte, die Demonstranten-“Leichen“ fielen zu Boden, Dekontaminierungstrupps in weißen Schutzanzügen sperrten den Vorplatz ab, stellten Radioaktivitätswarnschilder auf und zeichneten die Umrisse der Atomopfer auf dem Pflaster nach. Sie protestierten damit gegen Pläne von Teilen der Union und FDP, Atomkraftwerke trotz haarsträubender Sicherheitsmängel länger zu betreiben. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die anderen Mitglieder der Verhandlungsgruppe nahmen andere Eingänge.

Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, sagte: „Die 17 Atomkraftwerke in Deutschland sind alles andere als sicher. Bei acht von ihnen kann bereits ein kleines Leck zur Kernschmelze führen, wie die Deutsche Umwelthilfe am Montag nachwies. Sieben sind nicht einmal gegen den Aufprall eines kleinen Flugzeuges geschützt, alle 17 würden den Absturz einer großen Passagiermaschine nicht überstehen. Einige, wie Krümmel und die beiden Reaktoren in Biblis, sind extrem fehleranfällig. Kein einziges entspricht dem vom Bundesverfassungsgericht geforderten Stand von Wissenschaft und Technik."

Mehrfach sei es auch bei Atomkraftwerken in Deutschland nur Zufall gewesen, dass sich Fehler nicht zum gefürchteten Super-GAU ausweiteten. "Wer angesichts dessen über Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke diskutiert, setzt Leben und Gesundheit von Millionen Menschen mutwillig aufs Spiel", sagte Jochen Stay von .ausgestrahlt. "Wenn CDU/CSU und FDP ihre Ankündigung, nur sichere Reaktoren weiter betreiben zu wollen, tatsächlich ernst nähmen, müssten sie alle 17 AKW sofort abschalten.“

Stay wies darauf hin, dass die Reaktoren, anders als von den Stromkonzernen behauptet, auch keinen Beitrag zu einer verlässlichen Stromversorgung leisten. „Seit Jahresbeginn liegen zumeist zwischen fünf und acht der 17 Meiler wegen Störungen, Reparaturen und nötigen Wartungsarbeiten still, aktuell produzieren sechs Reaktoren überhaupt keinen Strom.“

Themen der Koalitions-Arbeitsgruppe „Umwelt“ sind unter anderem der Atomausstieg bzw. der Ausstieg aus dem Ausstieg, Fragen der Reaktorsicherheit und die ungelöste Entsorgung des Atommülls.

Mit der Aktion setzt die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt die seit Montag andauernde „Belagerung“ der Koalitionsverhandlungen fort. Infos und Termine der weiteren Belagerungs-Aktionen zu den Koalitionsverhandlungen:

.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen Protest zu machen.


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.ausgestrahlt
Jochen Stay
Telefon: 0170 9358759