20. Oktober 2006

Massenprotest zwingt Banken in die Knie

Deutsche Bank und HypoVereinsbank ziehen sich aus umstrittenem AKW-Geschäft zurück

Gestern erklärten sowohl die Deutsche Bank als auch die HypoVereinsbank, dass sie sich nicht an der Finanzierung des bulgarischen Risiko-AKW Belene beteiligen werden. Hintergrund ist eine monatelange Kampagne der Umweltorganisation urgewald und des Anti-Atom-Bündnisses .ausgestrahlt. Beide Organisationen haben für den 23. - 27. Oktober zu einer bundesweiten Aktionswoche mit Protesten in rund 60 Städten vor Bankfilialen aufgerufen.

“Die Öffentlichkeit in Deutschland hat Tschernobyl nicht vergessen und lehnt den Neubau von Atomkraftwerken ab. Dies liegt im Fall von Belene besonders nahe, denn das AKW kombiniert eine gefährliche Technik mit einem gefährlichen Standort. Nur 14 km vom geplanten AKW-Standort entfernt sind 1977 bei einem Erdbeben 200 Menschen umgekommen. Der geplante russische Reaktortyp wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig und die Umweltverträglichkeitsprüfung ist unvollständig und manipuliert", stellt Regine Richter, Energieexpertin von urgewald, fest. Trotz dieser Probleme haben Deutsche Bank und HypoVereinsBank eine Finanzierung für Belene in Aussicht gestellt. Noch im Juli 2006 erklärte das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank Tiessen von Heidebreck gegenüber der bulgarischen Presse: “Wir sind bereit in dieses Projekt einzusteigen." Auch die HypoVereinsbank und ihre Muttergesellschaft UniCredit äusserten wiederholt Interesse an der Finanzierung von Belene .

Gegen die Gewissenlosigkeit der Banken ein solches Projekt finanzieren zu wollen, mobilisierten urgewald und .ausgestrahlt. Beides sind kleine Organisationen, ihr Aufruf zum Protest vor den Bankenfilialen wurde jedoch von einem breiten Bündnis aus Einzelpersonen, Umweltgruppen wie Greenpeace und Robin Wood und vielen lokalen Anti-Atom Initiativen aufgegriffen. Rund 10.000 Protestzuschriften wurden in den letzten Monaten an die Banken geschickt, viele Kunden der Finanzinstitute drohten mit einem Kontowechsel.

“Wer den Atomausstieg will", so Jochen Stay, Sprecher von ausgestrahlt, “muss nicht nur demonstrieren oder den Stromversorger wechseln, sondern sich auch fragen, bei welcher Bank er sein Konto hat. Die Belene-Kampagne zeigt eindeutig, dass die Finanzierung von Atomgeschäften - ob hier oder im Ausland - von vielen Bankkunden nicht gewollt wird." Diese Botschaft scheint nun bei den Banken angekommen zu sein. Die Deutsche Bank schreibt “An der Finanzierung des Kernkraftwerkes Belene werden wir uns nicht beteiligen" und im Brief der HypoVereinsbank heisst es, dass man “sich aus geschäftspolitischen Gründen" aus dem Belene-Deal zurückzieht.

Die Geschäftsführerin von urgewald, Heffa Schücking, freut sich über den grossen Erfolg: “Es passiert schliesslich nicht alle Tage, dass eine kleine Umweltorganisation mit Hauptsitz in Sassenberg zwei der mächtigsten Banken Europas in die Knie zwingt." Die Frage, ob mit dem Ausstieg der Banken nun auch die geplante Aktionswoche vom Tisch ist, verneint sie aber: “In Osteuropa ist der Bau von etwa 20 weiteren AKWs im Gespräch. Und wir wollen sicher gehen, dass wir nicht schon in Kürze mit dem nächsten ’Belene' konfrontiert werden." Schliesslich schreibe die HVB/UniCredit in ihrem Brief auch: “Die Gruppe verweist jedoch darauf, dass dies kein grundsätzlicher Ausstieg aus der Finanzierung von Atomkraft ist." “Genau das fordern wir aber von den Banken", so Schücking.


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.ausgestrahlt
Jochen Stay
Telefon: 0170 9358759