29. Juni 2020

Umweltminister Untersteller misst AKWs mit zweierlei Maß

Defekte Dampferzeuger: Lob für Abschaltung des AKW Fessenheim, während der Rissreaktor Neckarwestheim II einfach weiterlaufen soll? Da stimmt was nicht!

Zum Lob des baden-württembergischen Umweltministers zur bevorstehenden Abschaltung des AKW Fessenheim 2 im Elsass am 29.6.20 erklären A. Simon von .ausgestrahlt, F. Wagner vom BBMN e.V. (Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar) und G. May-Stürmer vom Regionalverband Heilbronn-Franken des BUND e.V. (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland):

„Bei Atomkraftwerken außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs nimmt Umweltminister Untersteller (Grüne) selten ein Blatt vor den Mund. Schon vor einigen Jahren, als das französische AKW Fessenheim wegen Defekten an den Dampferzeugern in die Schlagzeilen geraten war, forderte er dessen endgültiges Aus. Der Reaktor 30 Kilometer vor den Toren Freiburgs, erklärte Untersteller damals, sei ‚aufgrund seiner offensichtlichen Sicherheitsdefizite (…) ein besonders großes Risiko‘. *)

Wir fordern, dass Untersteller die gleichen Maßstäbe auch bei dem AKW anlegt, für das er selbst zuständig ist. Im AKW Neckarwestheim II, 30 Kilometer vor den Toren Stuttgarts, sind die Dampferzeuger irreparabel beschädigt. Mehr als 300 Risse in den Dampferzeuger-Heizrohren sind dafür ein deutlicher Beweis. Namhafte Experten bescheinigen, dass der Weiterbetrieb eines derart vorgeschädigten Reaktors nationale wie internationale Sicherheitsnormen missachtet. Oder, in den Original-Worten Unterstellers: der Reaktor ‚erfüllt nach Auffassung von Experten (…) nicht die Sicherheitsanforderungen an ein aktives Kernkraftwerk‘ und zwar ‚auch wenn die (…) Atomaufsicht den Dampferzeuger jetzt für sicher hält‘. Folglich: ‚Der Betrieb mag für die Gewinne der E(...) gut sein, für die Sicherheit ist er schlecht‘. *)

Statt Lobeshymnen über die Abschaltung von Fessenheim zu singen, sollte Untersteller endlich das Atom-Risiko vor der eigenen Haustür beenden und den Weiterbetrieb des AKW Neckarwestheim II untersagen. Alles andere ist scheinheilig. Für das AKW Neckarwestheim gilt das selbe, was Untersteller zum AKW Fessenheim sagte: ‚Es ist sehr viel besser für die Region und die dort lebenden Menschen, wenn es stillsteht.‘ *) “

*) Alle Zitate des baden-württembergischen Umweltministers Franz Untersteller stammen aus dessen eigener Pressemitteilung vom 13. März 2018:

https://um.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/franzoesischeatomaufsichtsbehoerde-asn-erteilt-wiederanfahrerlaubnis-fuer-reaktorblock-2-in-fessenh/

Hintergrund-Informationen zu den irreversibel geschädigten Dampferzeugern im AKW Neckarwestheim II einschließlich der aktuellen „Bewertung zu Schäden durch Spannungsrisskorrosion an Dampferzeuger-Heizrohren im KKW Neckarwestheim 2“ des Reaktorsicherheitsexperten Prof. Dr.-Ing. habil. Manfred Mertins sowie des gemeinsamen Antrags von .ausgestrahlt, Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) und BUND Baden-Württemberg, das AKW Neckarwestheim II ohne vorherigen Austausch aller vier Dampferzeuger nicht wieder ans Netz zu lassen, finden Sie unter:

https://www.ausgestrahlt.de/akw-neckarwestheim

Kontakt

.ausgestrahlt
Armin Simon
Telefon: 0163 8832446
Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar e.V. (BBMN)
Franz Wagner
Telefon: 0151 51 93 41 95
BUND Baden-Württemberg
Laura Buschhaus, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit
Telefon: 0711 62 03 06 23