3. Januar 2020

Zahlreiche Mängel bei Notstrom-Versorgung der AKW

Serienfehler bei Notstromdieseln in mehreren Reaktoren jahrelang unentdeckt

In mindestens sechs AKW in Deutschland kam es 2019 zu Defekten und Ausfällen an sicherheitstechnisch essentiellen Notstrom-Systemen. Das ergab eine Auswertung der meldepflichtigen Ereignisse aus bundesdeutschen AKW durch die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Neben dem am Silvesterabend abgeschalteten AKW Philippsburg-2 waren unter anderem die AKW Brokdorf, Emsland, Grohnde, Neckarwestheim-2 und Isar-2 betroffen.

Als besonders störanfällig erwiesen sich – nicht zum ersten Mal – die Notstrom-Dieselaggregate, die bei einem Stromausfall die Kühlung des Reaktors sicherstellen und so eine Kernschmelze verhindern sollen. Neben einzelnen Defekten traten hier 2019 gleich mehrfach Serienfehler zutage. So verstopften Bruchstücke eines mangelhaften Bauteils die Einspritzdüsen zahlreicher Notstromdiesel in Neckarwestheim-2, Emsland und Brokdorf; der Herstellungsfehler war drei Jahre lang niemandem aufgefallen. Und im AKW Philippsburg-2 fielen die Notstromdiesel wegen altersbedingter Risse sogar reihenweise aus. Neben den Notstrom-Problemen nehmen vor allem Alterungsschäden wie korrodierende Rohre, Risse und defekte Bauteile einen bedeutenden Platz in der Statistik ein.

Hierzu erklärt Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Mängel in der Notstromversorgung eines AKW sind keine Lappalie. Ein ‚station blackout‘, ein Stromausfall im Reaktor, gehört zu den gefährlichsten Situationen eines AKW. In Fukushima führte er zum Super-GAU. Die Gefahr ist auch bei uns real: Im zum Glück schon abgeschalteten AKW Unterweser etwa fiel im April 2019 die externe Stromversorgung aus. Mit zunehmendem Alter der Reaktoren steigt zudem die Unfallgefahr aufgrund von Materialermüdung und Bauteildefekten deutlich an. Alle AKW in Deutschland sind inzwischen mehr als 30 Jahre am Netz. Die Abschaltung von Philippsburg-2 reicht daher nicht aus: Auch die sechs noch laufenden Reaktoren müssen umgehend vom Netz.“

 

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.ausgestrahlt
Armin Simon
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