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Die aktuelle Situation am AKW Saporischschja

Die Lage rund um das AKW Saporischschja im Südosten der Ukraine ist instabil und gefährlich. Das Kraftwerk ist seit März von russischen Truppen besetzt und wird immer wieder Schauplatz von Kampfhandlungen. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick

27. September: AKW Saporischschja erneut unter Beschuss

Am AKW Saporischschja wurde in den letzten Tagen wieder geschossen, unter anderem in der Nähe der elektrischen Umspannstation. Das meldete die IAEA, die mit zwei Beobachtern vor Ort ist. Am Dienstagmorgen ereigneten sich zwei Explosionen neben einer Leitung, die Wasser von einem Reservoir zum Kühlsystem des AKW transportiert - dieses spielt für die Sicherheit des AKW eine zentrale Rolle. Schäden an den Reaktoren oder anderen sicherheitsrelevanten Anlagenteilen habe es aber nicht gegeben, die Ursache der Explosionen sei noch unbekannt.

Unterdessen berichtete t-online über geheime Beratungen im Kanzleramt mit den Nachrichtendiensten und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Anfang September, bei denen es um mögliche Auswirkungen eines großen Atomunfalls in der Ukraine für Deutschland ging. Bei zwei AKW könne die Wolke über den gesamten Nordosten Deutschlands bis nach Schottland ziehen, so die Einschätzung einer „Gefährdungsanalyse“. Sie zeige auch, dass man an durchschnittlich 60 Tagen im Jahr damit rechnen müsse, dass eine radioaktive Wolke aus Saporischschja binnen 48 Stunden über Osteuropa bis Berlin ziehe, so t-online. Das BfS berechne das aktuelle Gefährdungspotential derzeit viermal am Tag.

Quellen: IAEA, t-online

21. September: Reaktor 6 vorübergehend durch Dieselaggregate versorgt

Nachdem bei einem erneuten Beschuss Kabel beschädigt wurden, die Reaktor 6 mit Strom versorgen, sprangen zwei Notfall-Dieselaggregate an. Nach etwa 40 Minuten war die externe Stromversorgung wiederhergestellt, die Notstromdiesel konnten wieder abgeschaltet werden. Die anderen Reaktoren waren nicht betroffen. Auch am Vortag wurde eine Anlage auf dem Gelände durch Beschuss getroffen.

Quelle: IAEA

20. September: Einschlag einer russischen Rakete nahe dem Atomkraftwerk Piwdennoukrainsk

Die Ukraine meldete am Montag den Einschlag einer russischen Rakete nahe dem Atomkraftwerk Piwdennoukrainsk im Süden des Landes. Der staatliche Betreiber Energoatom teilte mit, es habe kurz nach Mitternacht Ortszeit eine Explosion 300 Meter entfernt von den Reaktoren gegeben. Alle Reaktoren seien unbeschädigt. Jedoch seien drei Starkstromleitungen außer Betrieb.

Quellen: ZDF heute, Deutschlandfunk

19. September: Erste Hauptleitung ans AKW Saporischschja wiederhergestellt

Am Freitagnachmittag konnte eine der vier Haupt-Stromleitungen zum AKW Saporischschja wieder in Betrieb genommen werden. Das meldete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Den Strom für die Kühlung der heruntergefahrenen Reaktoren und andere unerlässliche Sicherheitsfunktionen erhält es damit zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder direkt aus dem ukrainischen Netz.

Ebenfalls am Freitag kam eine Lieferung mit Ersatzteilen für die Reparatur der Stromleitungen und zusätzlichem Diesel für die Notstromaggregate am AKW Saporischschja an.

Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde hat sich die Situation am AKW Saporischschja im Verlauf der letzten Woche verbessert. IAEA-Chef Rafael Grossi betonte jedoch, dass die Lage weiter instabil sei. Zwar sei das AKW in den letzten Tagen nicht beschossen worden, doch in der Region werde weiter gekämpft. Er setze sich daher weiter für die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW ein.

Quellen: IAEA, tagesschau.de

15. September: AKW Saporischschja an dritte Reserveleitung angeschlossen

Nach Angaben der IAEA machen die Reparaturarbeiten der ukrainischen Ingenieur*innen am AKW Saporischschja Fortschritte. Auch die dritte Reserveleitung zum Wärmekraftwerk Enerhodar sei wieder verbunden, nachdem die dortige Umspannanlage repariert worden sei. Über eine der Reserveleitungen wird das Kraftwerk aktuell mit Strom aus dem ukrainischen Netz versorgt. Damit werden die Kühlung der heruntergefahrenen Reaktoren und weitere wichtige Sicherheitsfunktionen aufrechterhalten. Die anderen beiden Leitungen werden in Reserve gehalten. Alle vier Hauptleitungen sind weiterhin außer Betrieb.

Quelle: IAEA

13. September: Gespräche über Sicherheitszone am AKW Saporischschja im Gange

Gespräche über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW Saporischschja laufen bereits, so Rafael Grossi, Chef der internationalen Atomenergieorganisation IAEA. Ziel sei eine Zusage, dass keine militärische Aktion auf die Anlage und einen Radius, der ihren normalen Betrieb beeinträchtigen könne, gerichtet werde. Er sehe grundsätzlich Interesse auf „zwei Seiten, die viele Fragen stellen“, unter anderem dazu, wie groß dieser Radius sein müsse und wie die Experten der IAEA vor Ort arbeiten würden.

Quelle: Die Zeit

12. September: AKW Saporischschja wieder an zwei Reserveleitungen angeschlossen

Eine zweite Reserve-Stromleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar konnte wieder verbunden werden, wie die IAEA am Montagabend mitteilte. Die Kühl- und Sicherheitssysteme des inzwischen vollständig heruntergefahrenen AKW werden seit einigen Tagen über eine Reserveleitung mit Strom versorgt. Bisher hätte das Kraftwerk bei einem Ausfall dieser Leitung auf seine 20 Diesel-Notstromaggregate zurückgreifen müssen. Dass die zweite Leitung nun wieder als Reserve verfügbar ist, bedeutet daher ein Mehr an Sicherheit. IAEA-Chef bezeichnete die Lage jedoch weiterhin als „prekär“ und forderte erneut die Einrichtung einer Sicherheitszone. Er habe darüber bereits erste Gespräche geführt.

Quellen: IAEA, Deutsche Welle

11. September 2022: AKW Saporischschja komplett abgeschaltet

Der letzte noch laufende Reaktor am AKW Saporischschja, Block 6, wurde heute morgen abgeschaltet, wie Energoatom, Rosatom und die IAEA übereinstimmend mitteilten. Wie bereits die anderen fünf Reaktoren soll auch er nun in den Zustand der „Kaltabschaltung“ versetzt werden. Dabei wird der Kühlkreislauf auf Atmosphärendruck und eine Temperatur von unter 95 Grad Celsius gebracht. Die Kaltabschaltung ist der sicherste Zustand, der im Moment erreicht werden kann, weil auch bei einem vollständigen Druckabfall das Kühlwasser nicht vollständig verdampft. Doch selbst die abgeschalteten Reaktoren müssen noch monate- bis jahrelang gekühlt werden, um eine Kernschmelze zu verhindern. Auch für andere wichtige Sicherheitsfunktionen braucht das AKW weiterhin kontinuierlich Strom. Möglich war die Abschaltung, nachdem eine Reserveleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar wieder verbunden werden konnte. Über sie wird das AKW nun wieder aus dem ukrainischen Netz mit Strom versorgt. Während der letzten Tage hatte Reaktor 6 das gesamte AKW Saporischschja im Inselbetrieb mit Strom für den Eigenbedarf versorgt.

IAEA-Chef Rafael Grossi begrüßte die Abschaltung, betonte jedoch, die Situation in dem AKW sei so lange „prekär“, wie in der Gegend gekämpft werde. Es werde daran gearbeitet, auch weitere Stromleitungen wieder zu verbinden, damit bei einer erneuten Beschädigung weitere Leitungen zur Verfügung stehen.

Quellen: IAEA, tagesschau.de, Der Spiegel

7. September: Reserveleitung zum AKW Saporischschja beschädigt

Nach Angaben der IAEA wurde eine Reserve-Stromleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar beschädigt. Auf den Betrieb des AKW habe dies keine unmittelbare Auswirkung, weil das Kraftwerk bereits seit zwei Tagen vom Stromnetz getrennt sei und im Inselbetrieb laufe. Seit dem 2. September ist es von allen vier Hauptleitungen getrennt. Von den drei Reserveleitungen zum nahegelegenen Wärmekraftwerk Enerhodar sei nun eine durch Beschuss beschädigt, doch auch die beiden anderen seien nicht in Betrieb. Dabei ist die gesicherte externe Stromversorgung eine der sieben tragenden Säulen der nuklearen Sicherheit im Krieg, die IAEA-Chef Grossi zu Beginn des Krieges in der Ukraine vorgestellt hatte.

Die sieben Säulen sind:

  • die physische Integrität der Anlagen – ob Reaktoren, Brennelementbecken oder Lager für radioaktive Abfälle – muss erhalten bleiben;

  • alle Sicherheits- und Sicherungssysteme und -ausrüstungen müssen zu jeder Zeit voll funktionsfähig sein;

  • das Betriebspersonal muss in der Lage sein, seinen Sicherheits- und Sicherungspflichten nachzukommen, und es muss in der Lage sein, Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen;

  • für alle kerntechnischen Anlagen muss eine gesicherte externe Stromversorgung aus dem Netz vorhanden sein;

  • es muss ununterbrochene logistische Versorgungsketten und Transporte zu und von den Standorten geben;

  • es muss wirksame Systeme zur Strahlungsüberwachung vor Ort und außerhalb des Standorts sowie Maßnahmen zur Vorbereitung auf Notfälle und zur Reaktion darauf geben; und

  • es muss eine zuverlässige Kommunikation mit der Aufsichtsbehörde und anderen Stellen geben.

Quellen: IAEA

6. September: IAEA veröffentlicht Bericht über Situation am AKW Saporischschja

Nach ihrer Untersuchung vor Ort in dem von russischen Truppen besetzten AKW Saporischschja fordert die IAEA eine „Sicherheitszone“. In ihrem Bericht fordert sie, Bombardements der Anlage und der Umgebung sofort einzustellen, um erneute Schäden zu vermeiden. Alle Beteiligten müssten sich darauf einigen, um noch schwerere Schäden durch Kampfhandlungen und den Austritt von Radioaktivität zu verhindern. Bei ihrem Besuch des AKW stellte die IAEA Schäden nahe der sechs Reaktoren und der Zwischenlager fest. Durch den Beschuss seien Dächer von Lagerstätten für radioaktives Material beschädigt worden und das Strahlungsmesssystem sei im Moment nur teilweise funktionsfähig. Weiterhin wies die IAEA auf die extrem stressigen Bedingungen hin, unter denen das ukrainische Kraftwerkspersonal arbeite. Besorgt ist sie auch wegen der wiederholten Unterbrechungen der Stromversorgung für die Kühlung der Reaktorkerne und des Atommülls. Der Beschuss des AKW-Geländes ging derweil weiter.

Quellen: IAEA, Die Zeit

5. September: Reserveleitung zum AKW Saporischschja gekappt

Nach Angaben der Ukraine wurde eine Hochspannungsleitung getrennt, die das AKW Saporischschja mit dem Wärmekraftwerk Enerhodar verbindet, um ein Feuer zu löschen. Es handelt sich dabei um eine Reserveleitung. Sie sei aber nicht beschädigt und solle wieder verbunden werden, wenn das Feuer gelöscht sei. Dann solle der letzte noch laufende Reaktor wieder Strom ins Netz speisen. Aktuell versorgt Reaktor 6 das AKW im Inselbetrieb mit Strom, um alle wichtigen Sicherheitsfunktionen, wie die Kühlung der Reaktoren, aufrechtzuerhalten.

Die IAEA meldete, vier ihrer Fachleute hätten das AKW Saporischschja inzwischen planmäßig wieder verlassen. Zwei Expert*innen sollen vor Ort bleiben, um die Lage weiter zu beobachten.

Quellen: IAEA, Der Spiegel

3. September: AKW Saporischschja von letzter Hauptstromleitung getrennt

Das AKW Saporischschja wurde von der vierten und letzten Hauptstromleitung zum ukrainischen Stromnetz getrennt, teilte die IAEA mit. Außerdem sei Reaktor 5 erneut heruntergefahren worden. Über eine verbliebene Reserveleitung zum nahegelegenen Wärmekraftwerk Enerhodar liefere Block 6 weiter Strom für den Eigenbedarf des gesamten Kraftwerks und für das ukrainische Netz. Über diese Leitung könne es sich im Notfall auch selbst versorgen.

Quellen: IAEA, CNN