silder_saporischschja.jpg

Die aktuelle Situation am AKW Saporischschja

Die Lage rund um das AKW Saporischschja im Südosten der Ukraine ist instabil und gefährlich. Das Kraftwerk ist seit März von russischen Truppen besetzt und wird immer wieder Schauplatz von Kampfhandlungen. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick

13. Dezember: Ständige Präsenz von IAEA-Experten an allen ukrainischen AKW geplant

An allen ukrainischen AKW sollen Sicherheitsexperten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Zukunft durchgehend vor Ort sein. Darauf haben sich IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi und der ukrainische Premierminister Denys Schmyhal am Dienstag in Paris geeinigt. Am AKW Saporischschja besteht eine solche Präsenz bereits seit mehr als drei Monaten.

Quelle: tagesschau.de

2. Dezember: Streit um Leitung des AKW Saporischschja

Am AKW Saporischschja ist die Befehlskette aktuell unklar. Rosatom gab Ende November bekannt, Juri Tschernichuk, zur Chefingenieur des Kraftwerks, sei zum Generaldirektor des Kraftwerks ernannt worden. Der ukrainische Betreiber Energoatom lehnte dies ab. Er ernannte Dmytro Verbytskyi zum stellvertretenden Generaldirektor des Kraftwerks und Igor Murashow zum Chefingenieur. Beide sind allerdings nicht vor Ort. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bekräftigte erneut, dass man das AKW Saporischschja als ukrainische Anlage betrachte. Er äußerte sich besorgt darüber, dass sich Konflikte um Entscheidungsbefugnisse auf die nukleare Sicherheit auswirken könnten.

Quelle: IAEA

28. November: Saporischschja bleibt unter russischer Kontrolle

Die russische Besatzung dementiert Berichte, wonach es Anzeichen dafür gebe, dass sich die russischen Truppen möglicherweise auf einen Rückzug vorbereiten und der Atommeiler an die Atomenergiebehörde (IAEA) übergeben werden solle. Die Besatzungsverwaltung teilte mit, dass diese Berichte "nicht wahr" seien.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel

24. November: Atomkraftwerk Saporischschja auf Notstromversorgung angewiesen

Die externe Stromversorgung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist erneut unterbrochen. Aktuell werden die Reaktorkühlung und andere Sicherheitsfunktionen über Notstrom-Dieselgeneratoren sichergestellt. Das teilte die Atomic Energy Agency (IAEO) heute mit.

Der ukrainische Atomkonzern Energoatom teilte zudem mit, dass die Reaktorblöcke Rivne, Südukraine eund Khmelnytskyy wegen des instabilen Stromnetzes notabgeschaltet wurden.

Quelle: IAEA

21. November: Schwere Schäden am AKW Saporischschja

Nach dem heftigen Beschuss am Wochenende ist das Atomkraftwerk Saporischschja schwer beschädigt. Laut Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die sich vor Ort ein Bild von der Lage machen konnten, gibt es trotzdem keine "unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der nuklearen Sicherheit". Die sechs Reaktorblöcke seien stabil und die frischen und abgebrannten Brennelemente sowie der nuklearen Abfälle unversehrt. Die Schäden auf dem Gelände sind aber offenbar massiv: Betroffen sind Kondensattanks, die Hauptstraße entlang der Reaktoren, die Werksbahn, eine Druckluftleitung, das Dach eines Nebengebäudes, eine Sprinklerleitung und ein Wachgebäude. Laut IAEA-Chef Grossi handelte es sich um den schwerwiegendsten Zwischenfall in den letzten Monaten. Die Intensität der Angriffe auf eines der größten AKW der Welt sei höchst besorgniserregend.
Aktuell gibt es keine weiteren Angriffe auf die Anlage selbst, doch die Stadt Enerhodar und das angrenzende Industriegebiet standen unter Beschuss. Vier der sechs Reaktoren sind weiterhin kalt und zwei heiß abgeschaltet. Sie liefern Dampf und Heißwasser für den Standort und die Stadt Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks und ihre Familien leben.

Quelle: IAEA

20. November: AKW Saporischschja erneut unter Beschuss

Das AKW Saporischschja stand am Wochenende nach einer Phase relativer Ruhe erneut unter Beschuss. Dabei handelte es sich nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA offenbar um gezielte Angriffe. Starke Explosionen fanden teils in der Nähe der Reaktoren statt und beschädigen Gebäude, Systeme und Geräte. Laut den IAEA-Experten vor Ort wurden unter anderem ein Zwischenlager, Sprinkleranlagen für Kühlbecken, ein Stromkabel zu einem der Reaktoren und eine Brücke zwischen einem anderen Reaktor und seinen Nebengebäuden getroffen. Russland und die Ukraine beschuldigten sich erneut gegenseitig, für den Beschuss verantwortlich zu sein. IAEA-Chef Rafael Grossi kritisierte die Angriffe als ein Spiel mit dem Feuer: „Auch wenn es keine direkten Auswirkungen auf die wichtigsten nuklearen Sicherheitssysteme des Kraftwerks gab, kam der Beschuss ihnen gefährlich nahe. Wir sprechen hier von Metern, nicht von Kilometern. Wer auch immer das Kernkraftwerk Saporischschja beschießt, geht ein großes Risiko ein und setzt das Leben vieler Menschen aufs Spiel“.

Quellen: Zeit, IAEA

16. November: AKW Chmelnyzkyj stundenlang auf Notstrom angewiesen

Die beiden Reaktoren im AKW Chmelnyzkyj wurden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mehr als neun Stunden lang von Notstromgeneratoren versorgt, wie ukrainische Behörden an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA meldeten. Bei Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur habe das AKW in der Westukraine nach und nach die Verbindung zu allen vier verbleibenden Stromleitungen verloren. Beide Reaktoren seien heruntergefahren worden. Auch abgeschaltete Reaktoren müssen durchgehend gekühlt werden, um eine Kernschmelze zu verhindern. Auch für andere wichtige Sicherheitsfunktionen braucht das AKW eine Menge Strom.

Das AKW Riwne im Nordwesten der Ukraine verlor am Dienstag ebenfalls die Verbindung zu einer Stromleitung. Daraufhin wurde die Leistung automatisch gedrosselt und ein Reaktor heruntergefahren.

IAEA-Chef Grossi bezeichnete die Entwicklungen als sehr beunruhigend. Sie zeige, dass sich die nukleare Sicherheit in der Ukraine jederzeit dramatisch verschlechtern könne – nicht nur am AKW Saporischschja, sondern auch an den anderen AKW-Standorten.

Quelle: IAEA

14. November: IAEA plant Missionen zu allen AKW in der Ukraine

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA will in den nächsten Wochen Fachleute zu den ukrainischen Atomkraftwerken Südukraine, Chmelnyzkyj und Riwne entsenden. Außerdem wird erneut eine Delegation nach Tschernobyl reisen. Vor Ort sollen die Experten jeweils etwa eine Woche lang untersuchen, wie es aktuell um die Sicherheit bestellt ist. Erst letzte Woche zeigte sich eine IAEA-Mission zum Forschungsreaktor in Charkiw erschüttert darüber, wie stark die Anlage in den letzten Monaten durch Beschuss beschädigt wurde. Hinweise auf die Freisetzung radioaktiver Strahlung oder die Abzweigung radioaktiver Stoffe wurden nicht gefunden.

Quelle: IAEA, IAEA

5. November 2022: AKW Saporischschja wieder an externe Stromversorgung angeschlossen

Die externe Stromleitung, die das AKW Saporischschja mit dem ukrainischen Netz verbindet, ist repariert. Auch eine Reserveleitung ist laut der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wieder verfügbar. Doch die zwei Tage, die das AKW auf seine Notstrom-Dieselaggregate angewiesen war, haben erneut gezeigt, wie instabil die Lage weiterhin ist. Die Dieselgeneratoren mussten in den vergangenen Wochen bereits mehrmals anspringen, können das AKW aber nur für einen begrenzten Zeitraum mit Strom versorgen. Derzeit reichen die Kraftstoffvorräte für etwa zwei Wochen.

Nach Angaben der IAEA versorgen die Reaktorblöcke 5 und 6 die Anlage aktuell mit Dampf. Außerdem laufen Vorbereitungen, die beiden Blöcke in den Zustand der „Heißabschaltung“ zu versetzen. Alle übrigen Blöcke sind bereit seit einiger Zeit kalt abgeschaltet. In diesem Zustand ist das Kühlwasser kälter als 95 Grad Celsius und steht nicht mehr unter Druck. Das reduziert das Risiko für einen schweren Unfall.

Quelle: IAEA

3. November: AKW Saporischschja erneut auf Notstrom angewiesen

Schon wieder ist das AKW Saporischschja auf für die Stromversorgung auf seine Dieselgeneratoren angewiesen. Die Verbindung mit dem ukrainische Stromnetz sei unterbrochen, weil die letzten verbliebenen Hochspannungsleitungen nach Beschuss beschädigt sind, teilt der ukrainische Stromversorger Energoatom mit. Der gesamte Strom, den das AKW zur Kühlung der heruntergefahrenen Reaktoren braucht, wird nun durch die Dieselaggregate geliefert. Nach Angaben von Energoatom reicht der Dieselvorrat aktuell für 2 Wochen. Bereits im Oktober war die Stromversorgung gleich drei Mal innerhalb weniger Tage ausgefallen.

Quelle: Spiegel online

1. November: Verminung des Kachowka-Staudamms Gefahr für AKW Saporischschja

Laut eines Reporters des Redaktionsnetzwerk Deutschland stellt die Verminung des Kachowka-Staudamms durch die russische Armee eine große Gefahr für die Sicherheit des 120 km entfernten AKW Saporischschja dar. Eine mögliche Sprengung des Staudamms würde die Kühlwassermengen für das AKW drastisch reduzieren, was eine Erhöhung des GAU-Risikos auf 80 % zur Folge hätte.

Quelle: RND

30. Oktober: Minenexplosion zerstört Stromleitung zum Reaktor 4

Eine Minenexplosion hat die Hauptstromverbindung zu einem der Reaktoren des ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja unterbrochen, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in einer Erklärung mit.

Die Explosion ereignete sich am Abend des 30. Oktober außerhalb des Umzäunungsbereichs der Anlage und unterbrach die externe 750-Kilovolt-Stromleitung zwischen dem Schaltschrank der Anlage und dem elektrischen Haupttransformator des Reaktorblocks 4.

Diese Einheit erhält den für die Kühlung und andere wichtige nukleare Sicherheits- und Schutzfunktionen erforderlichen Strom aus einer Reserveleitung, die die Anlage mit dem Hof des nahe gelegenen Wärmekraftwerks verbindet.

Quelle: IAEA

19. Oktober: Entführter AKW-Mitarbeiter wieder frei

Die Atombehörde IAEA hat die Freilassung eines entführten Mitarbeiters des AKW Saporischschja bekanntgegeben. Der Vize-Generaldirektor für Personalwesen, Waleri Martynjuk, sei freigelassen worden. Der Chef der Informationstechnologie der Atomanlage, Oleg Kostjukow, sowie der stellvertretende Generaldirektor der Anlage, Oleg Oscheka, werden nach Angaben des AKW-Betreibers Energoatom weiter von russischen Soldaten festgehalten. IAEA-Chef Grossi will zu neuen Gesprächen in die Ukraine reisen.

Quelle: ZDF

18. Oktober: Laut Betreiber: Zwei Mitarbeiter aus AKW Saporischschja entführt

Der Betreiber des südukrainischen Atomkraftwerkes Saporischschja wirft Russland vor, zwei führende Mitarbeiter des besetzten AKW verschleppt zu haben. Es handele sich um den Leiter der IT-Abteilung, Oleh Kostjukow, und um den Assistenten des AKW-Direktors, Oleh Oschek, erklärt der Staatskonzern Energoatom. Die beiden seien am Montag festgenommen worden.

Quelle: tagesschau.de, Reuters

17. Oktober: Leitung zum ukrainischen Netz wieder hergestellt

Laut IAEA ist am Nachmittag eine der vier am morgen beschädigten Leitungen durch Ingenieure repariert worden, wodurch das AKW wieder mit dem ukrainischen Stromnetz verbunden ist, Die Kühl- und Sicherheitssysteme funktionieren wieder unabhängig von den Notstromgeneratoren. Der ukrainische Betreiber Energoatom hat Ersatzteile für beschädigte Leitungen und weiteren Diesel für die Notstromaggregate geliefert, wie IAEO-Mitarbeiter vor Ort bestätigten.

Quelle: IAEA

17. Oktober: AKW Saporischschja zum vierten Mal von externer Stromversorgung abgeschnitten

Wie zuletzt am 09. und 12. Oktober soll das ukrainische AKW Saporischschja erneut vom nationalen Stromnetz getrennt worden sein. Die Diesel-Notstromgeneratoren wurden zum vierten Mal eingeschaltet, um die Reaktorkühlung und weitere wichtige Sicherheitsfunktionen aufrecht zu erhalten. Die Gesamtlaufzeit der Diesel-Notstromgeneratoren beträgt durch die begrenzten Dieselvorräte maximal 10 Tage. Die aktuelle Ursache der Trennung der letzten Stromleitung mit dem Kraftwerk liegt laut Betreiber Energoatom in dem Beschuss von Umspannwerken durch Russland.

Quelle: tagesschau

12. Oktober: AKW Saporischschja erneut von externer Stromversorgung abgeschnitten

Die Verbindung zwischen dem AKW Saporischschja und dem ukrainischen Stromnetz ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage vollständig unterbrochen. Das AKW wird wie bereits am Wochenende von den Diesel-Notstromaggregaten mit Strom für die Reaktorkühlung und weitere wichtige Sicherheitsfunktionen versorgt.

Quelle: Tagesschau

11. Oktober: IAEA-Chef Grossi spricht mit Putin über Sicherheitszone

Rafael Grossi, der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), spricht heute in St. Petersburg mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW Saporischschja. Bereits letzte Woche hatte Grossi den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij in Kiew getroffen, wohin er nach dem Gespräch mit Putin auch zurückkehren wird. Die Sicherheitszone soll verhindern, dass Kampfhandlungen weiterhin die Sicherheit des AKW gefährden. Laut Grossi ist die Lage vor Ort immer gefährlicher. Man könne sich nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren.

Quelle: Tagesschau

9. Oktober: AKW Saporischschja mehr als 24 Stunden lang auf Notstrom angewiesen

Nur Diesel-Notstromaggregate versorgten das besetzte Atomkraftwerk Saporischschja von Samstagmorgen bis Sonntagabend mit Strom für die Reaktorkühlung, wie die IAEA mitteilt. Das Kraftwerk hatte die externe Stromversorgung wegen Beschusses verloren. Obwohl aktuell sind alle Reaktoren abgeschaltet sind, brauchen sie weiter kontinuierlich Strom für die Kühlung und weitere wichtige Sicherheitsfunktionen. Erst am Sonntagabend gelang es Techniker*innen, das AKW wieder mit dem Stromnetz zu verbinden. In der Region wird aktuell täglich geschossen, unter anderem auf Enerhodar, wo viele der Mitarbeiter*innen leben, und auf die etwa 50 Kilometer entfernten Stadt Saporischschja. Laut IAEA warten fünf LKW mit zusätzlichem Dieselkraftstoff für die Notstromaggregate in Saporischschja darauf, am Montag die Frontlinie zu überqueren, um das AKW zu erreichen. Außerdem sei ein Transport mit Diesel vom russischen Atomkonzern Rosatom in der Stadt Enerhodar eingetroffen. Aktuell habe das AKW ausreichend Diesel, um das AKW im Notfall etwa zehn Tage lang mit Strom zu versorgen.

Quelle: IAEA

5. Oktober: Putin erklärt AKW Saporischschja zu russischem Eigentum

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das AKW Saporischschja per Dekret zu russischem Eigentum erklärt. Die Regierung in Moskau solle das seit März besetze Kraftwerk verstaatlichen und eine russische Verwaltung einsetzen. Der Leiter des ukrainischen Energieversorgers Energoatom, Petro Kotin, teilte dagegen mit, er werde das AKW Saporischschja von Kiew aus leiten. Aktuell liefen Vorbereitungen für ein Wiederanfahren von Reaktorblock 5. Das sei notwendig, um zu verhindern, dass sicherheitsrelevante Anlagen durch Frost beschädigt würden. Unterdessen reist der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu Gesprächen in Kiew und danach weiter nach Moskau, um über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW zu beraten.

Quelle: tagesschau.de

4. Oktober: Chef des AKW Saporischschja wieder frei

Ihor Muraschow, Chef des AKW Saporischschja, wurde gestern wieder freigelassen. Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, hatte zuvor gewarnt, seine Festnahme könnte sich auf das Sicherheitsmanagement in dem AKW auswirken und den psychologischen Druck auf die verbliebenen übrigen Mitarbeiter*innen erhöhen. Nach Angaben der IAEA befindet sich Muraschow nun auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet und wird seine Arbeit am AKW Saporischschja nicht wieder aufnehmen. Wer ihm nachfolgen wird, stehe noch nicht fest.

Quellen: Der Spiegel , IAEA

1. Oktober: Chef des AKW Saporischschja festgesetzt

Der Chef des AKW Saporischschja, Ihor Muraschow, wurde nach russischen Angaben „zur Beantwortung von Fragen“ festgenommen. Nach Aussage des ukrainischen Betreiber wurde er auf der Straße angehalten, aus dem Auto gezerrt und mit verbundenen Augen verschleppt.

Quelle: Die Zeit, tagesschau.de

30. September: Weitere Landmine zerstört Kabel am AKW Saporischschja

Bei der sechsten Landminen-Explosion innerhalb weniger Tage ist nahe dem Zaun des AKW Saporischschja ein Stromkabel beschädigt worden. Sicherheitsrelevante Systeme wurden auch dieses Mal nicht beschädigt, doch die IAEA wiederholte, sie sei wegen der vielen Explosionen in den letzten Tagen weiter in großer Sorge. Bei Gesprächen über eine Sicherheitszone gebe es weiter keinen Durchbruch.

Quelle: IAEA

28. September: Explosionen durch Landminen am AKW Saporischschja

Das AKW Saporischschja ist nicht nur durch Beschuss oder Stromausfälle bedroht. Wie die IAEA meldete, explodierten in dieser Woche in unmittelbarer Nähe zum AKW insgesamt fünf Landminen, die wahrscheinlich durch Tiere ausgelöst wurden. Zwei davon hätten sich nahe einer Wasserleitung ereignet, die das Kühlsystem versorge. Eine weitere Explosion habe in etwa 500 Metern Entfernung zum Reaktorblock 1 stattgefunden.

Quelle: IAEA

27. September: AKW Saporischschja erneut unter Beschuss

Am AKW Saporischschja wurde in den letzten Tagen wieder geschossen, unter anderem in der Nähe der elektrischen Umspannstation. Das meldete die IAEA, die mit zwei Beobachtern vor Ort ist. Am Dienstagmorgen ereigneten sich zwei Explosionen neben einer Leitung, die Wasser von einem Reservoir zum Kühlsystem des AKW transportiert - dieses spielt für die Sicherheit des AKW eine zentrale Rolle. Schäden an den Reaktoren oder anderen sicherheitsrelevanten Anlagenteilen habe es aber nicht gegeben, die Ursache der Explosionen sei noch unbekannt.

Unterdessen berichtete t-online über geheime Beratungen im Kanzleramt mit den Nachrichtendiensten und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Anfang September, bei denen es um mögliche Auswirkungen eines großen Atomunfalls in der Ukraine für Deutschland ging. Bei zwei AKW könne die Wolke über den gesamten Nordosten Deutschlands bis nach Schottland ziehen, so die Einschätzung einer „Gefährdungsanalyse“. Sie zeige auch, dass man an durchschnittlich 60 Tagen im Jahr damit rechnen müsse, dass eine radioaktive Wolke aus Saporischschja binnen 48 Stunden über Osteuropa bis Berlin ziehe, so t-online. Das BfS berechne das aktuelle Gefährdungspotential derzeit viermal am Tag.

Quellen: IAEA, t-online

21. September: Reaktor 6 vorübergehend durch Dieselaggregate versorgt

Nachdem bei einem erneuten Beschuss Kabel beschädigt wurden, die Reaktor 6 mit Strom versorgen, sprangen zwei Notfall-Dieselaggregate an. Nach etwa 40 Minuten war die externe Stromversorgung wiederhergestellt, die Notstromdiesel konnten wieder abgeschaltet werden. Die anderen Reaktoren waren nicht betroffen. Auch am Vortag wurde eine Anlage auf dem Gelände durch Beschuss getroffen.

Quelle: IAEA

20. September: Einschlag einer russischen Rakete nahe dem Atomkraftwerk Piwdennoukrainsk

Die Ukraine meldete am Montag den Einschlag einer russischen Rakete nahe dem Atomkraftwerk Piwdennoukrainsk im Süden des Landes. Der staatliche Betreiber Energoatom teilte mit, es habe kurz nach Mitternacht Ortszeit eine Explosion 300 Meter entfernt von den Reaktoren gegeben. Alle Reaktoren seien unbeschädigt. Jedoch seien drei Starkstromleitungen außer Betrieb.

Quellen: ZDF heute, Deutschlandfunk

19. September: Erste Hauptleitung ans AKW Saporischschja wiederhergestellt

Am Freitagnachmittag konnte eine der vier Haupt-Stromleitungen zum AKW Saporischschja wieder in Betrieb genommen werden. Das meldete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Den Strom für die Kühlung der heruntergefahrenen Reaktoren und andere unerlässliche Sicherheitsfunktionen erhält es damit zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder direkt aus dem ukrainischen Netz.

Ebenfalls am Freitag kam eine Lieferung mit Ersatzteilen für die Reparatur der Stromleitungen und zusätzlichem Diesel für die Notstromaggregate am AKW Saporischschja an.

Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde hat sich die Situation am AKW Saporischschja im Verlauf der letzten Woche verbessert. IAEA-Chef Rafael Grossi betonte jedoch, dass die Lage weiter instabil sei. Zwar sei das AKW in den letzten Tagen nicht beschossen worden, doch in der Region werde weiter gekämpft. Er setze sich daher weiter für die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW ein.

Quellen: IAEA, tagesschau.de

15. September: AKW Saporischschja an dritte Reserveleitung angeschlossen

Nach Angaben der IAEA machen die Reparaturarbeiten der ukrainischen Ingenieur*innen am AKW Saporischschja Fortschritte. Auch die dritte Reserveleitung zum Wärmekraftwerk Enerhodar sei wieder verbunden, nachdem die dortige Umspannanlage repariert worden sei. Über eine der Reserveleitungen wird das Kraftwerk aktuell mit Strom aus dem ukrainischen Netz versorgt. Damit werden die Kühlung der heruntergefahrenen Reaktoren und weitere wichtige Sicherheitsfunktionen aufrechterhalten. Die anderen beiden Leitungen werden in Reserve gehalten. Alle vier Hauptleitungen sind weiterhin außer Betrieb.

Quelle: IAEA

13. September: Gespräche über Sicherheitszone am AKW Saporischschja im Gange

Gespräche über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW Saporischschja laufen bereits, so Rafael Grossi, Chef der internationalen Atomenergieorganisation IAEA. Ziel sei eine Zusage, dass keine militärische Aktion auf die Anlage und einen Radius, der ihren normalen Betrieb beeinträchtigen könne, gerichtet werde. Er sehe grundsätzlich Interesse auf „zwei Seiten, die viele Fragen stellen“, unter anderem dazu, wie groß dieser Radius sein müsse und wie die Experten der IAEA vor Ort arbeiten würden.

Quelle: Die Zeit

12. September: AKW Saporischschja wieder an zwei Reserveleitungen angeschlossen

Eine zweite Reserve-Stromleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar konnte wieder verbunden werden, wie die IAEA am Montagabend mitteilte. Die Kühl- und Sicherheitssysteme des inzwischen vollständig heruntergefahrenen AKW werden seit einigen Tagen über eine Reserveleitung mit Strom versorgt. Bisher hätte das Kraftwerk bei einem Ausfall dieser Leitung auf seine 20 Diesel-Notstromaggregate zurückgreifen müssen. Dass die zweite Leitung nun wieder als Reserve verfügbar ist, bedeutet daher ein Mehr an Sicherheit. IAEA-Chef bezeichnete die Lage jedoch weiterhin als „prekär“ und forderte erneut die Einrichtung einer Sicherheitszone. Er habe darüber bereits erste Gespräche geführt.

Quellen: IAEA, Deutsche Welle

11. September 2022: AKW Saporischschja komplett abgeschaltet

Der letzte noch laufende Reaktor am AKW Saporischschja, Block 6, wurde heute morgen abgeschaltet, wie Energoatom, Rosatom und die IAEA übereinstimmend mitteilten. Wie bereits die anderen fünf Reaktoren soll auch er nun in den Zustand der „Kaltabschaltung“ versetzt werden. Dabei wird der Kühlkreislauf auf Atmosphärendruck und eine Temperatur von unter 95 Grad Celsius gebracht. Die Kaltabschaltung ist der sicherste Zustand, der im Moment erreicht werden kann, weil auch bei einem vollständigen Druckabfall das Kühlwasser nicht vollständig verdampft. Doch selbst die abgeschalteten Reaktoren müssen noch monate- bis jahrelang gekühlt werden, um eine Kernschmelze zu verhindern. Auch für andere wichtige Sicherheitsfunktionen braucht das AKW weiterhin kontinuierlich Strom. Möglich war die Abschaltung, nachdem eine Reserveleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar wieder verbunden werden konnte. Über sie wird das AKW nun wieder aus dem ukrainischen Netz mit Strom versorgt. Während der letzten Tage hatte Reaktor 6 das gesamte AKW Saporischschja im Inselbetrieb mit Strom für den Eigenbedarf versorgt.

IAEA-Chef Rafael Grossi begrüßte die Abschaltung, betonte jedoch, die Situation in dem AKW sei so lange „prekär“, wie in der Gegend gekämpft werde. Es werde daran gearbeitet, auch weitere Stromleitungen wieder zu verbinden, damit bei einer erneuten Beschädigung weitere Leitungen zur Verfügung stehen.

Quellen: IAEA, tagesschau.de, Der Spiegel

7. September: Reserveleitung zum AKW Saporischschja beschädigt

Nach Angaben der IAEA wurde eine Reserve-Stromleitung zwischen dem AKW Saporischschja und dem Wärmekraftwerk Enerhodar beschädigt. Auf den Betrieb des AKW habe dies keine unmittelbare Auswirkung, weil das Kraftwerk bereits seit zwei Tagen vom Stromnetz getrennt sei und im Inselbetrieb laufe. Seit dem 2. September ist es von allen vier Hauptleitungen getrennt. Von den drei Reserveleitungen zum nahegelegenen Wärmekraftwerk Enerhodar sei nun eine durch Beschuss beschädigt, doch auch die beiden anderen seien nicht in Betrieb. Dabei ist die gesicherte externe Stromversorgung eine der sieben tragenden Säulen der nuklearen Sicherheit im Krieg, die IAEA-Chef Grossi zu Beginn des Krieges in der Ukraine vorgestellt hatte.

Die sieben Säulen sind:

  • die physische Integrität der Anlagen – ob Reaktoren, Brennelementbecken oder Lager für radioaktive Abfälle – muss erhalten bleiben;

  • alle Sicherheits- und Sicherungssysteme und -ausrüstungen müssen zu jeder Zeit voll funktionsfähig sein;

  • das Betriebspersonal muss in der Lage sein, seinen Sicherheits- und Sicherungspflichten nachzukommen, und es muss in der Lage sein, Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen;

  • für alle kerntechnischen Anlagen muss eine gesicherte externe Stromversorgung aus dem Netz vorhanden sein;

  • es muss ununterbrochene logistische Versorgungsketten und Transporte zu und von den Standorten geben;

  • es muss wirksame Systeme zur Strahlungsüberwachung vor Ort und außerhalb des Standorts sowie Maßnahmen zur Vorbereitung auf Notfälle und zur Reaktion darauf geben; und

  • es muss eine zuverlässige Kommunikation mit der Aufsichtsbehörde und anderen Stellen geben.

Quellen: IAEA

6. September: IAEA veröffentlicht Bericht über Situation am AKW Saporischschja

Nach ihrer Untersuchung vor Ort in dem von russischen Truppen besetzten AKW Saporischschja fordert die IAEA eine „Sicherheitszone“. In ihrem Bericht fordert sie, Bombardements der Anlage und der Umgebung sofort einzustellen, um erneute Schäden zu vermeiden. Alle Beteiligten müssten sich darauf einigen, um noch schwerere Schäden durch Kampfhandlungen und den Austritt von Radioaktivität zu verhindern. Bei ihrem Besuch des AKW stellte die IAEA Schäden nahe der sechs Reaktoren und der Zwischenlager fest. Durch den Beschuss seien Dächer von Lagerstätten für radioaktives Material beschädigt worden und das Strahlungsmesssystem sei im Moment nur teilweise funktionsfähig. Weiterhin wies die IAEA auf die extrem stressigen Bedingungen hin, unter denen das ukrainische Kraftwerkspersonal arbeite. Besorgt ist sie auch wegen der wiederholten Unterbrechungen der Stromversorgung für die Kühlung der Reaktorkerne und des Atommülls. Der Beschuss des AKW-Geländes ging derweil weiter.

Quellen: IAEA, Die Zeit

5. September: Reserveleitung zum AKW Saporischschja gekappt

Nach Angaben der Ukraine wurde eine Hochspannungsleitung getrennt, die das AKW Saporischschja mit dem Wärmekraftwerk Enerhodar verbindet, um ein Feuer zu löschen. Es handelt sich dabei um eine Reserveleitung. Sie sei aber nicht beschädigt und solle wieder verbunden werden, wenn das Feuer gelöscht sei. Dann solle der letzte noch laufende Reaktor wieder Strom ins Netz speisen. Aktuell versorgt Reaktor 6 das AKW im Inselbetrieb mit Strom, um alle wichtigen Sicherheitsfunktionen, wie die Kühlung der Reaktoren, aufrechtzuerhalten.

Die IAEA meldete, vier ihrer Fachleute hätten das AKW Saporischschja inzwischen planmäßig wieder verlassen. Zwei Expert*innen sollen vor Ort bleiben, um die Lage weiter zu beobachten.

Quellen: IAEA, Der Spiegel

3. September: AKW Saporischschja von letzter Hauptstromleitung getrennt

Das AKW Saporischschja wurde von der vierten und letzten Hauptstromleitung zum ukrainischen Stromnetz getrennt, teilte die IAEA mit. Außerdem sei Reaktor 5 erneut heruntergefahren worden. Über eine verbliebene Reserveleitung zum nahegelegenen Wärmekraftwerk Enerhodar liefere Block 6 weiter Strom für den Eigenbedarf des gesamten Kraftwerks und für das ukrainische Netz. Über diese Leitung könne es sich im Notfall auch selbst versorgen.

Quellen: IAEA, CNN