2. Alternative Statuskonferenz zur Standortsuche für ein Atommüll-Lager

Online Konferenz am 30./31. Oktober 2021

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Wie ist der Stand der Suche für ein Atommülllager zehn Jahre nach dem Neustart, ein Jahr nach der Veröffentlichung erster Zwischenergebnisse und kurz nach Ende des ersten Beteiligungsformats?

Auf der Alternativen Statuskonferenz zogen Umweltorganisationen, Wissenschaftler*innen, Initiativen und Expert*innen eine erste kritische Bilanz. Sie blickten aus unterschiedlichen Perspektiven auf zahlreiche Fragen rund um das Thema Atommülllagerung:   

Wie sind Stimmung und Diskussionsstand in den betroffenen Gebieten - zwischen NIMBY („nicht bei mir“), gesellschaftlicher Verantwortung und solidarischer Vernetzung? Welche Erfahrungen gibt es mit der Öffentlichkeitsbeteiligung? Wie wird die bisherige Arbeit des Atommüll-Bundesamtes (BaSE) und der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beurteilt? Welche Rolle spielt der schwach- und mittelradioaktive Müll in der Debatte? Wie können sich Aktive in den Teilgebieten bestmöglich organisieren und vernetzen? Wie wird für den Zeitraum der Suche mit den Zwischenlagern umgegangen?

Die Konferenz hat dazu beigetragen, Aufklärung, Austausch und Vernetzung Betroffener voranzubringen.

Videobeiträge und Vortragsfolien der Konferenz
    • Input 1 - Unfertiger Bericht, mangelhafte Beteiligung?

      Das Suchverfahren 10 Jahre nach dem Neustart.
      Der Neustart der Atommülllagersuche war auch mit einem gesetzlich verankerten Versprechen nach mehr Beteiligung, Transparenz und Wissenschaftlichkeit verbunden. Mit der Vorlage des Zwischenberichts Teilgebiete und dem vor kurzem zu Ende gegangenen Beteiligungsformat „Fachkonferenz Teilgebiete“ lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Jürgen Voges beleuchtet den Stand des Verfahrens, Mängel und die Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre.  

      Input 2 - Beteiligung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

      Die Fachkonferenz Teilgebiete (FKTG) hat Deutungskonflikte um das StandAG offenbart. Was ist unter Begriffen wie Mitgestaltung, Lernen, Hinterfragen oder Selbstorganisation zu verstehen? Orientierung finden wir in der Theorie, aber auch im Verfahren selber. Denn die Ideale, die das StandAG aufzeigt, sind in einen Prozess eingebettet, der von Machtwirkungen beeinflusst ist. Nach ersten theoretischen Überlegungen zur Mitgestaltung ordnen Dörthe Themann, Yasmine Kühl und Lukas Schwarz die FKTG im Prozess ein und ein Konzept von Macht und wie diese auf der FKTG wirkte, wird ins Zentrum der analytischen Überlegungen gerückt.

      Input 3 - Die unbekannte Zugabe bei der Standortsuche

      Schwach- und mittelradioaktiver Müll
      Schon vor Verabschiedung des Standortauswahlgesetzes haben Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände gefordert, alle Arten radioaktiver Abfälle in eine Standortsuche einzubeziehen. Schließlich weiß niemand, wo und wie die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle sicher dauerhaft gelagert werden können. Ursula Schönberger und Silke Westphal erklären, warum nach Gorleben auch das alte Projekt Schacht KONRAD aufgegeben werden muss, welche Probleme im Umgang mit den Abfällen derzeit auftreten und wo dringender Handlungsbedarf besteht.
       

      Input 4 - Zwischen Tiefschlaf, NIMBY und kritischem Engagement

      Die Situation in den Teilgebieten
      Wie reagieren die Bevölkerung und die Kommunalpolitik in den von der BGE benannten Teilgebieten in 54 Prozent des Bundesgebietes? Manche fühlen sich nicht betroffen, weil die Flächen so riesig sind. Andere protestieren, da es keine hundertprozentig sichere Lagerung geben wird. Schließlich geht es darum, einen Ort zu finden, der das Risiko für die ganze Gesellschaft aufnimmt. Wieder andere akzeptieren zwar die Aufgabe, verfolgen die Umsetzung aber kritisch. Eine Analyse von Jochen Stay.

    • AG1 - Wie weiter mit der Suche?

      Der steinige Weg von Teilgebieten zu Standortregionen
      Jürgen Voges, Fachjournalist
      Michael Mehnert, endlagerdialog.de

      Mit der Ausweisung von 54 Prozent der Bundesfläche als potentiell geeignet für ein Atommülllager und dem methodisch kritisierten Vorgehen der BGE kommt dem aktuellen Eingrenzungsschritt der Suche erhebliche Bedeutung zu. Michael Mehnert und Jürgen Voges diskutieren was der Zwischenbericht Teilgebiete für die anstehenden vorläufigen repräsentativen Sicherheitsuntersuchungen bedeutet, was unter „Geosynthese“ zu verstehen ist und welche Probleme auf das Verfahren zukommen.   

      Download Präsenation M.Mehnert

      AG2 - Beteiligung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

      Dörte Themann, FU Berlin
      Lucas Schwarz, FU Berlin
      Yasmine Kühl, KIT Karlsruhe

      In der AG behandeln wir 4 Blöcke. Nach einem kurzen Einstieg zum Sinn der Öffentlichkeitsbeteiligung im Verfahren der Standortsuche, möchten wir nochmal die Erfahrungen der Teilnehmenden zur FKTG aufgreifen und übergeordnete Aussagen zum Verlauf dieses ersten Beteiligungsformates ableiten. Nach einer Pause beschäftigen wir uns mit dem Begriff der Selbstorganisation, um dann zum Abschluss auf die Frage einzugehen, was nun für den künftigen Prozess gelernt werden kann.

      Download Präsentation L. Schwarz

    • Berichte aus den Arbeitsgruppen
  • Panel - Teilgebiete zwischen NIMBY, gesellschaftlicher Verantwortung und solidarischer Vernetzung

    Petra Kruse-Runge, Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom (LAgAtom) und Kreistagsabgeordnete  
    Rolf Wedemeyer, BI Kein Endlager im Landkreis Rotenburg/Wümme
    Niels Detloff, AG Salzstöcke Ostprignitz-Ruppin 

    In den meisten Teilgebieten ist wenig Betroffenheit zu spüren. Doch in einigen Regionen sind Menschen aufgewacht, haben sich organisiert und sich in die komplexe Materie eingearbeitet. Die jeweiligen Ansätze sind allerdings sehr unterschiedlich. Welche Ziele verfolgen Initiativen und Kommunalpolitik vor Ort? Wie versuchen sie sich einzumischen  und welche Erfahrungen haben sie bisher damit gemacht? Exemplarisch kommen in dieser Diskussionsrunde Vertreter*innen aus vier Landkreisen zu Wort.  

    AG: Einführung in die Geologie der Standortsuche

    Michael Mehnert, endlagerdialog.de
    Der Zwischenbericht Teilgebiete stellt nicht nur Bürger*innen vor die große Herausforderung das geologische Vorgehen zu verstehen, auch Expert*innen bemängeln den komplizierten und unleserlichen Bericht. Michael Mehnert gibt eine Einführung in die wichtigsten geologischen Begriffe und Fragestellungen rund um die aktuelle Atommülllagersuche und erläutert wie Geologie bei der Suche verständlicher vermittelt werden kann.

    Download Präsentation

    AG: Kein Ende in Sicht? Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle

    Oda Becker, Diplom-Physikerin
    Frühestens Mitte des Jahrhunderts, wird der Atommüll in ein tiefengeologisches Lager verbracht werden können, wahrscheinlich eher noch später. Bis dahin steht der hochradioaktive Abfall in unsicheren Zwischenlagern. Oda Becker berichtet über die Situation an den Zwischenlagerstandorten und über bereits bestehende sowie absehbare Probleme.

    Berichte aus den Arbeitsgruppen
    Schlusswort - Wolfgang Ehmke

    Alternative Statuskonferenz - ein Bericht  - Wolfgang Ehmke, BI Lüchow-Dannenberg

    Download Bericht ASK

  • Helge Bauer
    berät bei .ausgestrahlt örtliche Initiativen in organisatorischen Fragen und bei kreativen Protestformen, beschäftigt sich seit Jahren mit der Standortsuche und hält dazu Vorträge.

    Oda Becker
    ist unabhängige wissenschaftliche Beraterin für nukleare Risiken. Die studierte Physikerin hatte von 2006 bis 2011 eine Vertretungsprofessur an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hannover. Becker erstellt seit mehr als 20 Jahren zahlreiche Studien und Fachstellungnahmen zu den Risiken von Atomkraftwerken und Zwischenlagern.

    Niels Detloff
    lebt im Norden Brandenburgs dicht beim Teilgebiet Salzstock Zechlin. Dadurch wurde er 2020 zum Atommüll-Aktivisten und zum Gründungsmitglied der "AG Salzstöcke OPR". Schnell gewann er die Überzeugung, dass es nicht darum gehen kann, dass der Atommüll nicht in seinen Vorgarten kommt, sondern dass der Atommüll an den sicherstmöglichen Ort kommt. Damit die Zivilgesellschaft darauf hinwirken kann, kämpft er für einen deutschlandweiten Zusammenschluss Gleichgesinnter.

    Wolfgang Ehmke
    engagiert sich seit der Standortbenennung Gorlebens als „Nukleares Entsorgungszentrum“ gegen die Atomkraft. Seit Beginn der 90er Jahre ist er – mit einer Auszeit, weil er als Fachberater Deutsch in der Türkei gearbeitet hat – Pressesprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI). Aus seiner Feder stammt u.a. der Roman „Der Kastor kommt!“, Hintergrund der Erzählung ist das Aktionsgeschehen des 13. und letzten Castors, der vor 10 Jahren nach Gorleben transportiert wurde – das gab den Anstoß zu einer vergleichenden Endlagersuche.

    Edo Günther
    ist Sprecher des BUND Arbeitskreises "Atomenergie und Strahlenschutz". Der Arbeitskreis arbeitet zu einer Vielzahl atompolitischer Themen wie Beschleunigung und Realisierung eines kompletten Atomausstiegs, Rückbau und Stilllegung von AKWs, sämtliche Ober - und unterirdischen Lagerfragen. Edo Günther lebt in der Nähe des AKW und den Zwischenlagern Grafenrheinfeld (Bayern) und engagiert sich seit vielen Jahren in der Anti-Atom-Arbeit.

    Petra Kruse-Runge
    aus dem Landkreis Lüneburg ist seit der Gründung 2010 im Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom (LAgAtom) aktiv.  Sie ist Diplom Oecotrophologin, Mutter und Großmutter und sieht aus vielen Blickrichtungen auf das Thema Atomkraft. Sie ist daneben auch grüne Kommunalpolitikerin als Fraktionsvorsitzende im Kreistag und Ratsfrau vor Ort.

    Torben Klages
    Mitarbeiter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

    Yasmine Kühl
    beforscht als Beteiligungsforscherin die Visionen, Narrative und „Fails“ von Veranstaltungen in partizipativen Transformationskontexten. Die Endlagersuche begleitet sie in ihrer Dissertation „Der Technikblick auf Partizipation“ seit dem ersten Bürgerdialog der Endlager-Kommission. Sie untersuchte u.a. für das Projekt ENTRIA den Aspekt „Medialisierung von Partizipation in konkflikthaften Entscheidungsprozessen“ im Hinblick auf die mögliche Vereinnahmung von Protestgruppen bzw. wie eine solche sich durch „Kommunikationsgerechtigkeit“ vermeiden ließe.

    Michael Mehnert
    ist promovierter Physikochemiker und Fachjournalist. Er beschäftigt sich seit knapp 20 Jahren mit der Langzeitlagerung von Atommüll - zehn Jahre davon im Bundesamt für Strahlenschutz im Fachgebiet Strahlenschutz der Entsorgung und im Referat Öffentlichkeitsarbeit. Nach fristloser Entlassung aus dem Bundesamt arbeitet er auf eigene Initiative weiter und veröffentlicht seine Erkenntnisse regelmäßig im Blog endlagerdialog.de.

    Dörte Themann
    hat während ihres Masterstudiums als studentische Mitarbeiterin am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin in einem Teilprojekt der Forschungsplattform ENTRIA mitgearbeitet. Seitdem lässt sie das Thema des gesellschaftlichen Umgangs mit radioaktiven Abfällen nicht mehr los. Sie hat danach zu soziotechnischen Fragestellungen im Kontext der Entsorgung radioaktiver Abfälle geforscht und promoviert nun innerhalb des Forschungsverbundes TRANSENS.

    Ursula Schönberger
    ist Politikwissenschaftlerin, seit 35 Jahren in der Anti-Atom-Bewegung und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V.. Eine Legislaturperiode selbst Bundestagsabgeordnete, arbeitete sie viele Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Politikbetrieb. Sie leitet das Projekt atommuellreport.de, das Informationen standortscharf aufbereitet, das Wissen aus fünf Jahrzehnten für die Zukunft sichert und die junge Generation für die Atommüll-Probleme interessieren will.

    Lucas Schwarz
    ist in der Nähe des AKW Gundremmingen aufgewachsen und über sein Geographie-Studium am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin gelandet. Dort forscht er im Projekt TRANSENS am derzeitigen Standortsuchprozess und im Rahmen seiner Promotion über Gerechtigkeit im Umgang mit hochradioaktiven Abfällen.

    Jochen Stay
    Ist Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, seit 1985 aktiv in der Anti-Atom-Bewegung, Mitorganisator der Proteste gegen die Castor-Transporte (nicht nur nach Gorleben). Seit 2011 mischt er sich intensiv und kritisch in die Debatte um eine neue Standortsuche für ein dauerhaftes Lager für hochradioaktiven Atommüll ein.

    Jürgen Voges
    schreibt als freier Journalist unter anderem für die taz und ist Autor verschiedener Fachtexte zur Atommülllagersuche. Voges war Pressesprecher der Atommüllkommission beim Deutschen Bundestag, die maßgeblich das neue Suchverfahren geprägt hat, sowie Mitarbeiter des Nationalen Begleitgremiums. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Vorbereitung der Fachkonferenz Teilgebiete hat er zudem die Ausgestaltung der Konferenz hautnah miterlebt.  

    Lena Wacker
    hat in Münster Erziehungswissenschaften und Musikpädagogik studiert. Neben ihrer Stelle als Bildungsreferentin für den ökologischen Freiwilligendienst, leitet sie freiberuflich als Trainerin in der Jugend- und Erwachsenenbildung Workshops und Seminare und moderiert Veranstaltungen. Inhaltlich geht es um Themen der diversitätsbewussten und politischen Bildung sowie des sozialen Lernens. Besonders am Herzen liegt ihr Umweltschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

    Rolf Wedemeyer
    BI Kein Endlager im Landkreis Rotenburg/Wümme

    Silke Westphal
    ist seit 2010 im Vorstand der AG Schacht KONRAD und ist Mitglied der Zivilgesellschaftliche Vertretung (ZGV) der ASSE 2-Begleitgruppe.

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