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Nach unserer ersten Woche in Delhi mit der nationalen Anti-Atom-Bewegung reisen wir weiter in die zweitgrößte indische Stadt. Dass Mumbai ganz anders ist als Delhi, merkt man schon bei der Ankunft. Hochhäuser, Slums und Moscheen fliegen vor dem Fenster vorbei auf der zweistündigen Autofahrt in die Altstadt. Die Stadt wächst unaufhörlich, überall wird gebaut. Am Ende geraten wir in eine Demonstration der Rikscha-Fahrer, die höhere Fahrtariffe fordern. Die Altstadt ist voller britischer Kolonialbauten, halb überwuchert von riesigen Pflanzen und Bäumen. Die Regenzeit bringt angenehme Kühle von um die 30 Grad, aber auch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.

Spontaner Austausch über Atomkraft & Energiewende

Am Tag nach unserer Ankunft sollen wir „einige“ AktivistInnen der Anti-AKW-Bewegung von Mumbai treffen. Wir fahren mit zwei deutschen Journalistinnen, die wir in Delhi kennen gelernt haben und die auch am Anti-Atom Thema interessiert sind, im völlig überfüllten Frauenabteil der Mumbaier Bahn gen Norden. Der Raum ist voll. Aus „einigen“ wurden 50. Neugierige Gesichter erwarten uns, fast ausschließlich Männer. Wir werden spontan auf das Podium  gebeten, um von der deutschen Energiewende zu berichten. Eine Vielzahl unterschiedlicher Fragen prasselt auf uns ein.

Gibt es Studien über Radioaktivität im Umfeld von Atomkraftwerke und damit zusammenhängenden Krebsfällen? (By the way: ja gibt es) Sind diese Studien öffentlich zugänglich? Die indische Bewegung kämpft mit einer sehr restriktiven Informationspolitik der Regierung, die viele wichtige Dokumente unter Berufung auf die „nationale Sicherheit“ unter Verschluss hält. Unabhängige Untersuchungen gibt es kaum.

 

Welches sind die Alternativen zur Atomkraft? Sind die Alternativen nicht zu teuer, besonders für ein armes Land wie Indien? Wie können die Politiker von einer anderen Energiepolitik überzeugt werden?

Die Argumente der Regierung, dass Indien die Atomenergie brauche, um die Armut zu überwinden und sich zu einem modernen Land wie die USA zu entwickeln, werden kritisch hinterfragt. Wir geben unser Bestes, den deutschen Atomausstieg, die Bewegung und die Energiewende zu beschreiben und Erfolgsfaktoren zu benennen.

Die Versammlung endet mit der Bitte um deutsche und internationale Unterstützung und Solidarität mit den indischen AtomkraftgegnerInnen. Wir versprechen, die Message nach Deutschland zu tragen.

Redaktion

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