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21.06.2013 | von Redaktion

Repressionen gegen die AKW-GegnerInnen

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Jaitapur treffen wir weitere AktivistInnen. Ein Fischer fährt mit uns raus in die Bucht und wir können einen Blick auf die Halbinsel werfen, auf der das AKW gebaut werden soll. Immer wieder werden wir von den heftigen Regenfällen überrascht, die innerhalb von Sekunden losbrechen. Das Meer ist aufgewühlt und die Wellen riesig.

Unzureichende Untersuchung der Vorhabensauswirkung

Die Regierung hat eine ökologische Folgeabschätzung durchgeführt, aber viele Informationen nicht aufgenommen oder fälschlich dargestellt. Das Land, auf dem die BäuerInnen schon seit Jahrhunderten ihre berühmten Alfonso-Mangos anbauen, soll angeblich nicht fruchtbar sein. Die beiden Flusszuläufe neben dem geplanten AKW, auf denen die Fischer ihren Lebensunterhalt verdienen, sind in den Karten der Regierung nicht eingezeichnet. Die Gegend ist eine der drei wichtigsten Biodiversitätszonen in Indien.

Weißbauch-Seeadler und Delfine

Wir sehen Weißbauch-Seeadler und Delfine. Die Regierung scheint es nicht zu stören, dass Jaitapur in einem aktiven Erdbebengebiet liegt. Laut dem staatlichen Energieunternehmen, das für den Bau des AKWs zuständig ist, haben sich in den letzten 20 Jahren 92 Erdbeben in und um Jaitapur herum ereignet. Eine unabhängige Folgeabschätzung wäre dringend nötig und könnte der Bewegung vor Ort sehr helfen.

Bürgerkriegsähnliche Anwendung von Kolonial-Gesetz

Wir haben im letzten Beitrag schon über die Repressionen geschrieben. Momentan herrscht sozusagen Ausnahmezustand in der Region. Ein Gesetz aus der britischen Kolonialzeit, das eigentlich für Situationen wie Bürgerkrieg gedacht war, wurde zur Anwendung gebracht. Es verbietet eine Ansammlung von Gruppen über fünf Personen. Es gab seit den letzten großen Protesten über 10.000 Anklagen und viele Verfahren laufen noch. Fast alle mit denen wir sprechen haben mehrere Tage bis Wochen in Untersuchungshaft verbracht. Die Einwohner durften für mehrere Tage ihre Häuser nicht verlassen. AktivistInnen aus Mumbai haben Einreiseverbot in die Region.

Morgen werden wir wieder Richtung Mumbai aufbrechen. Was wir von unserem Aufenthalt in Jaitapur mitnehmen? Hier setzen sich wahnsinnig mutige Menschen gegen Atomkraft ein, obwohl sie unterdrückt, geschlagen und angeklagt werden. Die lokale Bewegung ist hervorragend organisiert, und die Menschen haben sich ein sehr detailliertes Wissen über Atomkraft angeeignet. Die Proteste betreffen nicht nur die Forderung „not in my backyard“ sondern richten sich gegen Atomkraft allgemein.

Die Vernetzung mit anderen AktivistInnen in Indien ist hoch. Areva hat angeblich angekündigt, das Projekt fallen zu lassen, sollten die Proteste zu stark sein. Uns ist schleierhaft, wie Areva immer noch an dem Projekt festhalten kann, wo an jeder Straßenecke ´No nuclear – Areva go home´ zu lesen ist.

Redaktion

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