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Erneuerbare auf Platz zwei vor Atomkraft. Auch weltweit hält Niedergang der Atomkraft an.

In Deutschland sind im ersten Halbjahr 2013 etwa 1.800 Megawatt Solarkapazität neu installiert worden. Die Windkraftkapazitäten wurden um knapp 1.000 MW ausgebaut. Damit erhöht sich nach den vorläufigen Daten der Arbeitsgruppe Energiebilanzen (AGEB) der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Stromerzeugung im Jahr 2012 auf 22,1 Prozent. Atomkraft liegt nach 2011 das zweite Jahr in Folge im Jahresdurchschnitt hinter den Erneuerbaren. Das Problem ist: Die 16,1 Prozent Atomstrom in 2012 sind immer noch 16,1 Prozent zu viel!

Stromexporte steigen um  mehr als 60 Prozent

Ebenfalls bedenklich: Strom aus Stein- oder Braunkohlekraftwerken kam 2012 mit 44,8 Prozent auf den ersten Platz. Dies vor allem, weil sich die schmutzige Art der Stromerzeugung mangels funktionierenden Emissionshandels lohnt wie lange nicht mehr. Die klimaschädlichen Kraftwerke laufen dabei vor allem für den Export. Nach jüngsten Zahlen wurden im ersten Halbjahr 2013 netto 15,4 TWh ins europäische Ausland exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr 2012 entspricht dies einer Steigerung von 62 Prozent. Mehr dazu auf der Sonnenseite.

Lastmanagment nimmt Fahrt auf

Gleichzeitig gibt es aber auch positive Nachrichten: Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben erstmalig Firmen unter Vertrag genommen, die ihre Maschinen und Prozesse drosseln, wenn Stromengpässe drohen. Seit dem 1. Juli können die Netzbetreiber nun flexibel industrielle Lasten bei Bedarf abschalten. Konkret geht es um um 247 Megawatt an „sofort abschaltbaren Lasten“ und 332 Megawatt an „schnell abschaltbaren Lasten“, wie folgender Beitrag von Bernward Janzing beschreibt.

Auch weltweit: Atomkraft weiter auf Rückzug

Im ersten Halbjahr 2013 ist nach Aufzeichnungen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) die Zahl der weltweit betriebenen Atomreaktoren gesunken. Sie liegt jetzt wieder in einer Höhe wie vor zwanzig Jahren, insgesamt sind noch 434 im Prinzip in Betrieb. Und das sogar inklusive der 48 Atomreaktoren, die nach Fukushima in Japan abgeschaltet wurden und deren Inbetriebnahme zumindest offen ist, auch wenn die Regierung sie gegen den wachsenden Widerstand durchsetzen will.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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