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Block B des AKW Gundremmingen undicht. Größtes deutsches AKW und letzten Siedewasserreaktor jetzt abschalten!

Das AKW Gundremmingen, Deutschlands einziger noch am Netz befindlicher Siedewasserreaktor meldet eine Tropfleckage. Dieses Mal am Reaktordruckbehälter von Block B, also im Hauptkreislauf, in dem mit einem Druck von 70 Bar und einer Temperatur von fast 300° Celsius das radioaktive Wasser beziehungsweise der radioaktive Dampf kreisen. 

Während die Bürgerinitiative FORUM vor zweit Wochen zwei beamtete Sicherheitsexperten geladen hatte, einen Wiener Professor sowie den ehemaligen Leiter der Atomaufsicht im deutschen Bundesumweltministerium, die die Gefährlichkeit der Gundremminger Siedewasserreaktoren zusammenfassten, kam es nach Auskunft des FORUMs jetzt tatsächlich zu einem Leck. Pikant: am 7.8 wurde bereits Block C außerplanmäßig abgeschaltet, das Ferienprogramm mit Besichtigung des Reaktors für Kinder lief weiter.

Dichtungen an Messlanzendurchführungen leck

Die Meldung des FORUMS, die wir im folgenden wiedergeben, sagt zum aktuellen Störfall: Durch die Wand des Reaktordruckbehälters sind Messlanzen gesteckt. Mit den an diesen Messlanzen befindlichen Detektoren wird der Neutronenfluss im Reaktor erfasst. Die Dichtungen dieser Behälterdurchdringungen werden durch den Druck, die Hitze und die Neutronenstrahlung abgenutzt. Reaktordruckbehälter und Hauptkreislauf müssen jedoch unbedingt dicht bleiben! Denn das in ihnen kreisende mal flüssige und mal dampfförmige Wasser hat zwei Aufgaben: Es transportiert die Energie zur Turbine und es kühlt die Spaltelemente. Wenn eine Undichtheit zu einem großen Leck aufriss, das Wasser aus dem Hauptkreislauf strömte und zischte, würden die Spaltelemente nicht mehr gekühlt und katastrophal überhitzt.

Gefahr durch Siedewasserreaktoren

Da die veralteten Siedewasserreaktoren im Unterschied zu den später üblichen Druckwasserreaktoren zwar billiger waren aber nur einen Hauptkreislauf haben, ist das Wasser im Hauptkreislauf radioaktiv. Man muss daran erinnern, dass das AKW Gundremmingen als gefährlichstes AKW Deutschlands gilt. Denn es wird mit den letzten zwei von früher einmal zehn deutschen Siedewasserreaktoren betrieben. Sie gehören zur Baulinie (19)72, sind kaufmännisch abgeschrieben und seit 29 Jahren in Betrieb. Baulinie 72 bedeutet, dass sie zu einer Zeit konstruiert wurden, als beispielsweise Deutschlands meist gefahrenes Auto der VW-Käfer war. Bezeichnenderweise haben auch diese Gundremminger Reaktoren wegen ihrer übergroßen Risiken keine ausreichende Haftpflichtversicherung.

Zudem hat das AKW Gundremmingen bis heute nicht erklärt, was im Dezember 2012 die Ursache einer ähnlichen Tropfleckage im Block C war. Und das AKW hat bis heute nicht die Ursachen für die Häufungen von Undichtheiten an den Spaltelementen herausgefunden.

AKW Gundremmingen ist überflüssig

Am selben Tag, an dem RWE die Störung im AKW Gundremmingen melden musste, hat der Konzern verkündet, wegen des Überfluss an Kraftwerken, der zu einem dramatischen Preisverfall an der Strombörse führt, netto 4.265 MW (Megawatt) Kraftwerkskapazität still legen zu wollen. Deutschlands größtes Kernkraftwerk, das AKW Gundremmingen, hat eine Nettokapazität von 2.568 MW. Es ist nicht nur gefährlich sondern für die Stromversorgung überflüssig.

Leistungserhöhung endgültig ablehnen und das AKW stilllegen

Jetzt wollen die Bayerische Staatsregierung und das Bundesumweltministerium aber sogar eine ursprünglich im September 1999 beantragte Ausweitung der Atomstromproduktion im AKW Gundremmingen genehmigen. Ohne besondere Umbauten soll durch schärferes Fahren der Reaktoren die Leistung erhöht werden. Unsere Bürgerinitiative fordert, nach 14 Jahren Bearbeitung dieses Antrags ihn endlich abzulehnen und die beiden Gundremminger Siedewasserreaktoren stillzulegen.

Matthias Weyland

Matthias Weyland, Jahrgang 1979, ist seit 2006 bei .ausgestrahlt dabei. Beim BUND Baden-Württemberg, für den er bis Ende 2012 arbeitete, kämpfte er unter anderem für die Energiewende und gegen den Bau eines weiteren klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Mannheim. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Umweltbundesamt.

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